Mobilität

Wie Paris mit Flugtaxis den Nahverkehr revolutionieren will

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Heusch
Ein Flugtaxi über den Dächern von Paris: Bis zu den Olympischen Sommerspielen 2024 soll das Normalität sein.

Ein Flugtaxi über den Dächern von Paris: Bis zu den Olympischen Sommerspielen 2024 soll das Normalität sein.

Foto: Animation: imago / Velocopter

In knapp zwei Jahren sollen in Paris die weltweit ersten fliegenden Taxis verkehren. Entwickelt hat sie ein deutsches Unternehmen.

Paris. In Paris geht es ein bisschen zu wie im Film. Geräuschlos gleitet in dem Blockbuster „Das Fünfte Element“ von 1997 ein Flugtaxi zwischen den Wolkenkratzern einer futuristischen Metropole dahin, gesteuert von Bruce Willis alias Ex-Soldat Korben Dallas. Die Handlung spielt im Jahr 2263. Reine Zukunftsmusik?

Von wegen – jüngst fand in der Pariser Vorstadt Pontoise der erste erfolgreiche Probeflug eines zweisitzigen Flugtaxis „unter normalen Bedingungen“ statt. Also beinahe zweieinhalb Jahrhunderte früher, als es sich die Macher von „Das Fünfte Element“ träumen ließen.

Diesem ersten Probeflug werden weitere folgen in der festen Absicht, noch vor den in Paris stattfindenden Olympischen Sommerspielen 2024 einen funktionierenden Flugtaxidienst auf die Beine zu stellen. Das jedenfalls haben sich die für den Pariser Großraum zuständige Region Ile-de-France, die die beiden Pariser Flughäfen verwaltende Gesellschaft ADP sowie die Pariser Nahverkehrsbetriebe RATP auf die Fahne geschrieben. Mehr zum Thema:Flugtaxis: So fühlt es sich im Innern der Elektro-Jets an

Flugtaxis aus Deutschland für Frankreich

Ihre Hoffnungen ruhen auf einem elektrisch betriebenen Senkrechtstarter, der auf den ersten Blick einem kleinen Hubschrauber ähnelt.

VoloCity“ heißt das von der deutschen Firma Volocopter zur Serienreife entwickelte Fluggerät. Dank 18 elektrisch betriebenen Rotoren kann VoloCity mit maximal zwei Personen an Bord eine Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometern erreichen sowie sicher senkrecht starten und landen.

Die Zulassung als Flugtaxi hat das Start-up-Unternehmen aus Bruchsal in Baden-Württemberg schon beantragt. Denn ohne das von allen Beteiligten im kommenden Jahr erhoffte grüne Licht der Europäischen Agentur für Flugsicherheit wird VoloCity nicht abheben dürfen.

„Wir sind im Plan“, versichert ADP-Chef Edward Arkwright. Ein Plan, der vorsieht, noch vor dem Sommer 2024 vier Vertiports, also feste Start- und Landeplätze einzurichten sowie zwei regelmäßige Fluglinien, von denen eine die beiden Pariser Flughäfen verbindet sowie die zweite die Pariser Vororte Issy-les-Moulineaux und Saint-Cyr-l’Ecole. Für einen Preis von etwa 110 Euro sollen eilige Geschäftsleute sich dann in 400 Metern Höhe über die Seinemetropole mit ihren berüchtigten Dauerstaus hinwegfliegen lassen können. Auch interessant:„Flugtaxi“ statt Breitband – Dorothee Bärs digitale Vision

Flugtaxi-Test: Wie werden die Pariser reagieren?

In der derzeitigen Erprobungsphase geht es weniger darum, ob der VoloCity wirklich problemlos funktioniert, denn das tut er laut Arkwright bereits. Getestet wird vielmehr, wie sich das Flugtaxi in den Flugverkehr im Großraum Paris eingliedern lässt und wie sich die Abfertigung der Fluggäste sowie das Aufladen jener neun Batterien, die jeder VoloCity an Bord hat, am besten organisieren lassen.

Wobei man nicht vergessen darf, dass das Flugtaxi neben dem Piloten nur einen einzigen Fluggast mit Handgepäck befördern kann und die Batterien aufgrund seiner Reichweite von nur 35 Kilometern nach zwei Flügen ausgetauscht oder aufgeladen werden müssen. Lesen Sie hier:Vorsicht, Jetpack: Warum Raketenrucksäcke einen Boom erleben

Nicht zuletzt soll auch die Akzeptanz der Flugtaxis in der Bevölkerung abgeklopft werden. Die VoloCity gleiten nämlich trotz ihres elektrischen Antriebs keineswegs geräuschlos durch die Luft. Allerdings verursachen ihre Rotoren kaum mehr Lärm als ein herkömmlicher Bus.

Flugtaxi-Preis könnte in den nächsten Jahren sinken

Marie-Claude Dupuis, bei der RATP für Entwicklung und Zukunftsplanung zuständig, bezeichnet das Flugtaxi als ein alternatives Angebot zu Metro, Bussen und Vorortzügen. Bei Volocopter arbeitet man derweil schon an einer viersitzigen Version des Flugtaxis, dem zudem das autonome Fliegen beigebracht werden soll. „Wir würden diese zweite Generation gerne ab 2030 einsetzen“, bestätigt Arkwright, der glaubt, dass dann auch der Preis für die Passagiere auf 60 Euro gesenkt werden kann.

Paris wird wohl nur den Anfang machen. Weltweit beugen sich Mitarbeiter zahlloser Großstädte über ähnliche Pläne, in rund 60 dürfte es 2030 nach Einschätzung von Dupuis einen Flugtaxidienst geben: „Aber nirgendwo“, sagt sie stolz, „früher als bei uns.“

Dieser Text erschien zuerst auf morgenpost.de.