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Kate und William: Warum die Karibik die Royals anfeindet

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Jonas Erlenkämper
William und Kate beginnen Karibikreise in Belize

William und Kate beginnen Karibikreise in Belize

Prinz William und Herzogin Kate starten ihre achttägige Karibikreise in Belize. Sie werden noch Jamaika und die Bahamas besuchen, um das 70. Thronjubiläum von Königin Elizabeth II. zu feiern.

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Unwillkommen in der Karibik: Kate und William wollten um die Gunst der indigenen Bevölkerung werben – und erleben einen Proteststurm.

Kingston. Sie sind es nicht gewohnt, zurechtgewiesen zu werden, aber die adeligen Ehrengäste sind Profis und lassen sich nichts anmerken. Prinz William (39) und Herzogin Kate (40) lächeln herzlich, als sie sich unter der karibischen Sonne von Angehörigen der Garifuna die Bräuche dieser Volksgruppe erklären lassen.

Schließlich werden sie zum Tanzen zu traditioneller Trommelmusik aufgefordert – und machen ohne Berührungsängste mit. Doch die demonstrative gute Laune täuscht nicht darüber hinweg, dass sich die beiden im Zentrum eines unerwarteten Proteststurms wiederfinden.

Acht Tage lang reist das Ehepaar im Auftrag von Williams Großmutter durch die Karibik. Aus Anlass des 70. Thronjubiläums von Queen Elizabeth II. besuchen sie drei ehemalige britische Kolonien. Was als Charmeoffensive geplant war, wird für die dreifachen Eltern zur schlimmsten Reise ihrer royalen Karriere. Lesen Sie hier: Herzogin Kate wird 40: Wie sie zum Liebling der Royals wurde

Hunderte Jamaikaner protestieren gegen William und Kate

Als sie nun in Jamaika landeten, nach Belize ihre zweite Station, versammelten sich vor der britischen Botschaft in der Hauptstadt Kingston Hunderte Menschen. Sie hielten selbst gebastelte Plakate hoch und demonstrierten gegen den Besuch. Der Protest wurde von namhaften Jamaikanern aus Politik und Unterhaltung organisiert, die vom Königshaus Schadenersatz für Sklaverei sowie eine Entschuldigung verlangen.

„Wir sehen keinen Grund, den 70. Jahrestag der Besteigung Ihrer Großmutter auf den britischen Thron zu feiern“, heißt es in einem in der Zeitung „Independent“ veröffentlichten Protestschreiben an William, „weil unter ihrer Führung und der ihrer Vorgänger die größte Menschenrechtstragödie in der Geschichte der Menschheit fortgesetzt wurde.“

Williams und Kates Ausflug ähnelt einem blamablen Spießrutenlauf. In Belize reckten indigene Bewohner des Dorfs Indian Creek Schilder in die Höhe, auf denen stand: „Prinz William, verlass unser Land.“ Sie werfen den Royals vor, sie verhielten sich wie Nachfahren von Sklavenhändlern.

Angeblich hatten die Organisatoren den Einheimischen mitgeteilt, ihr Dorf müsse für den geplanten Besuch „gut aussehen“. Sebastian Shol, der Vorsitzende von Indian Creek, ist empört: „Das sind hochkarätige Leute, wir respektieren sie“, sagt er. „Aber sie müssen auch den Führern der Gemeinschaft Respekt zollen. Befehle zu erteilen, kam bei der Gemeinde nicht gut an.“ Auch interessant: 70 Jahre Königin: Wie die Queen zur ewigen Pop-Ikone wurde

Bevölkerung glaubt Meghans Anschuldigungen

Die wahren Hintergründe der Proteste liegen Experten zufolge woanders. „Die Königsfamilie scheint panische Angst zu haben, dass noch mehr englischsprechende Länder das Commonwealth verlassen“, meint Emily Zobel Marshall, Wissenschaftlerin mit Fokus auf karibischer Kultur, gegenüber der Zeitung „Guardian“.

Erst vor wenigen Monaten entschied die Karibikinsel Barbados, die Queen als formales Staatsoberhaupt abzusetzen. Deshalb entsandte die 95-jährige Königin ihr populärstes Paar – William und Kate sollen um die Gunst der Bevölkerung kämpfen. Lesen Sie hier: Abgestürzter Prinz Andrew feiert Geburtstag in Verbannung

Sie haben offenbar unterschätzt, dass sich viele Jamaikaner mit Me­ghan (40) solidarisiert haben. Die Frau von Williams kleinem Bruder Harry (37) hatte den Royals in einem TV-Interview vor einem Jahr Rassismus vorgeworfen. „Ich glaube nicht, dass die Briten erkennen, wie wütend die Jamaikaner über die Behandlung von Meghan durch die königliche Familie und die britische Öffentlichkeit sind“, sagt Korrespondentin Nadine Batchelor-Hunt.

William dürfte heilfroh sein, wenn er am Samstag von den Bahamas aus zurück nach London fliegen darf. Ende April steigt im Rahmen des Thronjubiläums dann der jüngste Queen-Sohn ins Flugzeug. Prinz Edward (58) reist ebenfalls in die Karibik. Der Konflikt mit den aufmüpfigen Ex-Kolonien dürfte längst nicht ausgestanden sein.