Urlaub

Nach Hai-Angriffen in Ägypten: So gefährlich sind Makohaie

| Lesedauer: 6 Minuten
Rebecca Baden
Weißer Hai mischt sich unter Surfer in Südafrika

Weißer Hai mischt sich unter Surfer in Südafrika

Das südafrikanische Institut für Seenotrettung hat Drohnenaufnahmen veröffentlicht, die einen Weißen Hai mitten unter einer Gruppe von Surfern zeigen. Zuletzt waren an Südafrikas Südküste wiederholt Haie gesichtet worden.

Beschreibung anzeigen

Zwei Frauen sterben nach Haibissen nahe Hurghada. Die Tauchbehörde berichtet von einem Makohai in der Gegend. Wie gefährlich sind sie?

Berlin. Zwei Frauen starben in der vergangenen Wochen nach Hai-Angriffen unweit des ägyptischen Strandortes Hurghada. Die Umweltbehörde des Landes geht davon aus, dass in beiden Fällen dasselbe Tier zugebissen hat. Die Kammer für Tauch- und Wassersport (CDWS) informierte nach dem Zwischenfall, ein Makohai sei in der Gegend gesehen worden.

Die Art ist verwandt mit dem Weißen Hai, kann bis zu vier Meter lang und 500 Kilo schwer werden und gilt mit einer Geschwindigkeit von mehr als 70 Stundenkilometern als schnellste Haiart. Sind Makohaie für badende Urlauber und Einheimische deshalb besonders gefährlich?

Hai-Angriff in Ägypten: Was ist ein Makohai?

Noch ist nicht klar, ob der Makohai tatsächlich in die beiden Zwischenfälle in Ägypten verwickelt war. Möglicherweise wird man es sogar nie zweifelsfrei wissen. Denn abgesehen von leicht identifizierbaren und bekannten Haiarten wie dem Weißen Hai oder Hammerhaien können viele Opfer und Zeugen vor allem in Extremsituationen die verschiedenen Arten oft nicht auseinanderhalten. Zähne bleiben nur selten in den Wunden zurück. Und in manchen Fällen können nicht einmal Expertinnen und Experten die Bisswunden einer bestimmten Art zuordnen.

Theoretisch könnte es allerdings möglich sein, dass ein Makohai hinter den Vorfällen im Roten Meer steckt: Die Hochseehaie bevorzugen zwar tropische Gewässer, kommen allerdings in allen Weltmeeren vor. Obwohl zu den Makohaien sowohl die Kurzflossen- als auch die Langflossen-Makos gehören, verstehen die meisten Menschen unter Makos besonders die Variante mit den kürzeren Flossen.

Wegen ihrer Schnelligkeit werden Makohaie auch als "Geparden der Ozeane" bezeichnet. Weil er zahnartige Schuppen hat und extrem schnell schwimmen und agil wenden kann, fasziniert die Art Forschende aus der Luft- und Seefahrt und Schwimmartikelherstellende. Sogar Autos wurden bereits zu Ehren der Makohaie entworfen: 1961 präsentierte Corvette das Konzept-Auto "Mako Shark".

Hai-Angriff: So bereiten Makohaie ihre Attacke vor

Neben ihrer Schnelligkeit gelten Makohaie außerdem als besonders intelligent. Das macht sie zu hervorragenden Räubern. Zudem ist ihre Art mit dem Weißen Hai verwandet. Doch sind Makos dadurch auch für Menschen gefährlich?

Diese Frage lässt sich nicht allgemein beantworten. Ob eine Haiart gefährlicher ist als eine andere, wurde bisher zumeist am jeweiligen Angriffsverhalten und an den dokumentierten Unfällen mit den jeweiligen Arten festgemacht. Wie Forschende des Naturkundemuseums im US-Bundestaat Florida erklären, ist theoretisch jeder Hai ab einer Länge von 1,8 Metern wegen seiner Bissstärke potenziell gefährlich.

Wie Taucher und Taucherinnen berichten, haben Makohaie ein besonderes Angriffsverhalten: So sollen sie achtförmige Muster schwimmen und sich mit offenem Maul nähern, wenn sie eine Attacke vorbereiten.

Hai-Angriff in Ägypten: Kurzflossen-Makos greifen selten an

In der Praxis ist die Chance eines Angriffs durch Makohaie (und andere Arten) allerdings gering: Das Museum führt mit der International Shark Attack File (ISAF) die ausgeprägteste Datenbank für weltweite Haiangriffe. Sie umfasst mehr als bekannte 6.800 tödliche und nicht-tödliche Unfälle mit Haien, die Daten reichen zurück bis ins Jahr 1580. Vor den Zwischenfällen in Ägypten waren darin neun Bisse von Kurzflossen-Mako aufgelistet, von denen einer tödlich endete.

Zum Vergleich: Dem Weißen Hai schreibt das Museum seit Beginn der Aufzeichnungen vor mehr als 440 Jahren 354 "unprovozierte" Angriffe ohne vorherigen Kontakt zum Tier zu, davon 57 mit tödlichem Ausgang. Von einem unprovozierten Angriff spricht das Museum dann, wenn das Opfer den Hai nicht geangelt, angefasst oder gefüttert hat.

Hai-Angriffe – Welche Hai-Arten sind am gefährlichsten?

Grundsätzlich sind Haie für Menschen eher ungefährlich. "Die Gesamtzahl unprovozierter Hai-Angriffe weltweit ist extrem niedrig, wenn man vergleicht, wie viele Menschen an wasserfreizeitlichen Aktivitäten teilnehmen", erklärt das Naturkundemuseum in Florida.

Das Risiko, bei einem Hai-Angriff zu sterben, liegt Rechnungen des Museums auf Basis von US-Daten zufolge übrigens bei Eins zu 3,7 Millionen. Das Risiko, an einer versehentlichen Vergiftung zu sterben, liegt bei Eins zu 193. Dennoch waren manche Hai-Arten den Museumsaufzeichnungen zufolge öfter in Unfälle und Angriffe verwickelt als andere.

Allerdings weist das Naturkundemuseum bei der Auflistung auf mögliche Abweichungen hin, weil die genaue Hai-Art nicht bei jedem Zwischenfall bekannt war. So vermuten die Expertinnen und Experten, dass weitaus mehr Hai-Arten aus der Familie der Requiemhaie – zu denen etwa Blauhaie und Zitronen Haie gehören – für Angriffe verantwortlich sein können als bisher bekannt.

Das sind die gefährlichsten Haie

Diese Haie sind gemessen an der Anzahl der Vorfälle die gefährlichsten:

  1. Weißer Hai: 345 unprovozierte Angriffe, 57 Todesfälle
  2. Tigerhai: 138 unprovozierte Angriffe, 36 Todesfälle
  3. Bullenhai: 121 unprovozierte Angriffe, 26 Todesfälle
  4. Nicht spezifizierte Hai-Arten aus der Familie der Requiemhaie: 69 unprovozierte Angriffe, ein Todesfall
  5. Kleiner Schwarzspitzenhai: 41 unprovozierte Angriffe, kein Todesfall
  6. Sandtigerhai: 36 unprovozierte Angriffe, kein Todesfall

Nach Hai-Angriff in Ägypten: Wie vermeidet man sie?

Trotz der wenig hohen Wahrscheinlichkeit fürchten sich viele Menschen im Meer vor einem Hai-Angriff. Hai-Forschenden zufolge gibt es Wege, das Risiko beim Baden zu verkleinern: etwa, indem man zu zweit schwimmt, sich in der Nähe der Küste aufhält und sich von Fischgruppen und Angelnden fernhält. Außerdem empfehlen sie, nicht im Morgengrauen und in der Abenddämmerung im Meer zu schwimmen, funkelnden Schmuck zu tragen oder über die Maße mit Wasser zu spritzen.

Viel gefährlicher als Haie für Menschen sind übrigens Menschen für Haie: Allein die beiden Mako-Arten sind durch Überfischung – sowohl als Beifang als auch als direktes Ziel – in der Roten Liste gefährdeter Tierarten als "stark gefährdet" eingestuft. Wegen ihrer Schnelligkeit sind Makos eine beliebte Beute beim Sportfischen.

Daher kommen auch die meisten Verletzungen durch Makohaie: Oft beißen sie Fischer und Fischerinnen, während sie schon in deren Booten liegen und sich befreien möchten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.