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„Star Trek“-Star Nichols ist tot – Kuss machte sie legendär

| Lesedauer: 3 Minuten
Oliver Stöwing
Der legendäre Kuss: Nichelle Nichols als Uhura und William Shatner als Captain Kirk in der „Star Trek“-Episode „Platos Stiefkinder“ vom 22. November 1968.

Der legendäre Kuss: Nichelle Nichols als Uhura und William Shatner als Captain Kirk in der „Star Trek“-Episode „Platos Stiefkinder“ vom 22. November 1968.

Foto: CBS Photo Archive / CBS via Getty Images

Als Lieutenant Uhura war Nichelle Nichols eine Legende. Jetzt starb sie mit 89. Mit einem Kuss war sie ein mutiges Risiko eingegangen.

Los Angeles. In der Nacht zum Sonntag ist Schauspielerin Nichelle Nichols im Alter von 89 Jahren im US-Bundesstaat New Mexico gestorben – von 1966 bis 1991 spielte sie in der „Star Trek“-Serie und in den Filmen die Rolle ihres Lebens als Lieutenant Uhura.

Die Astronautin war selbstbewusst, souverän und schlau. Dass sie auch ein Vollprofi war, daran zweifelt niemand, auch nicht, wenn sie Minirock trug. Solche Rollen gab es in den 60er-Jahren kaum für Frauen, schon gar nicht für Afroamerikanerinnen.

„Star Trek“: Schwarze in stereotypen Rollen

Zwar hatte schon 1940 mit Hattie McDaniel eine Afroamerikanerin einen Oscar gewonnen. Sie hatte in dem aus heutiger Sicht rassistischen Drama „Vom Winde verweht“ eine ihrer Herrscherfamilie treu ergebene Sklavin gespielt. Und so waren auch die Rollen der nächsten Jahrzehnte für Schwarze häufig; Hausangestellte, Opfer, Verbrecher oder karikaturartige Entertainer, aber immer Klischees.

Dann übernahm die in Illinois als eines von sechs Kindern eines Fabrikarbeiters geborene Nichols die intergalaktische Funkzentrale – und veränderte die Fernsehgeschichte.

Nichelle Nichols arbeitete im Playboy-Club

Nach dieser Rolle war auch für Nichols nichts mehr so, wie es war. Zuvor hatte sie sich noch als Tänzerin, Nachtclubsängerin, Model und sogar als „Bunny“ in Hugh Hefners Playboy-Club durchgeschlagen.

Und sie hinterließ Eindruck: „Es ist das erste Mal, dass wir im Fernsehen so dargestellt werden, wie man uns jeden Tag sehen sollte“, sagte Bürgerrechtler Martin Luther King zu Nichols, als die einmal hinwerfen wollte.

Uhura, Captain Kirk und ein zärtlicher Moment

Wenige Sekunden aus der Folge „Platos Stiefkinder“ bedeuteten damals einen absoluten Tabubruch: In der in den USA am 22. November 1968 ausgestrahlten Episode küsst sie „Captain Kirk“ (heute 91). Der gilt als der erste Kuss zwischen zwei Menschen unterschiedlicher Ethnien in der Fernsehgeschichte, was widerlegt ist.

Doch kein anderer vergleichbarer Kuss bedeutete einen derart gewichtigen popkulturellen Meilenstein. Dabei handeln die beiden unter Zwang, ferngesteuert von bösartigen Aliens.

Filmemacher waren zunächst vorsichtig

So wollte man der erwarteten Entrüstung den Wind aus den Segeln nehmen. Bis zuletzt, so erinnerte sich Nichols, hätten die Filmemacher mit dem Kuss gehadert. Als eine alternative Szene vermasselt wurde, sagten sie schließlich: „Scheiß drauf, nehmen wir den Kuss.“

Die große Empörung blieb erstaunlicherweise aus. War das Publikum 1968 etwa bereits weiter als die Entertainment-Industrie? Doch von Gleichberechtigung zwischen schwarzen und weißen Schauspielerinnen und Schauspielern ist Hollywood immer noch weit entfernt: Beim Oscar 2022 waren wieder nur zwei schwarze Schauspielerinnen nominiert – für Nebenrollen.

„Bewundernswerte Figur“

Nichols’ Serien-Chef und Serien-Sekundenflirt Shatner hat die Kussszene anders in Erinnerung: Er sagte einmal, die Lippen hätten sich damals nicht wirklich berührt. An der Wirkung, die die Szene hatte, ha er auch er keinen Zweifel. Und so würdigte er seine frühere Kollegin am Montag in bewegenden Worten bei Twitter:

„Es tut mir so leid, von Nichelles Tod zu hören. Sie war eine wunderschöne Frau und spielte eine bewundernswerte Figur, die so viel dazu beigetragen hat, soziale Probleme sowohl hier in den USA als auch auf der ganzen Welt neu zu definieren. Ich werde sie sicherlich vermissen.“

Nichols engagierte sich zeitlebens für die Nasa. Ihr Anliegen dort war es, Frauen und Minderheiten Karrieren etwa als Astronautin, zu ermöglichen. Die Schauspielerin war zweimal geschieden und hinterlässt einen Sohn.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.