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Mörtel Lugner und die Frauen: Warum ihm nichts peinlich ist

| Lesedauer: 4 Minuten
Jonas Erlenkämper
Erstes Frauenpaar beim Wiener Opernball

Erstes Frauenpaar beim Wiener Opernball

Zum ersten Mal wird ein gleichgeschlechtliches Tanzpaar beim Wiener Opernball auftreten: Für die zwei jungen Deutschen, Sophie Grau und Iris Klopfer, ist es "egal, was man in seiner Hose hat." Denn jeder könne sowohl führen als folgen lernen. of rehearsals

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Mörtel Lugner wird 90 und sucht eine Frau zum Anlehnen. Der Unternehmer ist stolz auf sein Lebenswerk – doch vielen ist er peinlich.

Wien. Um Himmels willen, hofft Richard Lugner, ein entspannter Lebensabend im Schaukelstuhl möge ihm bitte erspart bleiben! Für den tatendurstigen Unternehmer gibt es kaum etwas Schlimmeres, als untätig zu Hause zu sitzen. Nur: Im Moment bleibt ihm nichts anderes übrig.

Der Chef hat sich verkühlt, deshalb sitzt er am Freitagvormittag daheim statt wie üblich an seinem Wiener Büroschreibtisch. Lugner, aufgrund seiner Bauprojekte von allen „Mörtel“ genannt, muss seine Zipperlein auskurieren, damit er bis Dienstag fit ist. Dann kommen nämlich rund 200 Gäste in die Hofburg, um Österreichs schillerndsten und zugleich peinlichsten Geschäftsmann zu ehren.

Lugner feiert seinen 90. Geburtstag und blickt auf ein respektables Lebenswerk zurück. Trotzdem verdrehen außerhalb der Wiener Gesellschaft manche genervt die Augen, sobald sein Name fällt. Was sich Lugner selbst zuzuschreiben hat. Lesen Sie hier: „Promi Big Brother“: So lahm war die Lugner-Aussprache

Mörtel Lugner und der Opernball

In Deutschland sieht man in ihm nicht den tüchtigen Baumeister mit Hunderten Mitarbeitern oder den Namensgeber eines Wiener Einkaufszen­trums. Sondern einen greisen Stenz mit Vorliebe für Zylinder und flamboyante Anzüge, der alljährlich Hollywood-Schönheiten wie Kim Kardashian und Pamela Anderson dafür bezahlt, ihn auf den Wiener Opernball zu begleiten.

Einen älteren Herren, der per Aufruf in österreichischen Boulevardzeitungen eine Freundin sucht. Der sich nicht geniert, die Öffentlichkeit mit Details über die Verdauungsprobleme seines Hundes zu behelligen. Ernst nimmt kaum jemand diesen Lugner, der vor wenigen Wochen noch in einem Promifestzelt auf dem Münchner Oktoberfest den trachtentragenden Zampano gab.

Der alternde Baulöwe ist mal wieder auf der Balz. Fünfmal war er verheiratet und beherrschte mit weiteren Beziehungen die Klatschpresse. Meistens war er erheblich älter als die Frauen an seiner Seite. Lugner verpasste ihnen Spitznamen wie Mausi, Bambi, Wildsau oder Spatzi.

Auf roten Teppichen präsentierte er dermaßen viele Kurzzeitfreundinnen, dass er selbst mit der Reihenfolge durcheinandergerät, wenn er danach gefragt wird. Im Dezember trennte er sich von der 50 Jahre jüngeren Simone „Bienchen“ Reiländer, einer Baumarkt-Mitarbeiterin, der er erst wenige Monate zuvor einen Verlobungsring an den Finger gesteckt hatte.

Mörtel Lugner – einer der ersten Reality-TV-Stars

Seitdem sei er solo, sehne sich aber „nach Anlehnung“. Wie die Neue sein soll? Zwischen Ende 30 und 50 („28-Jährige sind für mich zu jung“), Nichtraucherin – und vom Sternzeichen her muss es auch passen. Mit den Damen, resümiert Lugner sein Leben, sei es nicht so richtig gut gelaufen. Der betagte Junggeselle hat nie behauptet, ein glühender Feminist zu sein. Lieber sagt er Sätze wie: „Frauen sind gegenüber früher eigene Wesen geworden, das macht das Zusammenleben schwieriger.“

Lugners wahre Liebe gilt den Medien. Seine attraktiven Begleiterinnen und seine Fähigkeit zur nonchalanten Plauderei machen ihn fürs Fernsehen interessant. Lugner war einer der ersten deutschsprachigen Reality-Stars, seit 20 Jahren lässt er sich von einem österreichischen TV-Team begleiten. Auf dem Streamingdienst Joyn ist gerade die 19. Staffel der Reihe „Die Lugners“ zu sehen.

Der Sohn eines im Zweiten Weltkrieg getöteten Rechtsanwalts lässt wenig unversucht, um es in die Schlagzeilen zu schaffen. Das sei kein Selbstzweck – sein Bekanntheitsgrad helfe der „Lugner City“, seinem Einkaufszentrum mit rund 120 Geschäften und Lokalen. „Es ist vielleicht das einzige Zentrum, das den Namen seines Gründers trägt“, so Lugner, der jeden Werktag um 10 Uhr ins Büro kommt – wenn er sich nicht gerade verkühlt hat.

Vor dem nächsten Opernball im Februar wird er wieder einen eingekauften Star in die Ladenpassage schleppen, damit die Frau dort Autogramme schreibt. Er habe bereits eine Opernball-Loge reserviert. „Nicht mehr im zweiten Rang, sondern weiter unten – näher an der Tanzfläche“, sagt Lugner. Wer ihn begleiten wird, entscheidet sich in diesen Tagen. Seine Agentur schicke ihm eine Vorschlagsliste mit sieben Namen. Die Wahl trifft er zusammen mit seiner Tochter, 28. Die kenne sich besser aus als er, denn: „Sie liest die Hochglanzmagazine.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.