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Affenpocken: WHO sieht Bedrohung für Schwangere und Kinder

| Lesedauer: 25 Minuten
Affenpocken: Das sind die Folgen für Haustiere

Affenpocken: Das sind die Folgen für Haustiere

Um die Ausbreitung der Affenpocken gering zu halten, hat das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) drastische Maßnahmen vorgeschlagen: Die Einschläferung von Haustieren bei fehlender Isolation.

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Affenpocken bleiben für die WHO eine ernsthafte Bedrohung. Vor allem für Schwangere, Kinder und Immungeschächte bestehe ein Risiko.

Berlin. 
  • Das RKI zählt 874 Fälle in Deutschland
  • Die Affenpocken-Ausbreitung unter Schwangeren und Kindern bezeichnet WHO als ernsthafte Bedrohung
  • Die USA weiten ihre Impfkampagne gegen die Affenpocken aus
  • Laut einer Studie ist der Erreger der Affenpocken überraschend stark mutiert
  • Europa ist laut Weltgesundheitsorganisation das "Epizentrum" der Affenpocken-Ausbreitung
  • Dieser Text wird nicht weiter aktualisiert. Aktuelle Nachrichten zu den Affenpocken lesen Sie hier

Berlin. Ein weltweiter Ausbruch von Affenpocken sorgt für Aufsehen und alarmiert Experten. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden mittlerweile rund 5000 Fälle der Virus-Erkrankung gemeldet. Sie traten in sogenannten nicht-endemischen, also für das Virus unüblichen Ländern auf. Dem Robert Koch-Institut (RKI) sind mit Stand 29.6.2022 874 Affenpockenfälle aus allen 16 Bundesländern übermittelt worden. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat mittlerweile eine Impfung gegen Affenpocken für Risikogruppen empfohlen.

Der Erreger wird meist durch engen Körperkontakt übertragen. Experten gehen davon aus, dass der Ausbruch begrenzt werden kann. Die Gefährdung für die breite Bevölkerung wird nach wie vor als gering einschätzt. Die Symptome, wie Fieber und Hautausschlag, verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Wochen von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und in sehr seltenen Fällen auch zum Tod führen. Auch für Haustiere kann das Virus gefährlich werden.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Dienstag, 19. Juli: Dieser Text wird nicht weiter aktualisiert

12.40 Uhr: Dieser Text wird nicht weiter aktualisiert. Aktuelle Nachrichten zu den Affenpocken lesen Sie hier.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Freitag, 1. Juli: WHO – Kein Platz für Selbstgefälligkeit im Kampf gegen Affenpocken

18.02 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation WHO ruft die Regierungen und Bürger in Europa auf, ihre Bemühungen im Kampf gegen die Ausbreitung der Affenpocken in den kommenden Wochen und Monaten zu erhöhen. Dringende und koordinierte Maßnahmen seien unerlässlich, wenn man bei der Verbreitung der Krankheit eine Kehrtwende hinlegen wolle, erklärte der WHO-Europa-Regionaldirektor Hans Kluge am Freitag in Kopenhagen. Platz für Selbstgefälligkeit gebe es einfach nicht.

Die Region Europa, zu der die WHO 53 Länder und damit auch viele Länder östlich der EU zählt, ist demnach weiterhin das Zentrum des aktuellen Ausbruchs. Fast 90 Prozent aller von Laboren bestätigten Fälle weltweit seit Mitte Mai gingen auf die Region zurück. Insgesamt 31 Länder und Gebiete der Region hätten Affenpockenfälle gemeldet, die Zahl der bestätigten Fälle in der Region habe sich in den vergangenen beiden Wochen auf über 4500 verdreifacht.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Donnerstag, 30. Juni: Jetzt 49 Affenpocken-Fälle in Hamburg - Impfungen in Vorbereitung

9.30 Uhr: Die Zahl der Affenpocken-Fälle in Hamburg nimmt nach Angaben der Gesundheitsbehörde weiter zu. Demnach sind bis zum Mittwoch 49 Infektionen bei Männern mit Wohnsitz in der Hansestadt nachgewiesen worden. Eine Woche zuvor waren es 30 Infektionen gewesen. Affenpocken sind eine Viruserkrankung, die bei engem und besonders bei sexuellem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Infizierte müssten sich für 21 Tage isolieren. Infektionen mit schweren Krankheitsverläufen gab es in Hamburg den Angaben zufolge bislang nicht.

Die Europäische Union hat mit der Auslieferung der ersten Impfstoff-Dosen gegen Affenpocken begonnen, wie EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Dienstag erklärte. Zunächst sollen 5300 Dosen nach Spanien gehen, danach werden Portugal, Deutschland und Belgien beliefert. Die Hamburger Gesundheitsbehörde bereitet nach eigenen Angaben ein Impfangebot vor.

WHO: Risiko von Affenpocken-Ausbreitung unter Schwangeren und Kindern

9.23 Uhr: Der Ausbruch von Affenpocken-Infektionen in mehr als 50 Ländern bleibt für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine ernsthafte Bedrohung. "Ich bin besorgt, dass die Übertragungen anhalten, denn das würde darauf hindeuten, dass sich das Virus etabliert und Hochrisikogruppen wie Kinder, immungeschwächte Personen und schwangere Frauen treffen könnte", sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf.

Ein Notfallausschuss aus unabhängigen Experten hatte sich vergangene Woche noch mehrheitlich dagegen ausgesprochen, eine "Notlage von internationaler Tragweite" auszurufen. Das wäre die höchste Alarmstufe der WHO. Das hat keine unmittelbaren praktischen Konsequenzen, würde aber die Aufmerksamkeit der Behörden in aller Welt noch stärker auf das Problem lenken und soll zu noch stärkeren Bemühungen um eine Eindämmung führen.

Der Ausschuss habe sich zwar gegen die Erklärung einer Notlage ausgesprochen, aber keinen Zweifel daran gelassen, dass die Situation ernst sei, sagte Tedros. Elf der Expertinnen und Experten seien gegen die Erklärung einer Notlage gewesen, drei dafür. "Sie empfahlen, den Ausschuss je nach Entwicklung der Lage schnell wieder einzuberufen, und das werde ich auch tun", sagte Tedros.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Mittwoch, 29. Juni: USA weiten Impfkampagne gegen Affenpocken aus

7.45 Uhr: Die USA weiten ihre Impfkampagne gegen die Affenpocken aus. Das US-Gesundheitsministerium kündigte am Dienstag an, umgehend 56.000 Impfdosen für Gegenden mit hohen Übertragungsraten freizugeben. Das ist mehr als fünf Mal so viel, wie bislang insgesamt in dem Land verteilt wurden. Die US-Regierung will sich in den kommenden Wochen zudem 240.000 zusätzliche Impfdosen sichern. Insgesamt sollen in diesem Jahr 1,6 Millionen Impfdosen verfügbar sein.

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC wurden bislang beim derzeitigen Affenpocken-Ausbruch weltweit 4700 Fälle gemeldet. In den USA gab es 306 Fälle, von denen keiner tödlich verlief.

Bei den Affenpocken handelt es sich um eine weniger gefährliche Verwandte der seit etwa 40 Jahren ausgerotteten Pocken, die üblicherweise in West- und Zentralafrika vorkommt. Seit Mai breiten sich die Affenpocken aber auch in anderen Ländern aus, vor allem in Westeuropa. Zu den typischen Symptomen der Krankheit gehören hohes Fieber, geschwollene Lymphknoten und Windpocken-ähnliche Pusteln. Übertragen wird die Krankheit durch engen Körper- und Hautkontakt.

Affenpocken: Stiko empfiehlt Impfung bei bestimmten Gruppen
Affenpocken: Stiko empfiehlt Impfung bei bestimmten Gruppen

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Freitag, 24. Juni: Erreger laut Studie stark mutiert

14.12 Uhr: Der Erreger des aktuellen Ausbruchs von Affenpocken ist laut einer Studie überraschend stark mutiert. Verglichen mit verwandten Viren aus den Jahren 2018 und 2019 gebe es rund 50 Unterschiede im Erbgut, schreibt ein Team aus Portugal im Fachblatt "Nature Medicine". Dies sei weit mehr als anhand früherer Schätzungen für diese Art von Erreger zu erwarten gewesen wäre.

Die Autoren der Studie vermuten hinter dem aktuellen Ausbruch eine oder mehrere Einschleppungen aus einem Land, in dem das Virus dauerhaft vorkommt. Superspreader-Events und internationale Reisen schienen dann die weitere Ausbreitung befördert zu haben. Auf die Frage, ob die Mutationen die derzeitige Verbreitung erst möglich gemacht haben, erklärte der Wissenschaftler, dass es darauf seines Wissens keine Hinweise gebe, man es aber nicht ausschließen könne.

Die meisten der Mutationen hätten "vermutlich keine dramatischen Auswirkungen". Weltweit sind in diesem Jahr inzwischen rund 5000 Affenpocken-Infektionen bei Menschen gemeldet worden.

Affenpocken-Impfung: Das ist der Impfstoff Imvanex
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Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Freitag, 17. Juni: Impfstoff gegen Affenpocken in NRW eingetroffen

17.26 Uhr: Das Land Nordrhein-Westfalen hat rund 7300 Impfdosen gegen Affenpocken erhalten. Der Pockenimpfstoff dritter Generation komme vom Bund und sei am Freitag geliefert worden, sagte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums der dpa. Der Impfstoff müsse allerdings bei minus 20 Grad Celsius transportiert und gelagert sowie nach dem Auftauen innerhalb von zwölf Stunden verimpft werden.

Vor diesem Hintergrund werde an einem Verteilsystem an die Apotheken der Universitätskliniken gearbeitet. Um kurzfristig die Möglichkeit zu schaffen, in medizinisch begründeten dringenden Einzelfällen gegen Affenpocken impfen zu können, würden voraussichtlich am Samstag zunächst einige wenige Impfdosen an die Apotheken der Universitätskliniken in Köln und Düsseldorf geliefert, erklärte er.

Acht Fälle von Affenpocken in Brandenburg

14.59 Uhr: Brandenburg hat seinen achten bestätigten Fall von Affenpocken. Es handle sich um einen Fall im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, wie das Gesundheitsministerium am Freitag mitteilte.

Der erste Fall in Brandenburg war am 28. Mai bei einem 40-Jährigen aus Potsdam bestätigt worden. Danach traten zwei Fälle im Kreis Teltow-Fläming und jeweils ein Fall in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark, Havelland, Oder-Spree und Dahme-Spreewald auf.

Erster bestätigter Affenpocken-Fall in Sachsen

14.57 Uhr: In Sachsen ist erstmals ein Fall von Affenpocken nachgewiesen worden. Bei einer Person aus Dresden habe sich eine Infektion mit Affenpocken bestätigt, teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit.

Zudem bestehe bei zwei weiteren Menschen aus Dresden der Verdacht, dass sie ebenfalls mit dem Virus infiziert sind. Sie zeigten die typischen Symptome und hatten Kontakt zu nachweislich Infizierten außerhalb der Landeshauptstadt. Das Laborergebnis stehe noch aus. Die Betroffenen hätten sich isoliert, so dass derzeit davon ausgegangen werde, dass die Infektionskette unterbrochen sei.

Erster Affenpockenfall in Thüringen bestätigt

14.21 Uhr: In Thüringen gibt es den ersten bestätigten Fall von Affenpocken. Es handele sich dabei um einen 29-Jährigen Mann, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag unter Verweis auf eine entsprechende Information des Landesamtes für Verbraucherschutz mit. Der Fall sei vom Gesundheitsamt Jena gemeldet und vom Robert Koch-Institut (RKI) bestätigt worden, hieß es.

Vom zuständigen Gesundheitsamt in Jena sei die häusliche Isolation angeordnet worden. Die Kontaktpersonenermittlung ergab den Angaben zufolge keine relevanten Kontakte. Eine Isolierung von Affenpocken-Patienten muss laut Gesundheitsministerium nicht zwangsläufig in einem Krankenhaus erfolgen - sie könne unter bestimmten Voraussetzungen, etwa bei einem milden Verlauf, bei strikter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und der Trennung von anderen Haushaltsangehörigen auch zu Hause durchgeführt werden.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Mittwoch, 15. Juni: WHO Europa dringt auf gemeinsame Anstrengungen gegen Affenpocken

17.14 Uhr: Wegen des Affenpocken-Ausbruchs hat das Regionalbüro Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dringend gemeinsame Anstrengungen und eine gerechte Impfstoffverteilung angemahnt. Europa bleibe das Epizentrum des sich vergrößernden Ausbruchs – mit 25 Ländern, die mehr als 1500 Fälle gemeldet hätten, sagte Hans Henri Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, am Mittwoch. Das seien etwa 85 Prozent der weltweiten Gesamtzahl. "Das Ausmaß dieses Ausbruchs stellt ein echtes Risiko dar; je länger das Virus zirkuliert, desto größer wird seine Reichweite und desto stärker wird die Krankheit in nicht-endemischen Ländern Fuß fassen." Damit meinte er Länder, in denen das Virus bis Mai dieses Jahres nicht oder nur selten aufgetreten war.

Das Virus nutze die Gelegenheiten zur Ausbreitung, die sich bieten – es sei nicht per se mit einer bestimmten Gruppe verbunden, sagte Kluge. Bisher sei die Erkrankung in Europa jedoch hauptsächlich bei Männern, die gleichgeschlechtlichen Sex haben, nachgewiesen worden.

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WHO will Namen der Affenpocken ändern

10.24 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will den Affenpocken einen neuen Namen geben. Es gebe seit langem Bestrebungen, Krankheiten nicht mehr nach Tieren oder Regionen zu benennen, um jeglicher Möglichkeit von Diskriminierung oder Stigmatisierung vorzubeugen, sagte ein WHO-Sprecher am Dienstagabend. Zuvor hatte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus in Genf angekündigt, dass es in Kürze eine Entscheidung geben soll.

Der Begriff Affenpocken etwa könne auf eine Herkunft aus Afrika hindeuten, so der Sprecher. Bis Mai waren das Virus und die Krankheit, beide sollen umbenannt werden, zwar fast ausschließlich aus Afrika bekannt, aber der Name war ohnehin schon irreführend: Das Virus wurde 1958 in Dänemark zwar erstmals bei Affen in einer Versuchsanstalt nachgewiesen. Allerdings dürfte es nach heutigen Erkenntnissen eher unter kleinen Nagetieren verbreitet sein. Die Affen gelten nur als Zwischenwirt.

Beim Auftauchen des Coronavirus Ende 2019 hat die WHO auch schnell gehandelt, um eine Verbreitung von Namen wie "Wuhan-Virus", benannt nach der chinesischen Stadt, in der es erstmals nachgewiesen wurde, zu verhindern. Am 11. Februar 2020 verkündete die WHO, dass das neuartige Virus Sars-CoV-2 heißt und die Krankheit, die es auslöst, Covid-19.

Nachrichten zum Affenpocken-Ausbruch von Dienstag, 14. Juni: WHO ruft wegen Affenpocken Notfallausschuss ein

15.33 Uhr: Aus Sorge um die steigende Zahl an Affenpockenfällen in aller Welt hat WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus für kommende Woche den Notfallausschuss einberufen. Das Gremium soll entscheiden, ob es sich – wie bei Corona – um eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" (PHEIC) handelt. Der Notfallausschuss soll am 23. Juni tagen, wie es am Dienstag von der Weltgesundheitsorganisation WHO hieß.

Die Erklärung der Notlage ist die höchste Alarmstufe, die die WHO verhängen kann. Eine solche Erklärung hat keine direkten praktischen Folgen, soll aber die Mitgliedsländer wachrütteln. Eine Notlage gilt etwa seit Ende Januar 2020 wegen des Coronavirus Sars-CoV-2.

Der WHO wurden bis Dienstag weltweit mehr als 1600 Fälle von Affenpocken und fast 1500 Verdachtsfälle aus 39 Ländern gemeldet. In 32 dieser Länder gab es vor Mai keine bekannten Fälle. In den anderen sieben Länder in Afrika grassiert das Virus seit Jahrzehnten. Bislang wurden 72 Todesfälle aus den afrikanischen Ländern gemeldet. Die WHO prüfe einen möglichen Todesfall durch Affenpocken aus Brasilien, sagte Tedros.

Die Sorge der WHO beziehe sich auf drei Bereiche, sagte Tedros: das Virus verhalte sich ungewöhnlich, es seien immer mehr Länder betroffen und damit sei eine koordinierte Reaktion nötig. Ted