Naturschutz

Bartgeier Dagmar zu erstem Rundflug abgehoben

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Das Bartgeierweibchen Dagmar kurz vor der Auswilderung im Nationalpark Berchtesgaden.

Das Bartgeierweibchen Dagmar kurz vor der Auswilderung im Nationalpark Berchtesgaden.

Foto: Sven Hoppe/dpa

Die junge Bartgeier-Dame Dagmar guckt sich um, streckt ihre Schwingen aus und hebt mit ein paar kräftigen Flügelschlägen ab. So zeigt es die Webcam des Nationalparks Berchtesgaden.

Ramsau. Bartgeier wagt Jungfernflug im Nationalpark Berchtesgaden: 23 Tage nach seiner Auswilderung ist das Weibchen Dagmar am Samstagmorgen erstmals abgehoben, wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Nationalpark mitteilten.

Die Aufnahme einer Webcam zeigte, wie das Tier in der Morgensonne seine Flügel ausbreitete und sich in die Luft schwang. Dagmar war gemeinsam mit dem zweiten Jungtier Recka am 9. Juni von LBV-Mitarbeitern und von Rangern in Tragekisten zu einer schwer zugänglichen Felsnische gebracht worden. Dort unternahmen die drei Monate alten und noch flugunfähigen Bartgeier seither Flugübungen.

Junggeier Dagmar sei nun aber nicht völlig unerwartet abgehoben, sagte Projektleiter Toni Wegscheider vom LBV am Samstag. Sie habe zuletzt schon deutliche Anzeichen dafür gezeigt. Bis zu 400 Übungsschläge mit den Flügeln pro Tag zählten die Fachleute bei den Vögeln. Dem LBV nach hat Dagmar jetzt «sehr elegant» ihren ersten Flug unternommen, der sie 300 Meter weit zu einer Futterstelle führte, wo sie gleich zu fressen begann.

Die meisten ausgewilderten jungen Bartgeier machten zwischen dem 120. und 125. Lebenstag ihren Jungfernflug, erläuterte Ulrich Brendel, Projektleiter beim Nationalpark. «Dagmar ist bereits mit 118 Tagen abgehoben.» Artgenossin Recka sei vom Start Dagmars unbeeindruckt gewesen und habe weitergeschlafen. Die Experten gehen davon aus, dass Recka aber in den nächsten Tagen ebenfalls ihren ersten Flug unternehmen werde. «Wenn der erste Bartgeier einmal ausgeflogen ist, hat das einen Zugeffekt auf den zweiten», so Wegscheider.

Das Fliegen will gelernt sein

In den ersten Wochen seien die jungen Geier gerade bei Gleitflügen «meist alles andere als Präzisionsflieger», sagte Brendel. Jedoch bringe jeder Tag mit Übungsflügen Steigerungen, so dass die beiden Bartgeier schon nach wenigen Wochen in den Gipfelregionen des Nationalparks kreisen dürften.

Die Stimmung zwischen den beiden Bartgeiern sei - nach anfänglichen Stänkereien der kleinen Recka gegenüber Dagmar - harmonisch gewesen, wie die Fachleute berichteten. Beide Geier schliefen demnach regelmäßig zusammen auf einem Nest, bettelten sich gegenseitig um Futter an und schnäbelten vertraut miteinander.

Die Vögel mit einer Flügelspannweite von bis zu drei Metern sind in Deutschland vor mehr als 100 Jahren ausgerottet worden. Bereits vor einem Jahr hatten LBV und Nationalpark zwei Bartgeier im Rahmen eines Wiederansiedelungsprojektes ausgewildert, Bavaria und Wally. Wally kam allerdings inzwischen unter noch ungeklärten Umständen ums Leben. Ende Mai wurden Überreste ihres Kadavers und ihr Sender entdeckt.