Bevölkerungsschutz

Warntag: Diese absurde Verschwörungstheorie kursiert im Netz

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Warnmeldungen über Cell Broadcast direkt aufs Handy

Warnmeldungen über Cell Broadcast direkt aufs Handy

Den Behörden wurde nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 schwere Vorwürfe gemacht, die Bevölkerung nicht ausreichend gewarnt zu machen. Bald soll es möglich sein, direkte Push-Nachrichten mit einer Warnung via Handy zu erreichen: mit Cell Broadcast.

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Der erste bundesweite Warntag schlug fehl, beim zweiten sollte es besser werden. Doch es kursieren Verschwörungstheorien zur SMS.

Berlin. Am (heutigen) Donnerstag war es soweit: Um 11 Uhr fand bundesweit der zweite offizielle Warntag statt. Getestet wurde, ob die Systeme in der Lage sind, die Bevölkerung Deutschlands von einem Katastrophenfall zu informieren.

Warntag: Verschwörungstheorie in Telegram-Gruppen

Leider war der Testlauf auch die Gelegenheit für Verschwörungstheoretiker, um Verunsicherung und Ängste zu schüren. So war in vielen Telegram-Gruppen folgende Nachricht zu lesen: "Vorsicht!!! Warntag am 08.12.2022 und SMS!!! Wenn Ihr eine SMS bekommt, nicht öffnen! Ohne anzuschauen löschen! Der sogenannte Staat könnte sich Zugriff auf Dein Handy erschleichen!"

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Stimmt das? Ist es wirklich möglich, dass sich der Staat aufs Handy hackt? Die Antwort: nein. Der Grund dafür ist die Technik, die zum Einsatz kommt. Sie heißt Cell-Broadcast und sorgt dafür, dass die Mobilfunknetze die Nachricht automatisch verschicken, dabei aber die einzelnen Nummern der Handy-Nutzerinnen und -Nutzer nicht kennen müssen.

Auf Anfrage erklärt die Pressestelle der Bundesnetzagentur: „Die Übersendung von Warnmeldungen über Cell Broadcast ist ein anonymes Verfahren, das die Empfangsbereitschaft eines Mobilfunkendgerätes in einer Funkzelle des Mobilfunknetzes nutzt. (...) Alle empfangsbereiten Endgeräte, die sich in der jeweiligen Funkzelle befinden, empfangen die Cell Broadcast Nachricht.“ Die Warnung gehe an „an alle empfangsbereiten Mobilfunkendgeräte in der jeweiligen Funkzelle“, „ohne dass der Absender der Warnmeldung Mobilfunknummer oder andere Daten der Empfänger kennt oder erfassen kann“.

Durch diese Technik ist es auch keine klassische SMS, die die Menschen erhielten, sondern eine Art Push-Nachricht, die mit einem lauten Ton versehen war. Es war zu beobachten, dass die Menschen in den Fußgängerzonen gleichzeitig auf ihre Mobiltelefone starrten.

Warntag vor zwei Jahren ging schief

Der Text der Warnung bei der Push-Meldung lautete folgendermaßen: „Notfallalarm PROBEALARM, BUNDESWEITER WARNTAG 2022 Do 08.12.2022 – 11 Uhr – Probewarnung – für Deutschland – Es besteht keine Gefahr. - Weitere Infos auf https://warnung.bund.de/meldungen – Herausgegeben von: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Nationale Warnzentrale 1 Bonn“. Der Text ist deshalb so gewählt, weil alle Menschen vor allem erfahren sollen, dass am Warntag keine, im Ernstfall aber durchaus eine Gefahr besteht.

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Beim ersten bundesweiten Warntag im September 2020 war einiges schief gelaufen. Unter anderem kam die Meldung der Warn-Apps Nina und Katwarn erst mit einer guten halben Stunde Verspätung auf den Handys an. Hätte es tatsächlich ein Ernstfall gegeben, hätten viele Bürgerinnen und Bürger nichts mitbekommen. Beim jetzigen Testversuch musste keine App installiert sein, damit man alarmiert wurde.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

( dw )