Identität

Mädchen identifiziert sich als Katze - Schule unterstützt es

| Lesedauer: 4 Minuten
Barbara Barkhausen
Bei sogenannten "Furrys" handelt es sich um eine Subkultur

Bei sogenannten "Furrys" handelt es sich um eine Subkultur

Foto: In Australien identifiziert sich ein Mädchen als Katze und wird von der Schule unterstützt.

In Melbourne will ein Mädchen eine Katze sein und kriegt Unterstützung von der Schule. Die "Furry"-Subkultur wird immer beliebter.

Sydney. In Australien hat sich eine Schule in Melbourne laut Medienberichten dazu entschieden, ein Mädchen zu unterstützen, das sich als Katze identifiziert. Die Schülerin der achten Klasse ist nonverbal – sie spricht also nicht – und wird von der Schule als "hochintelligent" bezeichnet.

Der Fall, über den die lokale Zeitung "Herald Sun" zuerst berichtete, scheint in Verbindung mit der sogenannten "Furry"-Subkultur zu stehen, die in den vergangenen Jahren weltweit Anhänger gefunden hat.

"Niemand scheint ein Protokoll für Schüler zu haben, die sich als Tiere identifizieren", sagte ein Bekannter aus dem Umkreis des Mädchens dem australischen Medium. Der Ansatz der Schule sei es jedoch, alles zu unterstützen, solange es nicht störend für den Schulbetrieb sei.

Vonseiten der Schule versuche man, das Verhalten des Teenagers zu normalisieren. "Inzwischen identifizieren sich immer mehr Menschen mit dem, womit sie sich identifizieren wollen, dazu gehören eben auch 'Furrys'", sagte der Bekannte, der anonym bleiben wollte.

Furry in Australien: Mädchen verhält sich wie Katze

Obwohl die Schule den Bericht nach Rückfrage des australischen Nachrichtenmediums "News.com.au" nicht offiziell bestätigen wollte, so hieß es Schulseite, es gehe ihr stets um die psychische Gesundheit der Heranwachsenden. Man gehe individuell auf Schüler und Schülerinnen ein und respektiere deren Wohlbefinden.

Der Fall in Melbourne scheint zudem nicht einzigartig zu sein. Vor Kurzem berichtete auch die australische Tageszeitung "Courier Mail", dass einige Schülerinnen einer renommierten Privatschule in Brisbane ebenfalls begonnen hatten, tierähnliche Neigungen auszudrücken.

"Als sich ein Mädchen an einen freien Schreibtisch setzte, schrie ein anderes Mädchen es an und sagte, es säße auf seinem Schwanz", berichtete eine Mutter der Zeitung. Das Mädchen hätte zudem einen Schlitz in die Uniform geschnitten, wo angeblich sein Schwanz sein sollte.

Mädchen, die sich als Katzen identifizieren, würden sich wie eines der Felltiere putzen, sich die Handrücken lecken und mit zum Boden geneigten Armen herumlaufen, als ob sie auf allen Vieren stünden.

Generation Z: "Furry"-Subkultur wird immer größer

Die oben genannten Vorfälle mögen sich auf den ersten Blick befremdlich anhören. Sie fügen sich allerdings in eine Subkultur ein, die es bereits seit mehreren Jahrzehnten gibt und die in der Generation Z wieder frischen Aufwind bekommen hat. In dieser sogenannten "Furry"-Subkultur werden Tieren menschliche Eigenschaften verliehen, Tiere werden also quasi vermenschlicht.

Solche fiktiven Tierfiguren finden sich häufig in Kunst und Literatur. Ein klassisches Beispiel für ein anthropomorphes Wesen wäre die fiktive Figur des Werwolfs. Aber auch Disney-Filme lieben anthropomorphe Protagonisten wie Mickey Mouse oder Bugs Bunny.

Anhänger der Subkultur schlüpfen selbst auch gerne in Pelzanzüge, sogenannte "Fursuits", die über den Kopf, teilweise aber auch den gesamten Körper getragen werden. Dabei geht es den meisten Anhängern um die Idee, die Identität eines anderen Wesens anzunehmen. Es handelt sich nicht um einen sexuellen Fetisch, obwohl es innerhalb der Subkultur auch entsprechende Splittergruppen gibt.

"Furrys": Subkultur hat eigenen Kongress

Die Subkultur soll sich in den 1970er bis 80er Jahren in den USA gebildet haben. Ihre Anhänger waren allesamt Fans anthropomorpher Tierdarstellungen. Das Wort "Furry" kommt aus dem Englischen und bedeutet "pelzig".

In den USA hat die Bewegung seit Jahrzehnten Zulauf: Beispielsweise gibt es bereits seit 1997 eine jährliche "Furry Convention" namens "Anthrocon". Der Kongress, der mehrere tausend Besucher anzieht, findet jedes Jahr im Juni oder Juli in Pittsburgh im US-Bundesstaat Pennsylvania statt.

Ein Pendant dazu in Europa hat unter anderem in Berlin stattgefunden. Die sogenannte "Eurofurence" hatte ihre Anfänge in den 1990er Jahren. Damals startete sie als privates Treffen von 19 europäischen "Furry"-Fans, die sich im Internet trafen.

Über sich selbst schreiben die Organisatoren des europäischen Events auf ihrer Webseite: "Wir sind eine Sammlung von Künstlern, Animatoren, Schriftstellern, Kostümbildnern, Puppenspielern und ganz normalen Fans, die Zeichentricktiere und anthropomorphe Charaktere aller Art mögen."

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.