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Madonna trinkt aus Hundenapf: Fans in Sorge um ihr Idol

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Oliver Stöwing
Erstaunlich ausdauernd: Madonna hält mit der jungen Generation mit, hier beim Videodreh mit Rapperin Tokischa zum Remix des Hits „Hung Up“ von 2006.

Erstaunlich ausdauernd: Madonna hält mit der jungen Generation mit, hier beim Videodreh mit Rapperin Tokischa zum Remix des Hits „Hung Up“ von 2006.

Foto: Planet Photos / ddp/Planet Photos

Sie raucht Joints, züngelt mit einer Amateurpornodarstellerin, trinkt aus einem Hundenapf: Madonna ist kaum wiederzuerkennen.

Berlin.  Sie ist der letzte überlebende Superstar der 80er-Jahre, jener knallbunten Ära, in der Künstler wie George Michael, Prince, Michael Jackson und Whitney Houston Pop-Geschichte schrieben. Madonna hat nicht die jüngsten, aber wahrscheinlich die treuesten Fans. Doch erstmals in 40 Jahren Ausnahmekarriere geben ihre Anhänger sich ratlos: Was ist nur los mit der Queen of Pop?

Dass die 64-Jährige mit einer jungen Entourage inklusive Tochter Lourdes (26) durch die Clubs zieht, Champagner aus der Flasche trinkt und an Joints zieht – das gönnen ihr die meisten noch. Nach Jahren des knallharten Arbeitsethos und der Schinderei im Fitnessstudio macht sie sich offensichtlich reichlich locker.

Verstörend wirken auf ihre 18,6 Millionen Instagram-Follower ihre meist stark sexualisierten Postings mit einem Humor, den wohl nur Madonna versteht.

In einem Clip outet sie sich als homosexuell, aber „beschnitten“ sei sie nicht. Ein Video versteht sie als Stellenausschreibung, wie sie ein Mann besser nicht ins Netz gestellt hätte: Sie hat den Posten eines Personal Trainers zu vergeben, bitte mit Lizenz und Ahnung von House Music – und greift sich dabei in den Schritt.

Kokainkonsum im Videoclip

In dem Video zu einem Remix ihres Hits „Hung Up“ mit der Rapperin und Amateurpornodarstellerin Tokischa (26) besteht ihre Performance hauptsächlich daraus, die Beine zu spreizen und mit ihrem Co-Star zu knutschen, der in einer sekundenschnellen Frequenz beim Kokainkonsum zu sehen ist.

Jetzt zeigt sie sich, wie sie daheim zu Iggy Pops „I Wanna Be Your Dog“ aus einer Hundeschüssel trinkt.

Hat Madonna den Draht zu den Fans verloren?

„Komplett verrückt, wie schade“, schreibt ein Fan aus Deutschland. ,„Sie hat den Draht zu uns verloren“, klagt eine Frau, „aber wer wird ihr das sagen? Es ist traurig, den Fall einer Legende zu sehen.“ Eine andere: „Sie wirkt nicht, als ginge es ihr gut.“

In den vielen Tausend Kommentaren muss man die Pro-Madonna-Meinungen suchen, aber es gibt sie. „Wenn ich so alt bin wie sie, möchte ich auch so ein pralles, freies Leben führen und einen Dreck geben“, schreibt eine TikTok-Userin. Lesen Sie auch: So wurde Madonna zur Königin des Pop.

Selbstverständlich ist immer wieder auch Madonnas Aussehen in Relation zu ihrem Geburtsjahr ein Thema. Die Sängerin hat ein virtuelles Abbild von sich geschaffen, das sich der Einordnung in ein Alter entzieht, ein Klon sich überlagernder ikonischer Bilder früherer Zeiten.

Madonnas Mitstreiter sind tot, sie hat die ewige Jugend

Dem Tod ihrer 80er-Jahre-Mitstreiter setzt sie die ewige Jugend entgegen. Es wäre dem Feminismus besser gedient, wenn sie den Mut hätte, sich so zu zeigen, wie Frauen – und Männer! – nun einmal mit Mitte 60 aussehen, finden viele.

Doch wer legt fest, wie sie aussehen? Vielleicht ist die Madonna aus Instagram und TikTok zukunftsweisend für eine neue Elite, die den natürlichen Zyklus von Jugend und Alter aushebelt, wie schon ABBA, die ihre Hologramm-Abbilder aus dem Jahr 1979 auf die Konzertbühne schicken.

Madonna, die reife Frau der Zukunft

„Für mich ist sie die reife Frau der Zukunft“, sagt Madonna-Biografin Lucy O’Brien. „Sexy, selbstbestimmt und sehr beschäftigt.“ Die gouvernantenartigen Belehrungen, wie man sich mit 60plus zu benehmen hat, sind für sie Altersdiskriminierung. „Ich mag es, wie sie die Vorstellungen davon, was altersangemessen ist, bekämpft. Je mehr man sie in eine Box sperren will, desto extremer wird sie.“

Madonna entlarvt männliche Minderwertigkeitskomplexe

„Madonna ist eine Ikone der Selbstermächtigung und das lebende Mahnmal wider die Lächerlichkeit männlicher Minderwertigkeitskomplexe“, sagte die Bestsellerautorin Sibylle Berg (aktueller Roman: „RCE“) dieser Redaktion.

„Die Künstlerin wurde seit Beginn ihrer Karriere in so einem irrationalen Ausmaß von Journalisten, es waren fast immer Männer, gehasst, als wäre sie allein für die Erderwärmung, diverse Pandemien und die Finanzkrise verantwortlich. War sie nicht. Sie war und ist einfach eine Popmusikerin, die über ein außerordentliches Talent, ein gutes Konzept, Ehrgeiz, einen treffsicheren Geschmack und bemerkenswerte Ausdauer verfügt.“

Als sie Mitte 30 war, sollte die Sängerin verschwinden, sagt Berg. „Machte sie nicht. Madonna blieb, sie war reich und tat, was sie wollte.“ Lesen Sie auch: Superreiche wollen die ewige Jugend

Vor ein paar Wochen postete Madonna ein Interview von 1993, in dem der Journalist sie fragt, wie sie sich ihr Leben mit 50 oder 60 vorstelle. „Ich werde arbeiten und ich werde jede Menge Spaß haben“, antwortet die damals 34-Jährige. „Ich bin eine Prophetin“, schreibt sie nun dazu.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de