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Lizenz fehlt: Türkei sperrt Zugang zur Deutschen Welle

Die Türkei hat die Webseiten der Deutschen Welle (DW) und anderer internationaler Medien blockiert.

Die Türkei hat die Webseiten der Deutschen Welle (DW) und anderer internationaler Medien blockiert.

Foto: Meike Boeschemeyer / epd

Die Internetseiten der Deutschen Welle sind in der Türkei nicht mehr abrufbar. Auch ein anderer Sender ist betroffen. Die Hintergründe.

Bonn/Istanbul. Die Deutsche Welle hat die Sperrung ihrer Internetseiten in der Türkei bestätigt. Die Angebote seien dort am Donnerstagabend in allen 32 Sendesprachen gesperrt worden, teilte der deutsche Auslandssender am Freitag in Bonn mit. Zuvor hatte die türkische Rundfunk-Aufsichtsbehörde RTÜK den Schritt bekannt gemacht.

Die Deutsche Welle (DW) kündigte an, juristisch gegen die Sperre vorzugehen. In den sozialen Medien könnten sich Nutzer informieren, wie eine Zensur umgangen werden kann. Betroffen ist auch der US-Auslandssender Voice of America (VOA).

Sperrung: Türkische Medien unterliegen staatlicher Kontrolle

Die türkische Kontrollbehörde hatte von ausländischen Sendern schon vor Monaten verlangt, eine Lizenz für Internetangebote zu beantragen. Die Deutsche Welle teilte dazu mit: „Dem war die DW nicht nachgekommen, weil eine Lizenzierung die Zensur von redaktionellen Inhalten durch die türkische Regierung ermöglicht hätte.“

Intendant Peter Limbourg sagte, dies sei dem Chef der Behörde auch persönlich erläutert worden. Beispielsweise seien lizenzierte Medien zur Löschung von Online-Inhalten verpflichtet, die die RTÜK für unangemessen erachte. „Das ist für einen unabhängigen Medienanbieter schlicht inakzeptabel.“ Die Aufforderung zur Lizenzbeantragung beruht auf einer 2019 in Kraft getretenen Regelung.

Die islamisch-konservative Regierung hat darüber eine weitreichende Kontrolle von Internet-Plattformen eingeführt, die Filme, Videos oder Radioinhalte verbreiten. Türkische Medien stehen zum Großteil unter direkter oder indirekter Kontrolle der islamisch-konservativen Regierung, auch Inhalte im Internet unterliegen starker Regulierung. Regierungsnahe Vertreter haben eine Mehrheit in dem RTÜK-Gremium. (dpa/lgr)

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de