Griechenland

Griechin soll Töchter getötet haben, um ihre Ehe zu retten

| Lesedauer: 4 Minuten
Gerd Höhler
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Griechenland unter Schock: Um ihre gescheiterte Ehe zu retten, soll eine 33-jährige Frau ihre drei Töchter nacheinander getötet haben.

Athen. Zuerst war es ein furchtbarer Verdacht. Aber jetzt wird es immer mehr zu einer grausamen Gewissheit: Eine 33-jährige Griechin soll seit 2019 nacheinander ihre drei Töchter getötet haben. Das mögliche Motiv der Frau: Sie wollte offenbar ihre gescheiterte Ehe retten. Frau soll Angst gehandelt haben, dass ihr Mann sie endgültig verlassen würde. Griechische Medien sprechen vom „Verbrechen des Jahrhunderts“.

Der Tatort: die 215.000 Einwohner zählende Hafenstadt Patras an der Westküste der Halbinsel Peloponnes in Griechenland. Hier starb im Januar 2022 die neunjährige Georgina P. in einer Klinik. Als Todesursache notierten die Ärzte: „Plötzlicher Herzstillstand aus unbekannter Ursache“.

In den drei Jahren zuvor hatten die Eltern bereits zwei kleine Töchter verloren. Aber was wie ein Mitleid erregendes Familiendrama aussah, weckte den Verdacht der Polizei. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. Sie ergab: Die Neunjährige war an einer Überdosis des Narkosemittels Ketamin gestorben.

Mutter soll das Narkosemittel Ketamin in unbeobachtetem Moment gespritzt haben

Ketamin ist ein Narkosemittel, das überwiegend in der Tiermedizin und unter bestimmten Bedingungen auch beim Menschen Anwendung findet. Es kann das Schmerzempfinden stark mindern und Bewusstlosigkeit hervorrufen.

Die Ermittler vermuten, dass Roula P. ihrer Tochter in einem unbeobachteten Moment das Mittel gespritzt hat. Eine Auswertung des Tablets von Roula P. ergab, dass sie zuvor im Internet ausführlich zum Thema Ketamin recherchiert hatte. Zwei Monate nach dem Tod ihrer Tochter wurde Roula P. wegen Mordverdachts festgenommen.

Neue dramatische Wendung: Frau soll weitere Kinder getötet haben

Der spektakuläre Fall um die Morde hat nun eine neue dramatische Wendung erhalten. Am Montag legten die Staatsanwälte Antonis Eleftherianos und Apostolos Andreou zwei neue Anklagen gegen Roula P. nach. Sie wird nunmehr beschuldigt, auch ihre beiden anderen Töchter Malena und Iris getötet zu haben.

2019 war die dreijährige Malena in einem Krankenhaus gestorben. Zunächst nahmen die Ärzte auch in ihrem Fall Herzversagen an. Zwei Jahre später starb die sechs Monate alte Iris in der Wohnung ihrer Eltern. Auch hier tippten die Ärzte zunächst auf einen Herzfehler. Inzwischen haben die Ermittler Hinweise für einen Kindermord. Beide Kinder sollen vergiftet und erstickt worden sein.

Bevor sie Hilfe holte, ließ Mutter viel Zeit vergehen

Roula P., die seit vier Monaten in Untersuchungshaft sitzt, leugnet die Gewalttat beharrlich alle Vorwürfe. Aber die Indizien sind erdrückend. Nach dem Tod ihrer beiden im Krankenhaus gestorbenen Kinder ließ Roula P. viel Zeit vergehen, bevor sie Ärzte und Pfleger um Hilfe rief.

Auch im Fall der sechs Monate alten Iris alarmierte sie erst den Notarzt, nachdem bereits die Leichenstarre eingetreten war.

Auf Facebook hatte die Frau immer wieder Details zur angeblichen Krankengeschichte ihrer drei Töchter veröffentlicht. Die Posts waren offenbar Teil einer Inszenierung, mit der Roula P. die mutmaßlichen Morde zu verschleiern versuchte.

Das Motiv: Frau wollte mit dem Tod der Töchter das Mitleid ihres Mannes erregen

Warum mussten die drei Mädchen sterben? Polizei und Staatsanwaltschaft haben Indizien für ein mögliches Motiv: Roula P. wollte wohl das Mitleid ihres Mannes Manos wecken und ihre zerrüttete Ehe retten.

Manos war aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen. Roula habe ihn gedroht, wenn er nicht zurückkomme, werde er seine Töchter „nie wiedersehen“, sagte Manos den Ermittlern.

Ehemann hielt es bei der Frau nicht mehr aus

Nach dem Tod der sechs Monate alten Iris sei er für einige Tage zu seiner Frau zurückgekehrt, „um sie zu unterstützen“, berichtete der Mann. „Aber nach zwei, drei Tagen habe ich es nicht länger ausgehalten und bin wieder ausgezogen“, so Manos.

Diese neuerliche Trennung im März 2021 war offenbar das Todesurteil für die neunjährige Georgina. Sie starb zehn Monate später. Seit diesem Montag ist Roula P. mit drei Mordanklagen konfrontiert. Wann ihr Prozess beginnt, ist noch ungewiss.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.