Psychologie

Weniger Zeit am Smartphone: So profitiert die Gesundheit

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Handy am Bett gefährlich?

Handy am Bett gefährlich?

Das Handy am Bett ist tabu, oder? Schließlich soll es schlecht sein, das Smartphone in der Nacht zu benutzen. Eine neue Studie aus den USA kommt zu einem überraschenden Urteil.

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Psychologen aus Bochum haben untersucht, was Reduktion und Verzicht der Smartphone-Nutzung bewirken. Das Ergebnis ist überraschend

Bochum/Berlin. Wer sein Smartphone weniger nutzt, kann langfristig positive Effekte für Lebensstil und Wohlbefinden erzielen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Forschungs- und Behandlungszentrums für psychische Gesundheit der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist im Fachblatt „Journal of Experimental Psychology“ erschienen.

„Wir konnten zeigen, dass sowohl der Verzicht, aber auch die einstündige Reduktion der täglichen Nutzung des Geräts positive Effekte hatte. In der Gruppe derer, die die Nutzung reduziert haben, hielten sich diese sogar länger und waren somit stabiler als in der Abstinenzgruppe“, sagt Psychologin und Studienautorin Julia Brailovskaia laut Mitteilung ihrer Universität.

Etwa drei Stunden täglich nutzen wir im Schnitt das Smartphone: googeln, Mails checken, shoppen, Nachrichten lesen. Studien belegen, dass eine exzessive Nutzung mit weniger körperlicher Aktivität, Fettleibigkeit, Nackenschmerz, eingeschränkter Leistungsfähigkeit und suchtähnlichem Verhalten in Verbindung stehen kann. „Das Smartphone ist zugleich Segen und Fluch“, sagt Julia Brailovskaia.

Smartphone: Befragung im Anschluss ans Experiment

Für die Untersuchung, wie sich Verzicht oder Reduktion der Nutzung auswirken können, gewann die Psychologin 619 Personen und teilten diese in drei Gruppen ein. 200 legten ihr Smartphone für eine Woche beiseite, 226 reduzierten die Nutzung um täglich eine Stunde, 193 Personen änderten nichts an ihrem bisherigen Verhalten.

Direkt im Anschluss sowie einen und vier Monate später wurden alle Teilnehmenden mit Blick auf ihre Lebensgewohnheiten und ihr Befinden befragt. Wie viel bewegten sie sich? Wie viel rauchten sie? Wie zufrieden fühlten sie sich? Waren sie ängstlich oder niedergeschlagen?

Weniger Zeit am Smartphone senkt auch Nikotinkonsum

Das Ergebnis: Die einwöchige Intervention änderte die Nutzungsgewohnheiten bei den Versuchspersonen langfristig: Noch vier Monate nach Ende des Experiments nutzten die Mitglieder der Abstinenzgruppe ihr Smartphone im Schnitt 38 Minuten pro Tag weniger als zuvor. Die Gruppe derer, die im Experiment täglich eine Stunde weniger mit dem Gerät verbracht hatten, nutzten es nach vier Monaten sogar 45 Minuten weniger pro Tag als zuvor.

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Zugleich stiegen Lebenszufriedenheit sowie die Zeit körperlicher Aktivität. Depressions- und Angstsymptome sowie der Nikotinkonsum gingen zurück. Studienautorin Brailovskaia bilanziert: „Es ist nicht nötig, aufs Smartphone zu verzichten, um sich besser zu fühlen.“ Vielleicht gebe es eine optimale tägliche Nutzungsdauer.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.morgenpost.de

( kai )