Neujahr

Feuerwerk an Silvester: So leiden Tiere unter dem Böllerlärm

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Die größten Kritikpunkte am Feuerwerk

Die größten Kritikpunkte am Feuerwerk

Das Feuerwerk gilt als eine Tradition, um den Jahreswechsel zu feiern. Doch diese Tradition wird schon seit Jahren als kritisch bewertet. Die wichtigsten Punkte sind im Video zusammengefasst.

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Jedes Jahr gibt es Forderungen für ein Böllerverbot an Silvester. Tatsächlich führen die Knaller zu viel Leid bei Haus- und Wildtieren.

Berlin. Für viele Menschen ist die Silvesternacht fest mit Feuerwerken und Böllern verbunden. Tatsächlich erfreuen sich zahlreiche Bürger und Bürgerinnen an den bunten Funken im Himmel und dem Knallerspaß am Boden. Doch für die Natur und insbesondere die Tiere ist Silvester mit seinem Böllerlärm alles andere als unterhaltsam. Das gilt sowohl für Haus- und sogenannte Nutztiere als auch für Tiere in freier Wildbahn.

Dieses Jahr dürfte es zudem wieder stressiger werden als in den vergangenen beiden Wintern: Hatte es wegen der Corona-Pandemie 2020 und 2021 noch weitreichende Böllerverbote gegeben, sind Böller an Silvester 2022 wieder weitestgehend erlaubt – und zwar auch für Privatpersonen. Knallt es in der direkten Nachbarschaft, bedeutet das für die Tiere besonders hohen Stress.

In einer Online-Umfrage des Vereins "Welttierschutzgesellschaft" gaben von mehr als 600 befragten Tierhaltenden 83,6 Prozent an, dass ihre Tiere an Silvester Angstsymptome zeigen. Auch deshalb fordern Menschen jedes Jahr ein generelles Böllerverbot. Doch wie sehr leiden Tiere unter dem Silversterlärm und was kann man tun, um ihnen zu helfen?

Silvester: Warum sind Böller schlecht für Tiere?

Für viele Tiere bedeutet der Silvesterlärm Stress und eine Belastung. Sowohl Haustiere als auch Wildtiere reagieren oft sensibel auf den Lärm und die blitzartigen Funken am Himmel. Das Leipziger Büro des Naturschutzbund Deutschland (NABU) bezeichnet Silvester sogar als "Schockerlebnis für Tiere", es führe zu Panik, Verletzungen und manchmal sogar zum Tod.

Das liegt besonders auch daran, dass manche Tiere bei Angst vor einer möglichen Bedrohung instinktiv flüchten. Während Haustiere in Wohnungen und Häusern noch relativ geschützt sind, sieht das bei Wildtieren schon anders aus: Fliegen aufgeschreckte Vögel beispielsweise in die Höhe, werden sie oft von Feuerwerkskörpern oder deren Funken getroffen. Das passiert besonders oft bei Vögeln, die großen Schlafgemeinschaften in Stadtparks oder Wohngebieten in den Bäumen ruhen.

Aber auch für andere Wildtiere bringt der Feuerwerks- und Böllerlärm eine große Gefahr mit sich: Überwinternde Tierarten wie der Igel können durch die Kracher aus ihrem Winterschlaf aufgeschreckt werden. Das bedeutet einen erheblichen Energieverlust, der ebenfalls tödlich enden kann.

Angst vor Feuerwerk: Was passiert an Silvester mit Tieren?

Die Tage vor und nach Silvester, an denen jeweils bereits viele Böller knallen, sind für die Tiere und die Umwelt besonders stressig. Allein in der Silvesternacht fliegen laut NABU 15 Prozent der jährlich im Straßenverkehr freigesetzten Menge Feinstaub in die Luft. Das sind rund 4000 Tonnen. Auch die Tiere werden in diesem Zeitraum besonders oft aufgeschreckt. Mit tragischen Folgen.

Ornithologen und Ornithologinnen berichten jährlich von orientierungslosen und verschreckten Vogelschwärmen. Wie der NABU erklärt, fliegen manche Gartenvögel in der Silvesternacht bis zu 1000 Meter hoch, um vor Lärm und Feuerwerk zu flüchten – und das, obwohl sie in der Regel nur selten Höhen über 100 Meter erreichen.

Immer wieder tragen die Tiere durch den Feuerwerks- und Böllerlärm auch Verletzungen davon: Säugetiere können Gehörschäden erleiden oder sich bei der Flucht verletzen, die Lichtreflexe führen zu Panik und Orientierungslosigkeit. Besonders in der Winterzeit verlieren die Tiere so wichtige Energiereserven, die sie für die kalte Jahreszeit mit weniger Nahrung dringend benötigen.

Was kann man tun, um Tiere vor Böllerlärm zu schützen?

Für die Tiere ist es am besten, wenn keine Böller und Feuerwerke in ihrer Nähe gezündet werden. Wer trotzdem böllern will, sollte dies nicht in der Nähe von Wäldern, Garten- oder Grünanlagen, Seen oder Feldern tun. Doch auch in Nachbarschaften verschreckt der Böllerlärm Tiere, wenn auch eher im Haus- und sogenannten Nutzierbereich.

Zum Schutz von Haustieren empfiehlt die Welttierschutzgesellschaft folgende Maßnahmen:

  • keine eigenen Böller oder Raketen zünden
  • Halsbänder der Tiere mit Notfallnummern und Adressdaten versehen
  • Hunde in den Tagen vor und nach Silvester – je nachdem, wann die Knallerei beginnt – nur angeleint und in bekannten Gebieten ausführen
  • Freigängerkatzen rechtzeitig vorher und lange genug ins Haus holen
  • Im Haus oder in der Wohnung einen ruhigen und sicheren Rückzugsort vorbereiten
  • Fenster und Rollläden zulassen, bei Kleintieren zusätzlich den Käfig mit einem dünnen Tuch abdecken und weitab von Fenstern aufstellen
  • Bei den Tieren bleiben, sobald die ersten Böller und Feuerwerke losgehen, und versuchen, Ruhe auszustrahlen und sich normal zu verhalten

Obwohl viele Tierhaltende dazu tendieren, ihre Hunde und Katzen in der Silvesternacht übermäßig zu beruhigen und ihnen sogar Rescue-Tropfen geben, ist gut gemeint nicht immer gut gemacht. Wie die Welttierschutzgesellschaft erklärt, überträgt sich das Verhalten des Rudelführers, also des Menschen, auch auf die Tiere.

In den Wochen vor Silvester sollten Haustierhaltende daher testen, welche Beruhigungsmethode gut auf ihr Tier wirkt. Dabei rät der Verein, am Oberschenkel des Tieres den Puls zu messen und so zu überprüfen, ob die Strategie wirklich wirkt. Ein Weg zur Beruhigung ist demnach sanftes Streicheln.

Wenn alles nicht mehr hilft, können auch Rescue-Tropfen oder andere Beruhigungsmittel zur Unterstützung genutzt werden. Vor der Verabreichung sollte aber ein Tierarzt oder eine -ärztin zu Rate gezogen werden.