Irak

Wegen Dürre: 3400 Jahre alte Stadt aus Tigris aufgetaucht

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Sandsturm taucht Bagdad in orangefarbenen Dunst

Sandsturm taucht Bagdad in orangefarbenen Dunst

Ein Sandsturm hat Iraks Hauptstadt Bagdad in orangefarbenen Dunst gehüllt. Experten erwarten für die Zukunft mehr Sandstürme - Hintergrund ist der Klimawandel und beschleunigte Wüstenbildung.

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Dank einer extremen Trockenperiode hat ein Team von Forschenden im Irak eine etwa 3400 Jahre alte Stadt am Fluss Tigris freigelegt.

Berlin. 
  • In vielen Regionen der Erde ist es viel zu trocken, so auch im Irak
  • Das extreme Wetter hat nun eine Tausende Jahre alte Stadt zum Vorschein kommen lassen
  • Forscher haben bereits eine Vermutung, um was für eine Stadt sich handeln könnte

Für die Menschen im Irak war die extreme Trockenheit zu Beginn des Jahres ein großes Problem – für ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hingegen war sie ein riesiges Glück. Ihnen gelang es dadurch, eine 3400 Jahre alte Stadt am Fluss Tigris freizulegen. Das teilte die Universität Freiburg zu Beginn der Woche mit. Die Ruinen aus altorientalischer Zeit waren Anfang des Jahres im Mossul-Stausee aufgetaucht.

Der Stausee ist das wichtigste Wasserreservoir des Iraks. Damit die Ernte während der starken Dürre nicht vertrocknet, wurden seit Ende vergangenen Jahres große Mengen an Wasser abgelassen. Das ermöglichte es den Archäologinnen und Archäologen zwischen Januar und Februar dieses Jahres die Siedlung freizulegen und zu dokumentierten.

Forschende graben Befestigungsanlage und Lagerhaus aus

Ihre Arbeit war dabei ein Rennen gegen die Zeit: Kurz danach stieg der Wasserspiegel wieder an. Das Team grub eigenen Angaben zufolge unter anderem eine Befestigungsanlage mit Mauern und Türmen, ein mehrstöckiges Lagerhaus sowie über 100 Keilschrifttafeln aus. Vieles ist demnach noch gut erhalten. "Dass die Keilschrifttafeln aus ungebranntem Ton so viele Jahrzehnte unter Wasser überdauert haben, grenzt an ein Wunder", sagte der an der Grabung beteiligte Archäologe Peter Pfälzner von der Universität Tübingen.

Die Forschenden vermuten, dass die Stätte namens Kemmune ein wichtiges Zentrum im Mittani-Reich war. Das Mittani-Reich herrschte Mitte des zweiten Jahrhunderts vor Christus über weite Teile Nordmesopotamiens und Syriens. Die Archäologen gehen außerdem davon aus, dass es sich bei der Stätte um die alte Stadt Zachiku handelt.

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Stadt wurde erstmals 2019 entdeckt

Kemmune gehört zu den kurdischen Autonomiegebieten im Norden des Iraks und wurde nach Angaben der Forschenden erstmals 2010 bei einem Niedrigwasserstand entdeckt. Erst 2019 konnten die Grabungen beginnen – damals legten die Archäologen einen Palast frei.

Um die Ausgrabungen zu schützen, deckten die Archäologen die Ruinen mit Planen ab und schütteten sie mit Kies zu. Derzeit ist die Stätte nach dem Ende der Dürre nämlich vorerst wieder vollständig unter Wasser verschwunden. (csr/dpa)

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.