Urlaubsziel

Milliardäre lieben Saint-Barth – Auf der Insel der Promis

| Lesedauer: 4 Minuten
Laura Merz und Oliver Stöwing
Trotz Corona: Strand von Buenos Aires platzt aus allen Nähten

Trotz Corona: Strand von Buenos Aires platzt aus allen Nähten

In Argentinien sind derzeit Sommerferien. Am Strand der Hauptstadt Buenos Aires geht es hoch her, obwohl die Zahl der Corona-Neuinfektionen auf Rekordhöhe ist.

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Auf Saint-Barth können Stars wie Leonardo DiCaprio und Dua Lipa noch unbehelligt urlauben. Ein Blick in eine skurrile Parallelwelt.

Gustavia. Durch New York radelt Hollywood-Star Leonardo DiCaprio mit dem E-Bike. Um aber mit seiner argentinischen Modelfreundin Camila Morrone im 21 Grad warmen Wasser von Saint-Barthélemy zu planschen, ordert der Umweltaktivist den Privatjet.

Es geht ja kaum anders. Maschinen mit mehr als 19 Sitzen dürfen gar nicht auf der nur 24 Quadratkilometer großen Karibikinsel landen. Die Piloten müssen speziell geschult sein, um die von Hügeln eingegrenzte 640-Meter-Landebahn im Sturzflug erreichen zu können.

Dass Saint-Barth oder St. Barts, wie die Insel auch genannt wird, so kompliziert zu erreichen ist, ist gewünscht. Auf dem entlegenen Außenposten der Grande Nation Frankreich ist man gerne „entre nous“. Es gibt nur 600 Betten in 30 Luxushotels für jährlich 180.000 Touristen. Mehr zum Thema: Karibik-Inseln gibt es inzwischen fast zum Schnäppchenpreis

Saint-Barth: Hier sind Promis unter sich

Kreuzfahrtschiffe dürfen nicht anlegen. Paparazzi behelligen einen kaum – es sei denn, man möchte es. Aktuelle Schnappschüsse von Jeff Bezos, der hier mit seiner Freundin Lauren Sánchez am Strand knutschte und dabei seinen Muskelkörper in Szene setzte, wirken nicht so, als träfen sie ihn unvorbereitet. Lesen Sie hier: Wie Jeff Bezos nach der Formel für das ewige Leben sucht

Und so ist Saint-Barth in diesem Jahr eines der letzten Reservate, in denen Milliardäre, Royals und Superstars noch unbehelligt urlauben können. Selbstverständlich gehört eine Yacht von der Größe einer Shoppingmall zu den Annehmlichkeiten. Da lässt sich Roman Abramowitsch, ungekrönter König von Saint-Barth, nicht die Butter vom Brot nehmen. Seine 615-Millionen-Dollar-Yacht „Eclipse“ ist mit 162 Metern Länge und einem Landeplatz für drei Hubschrauber unübertroffen.

Aber es haben alle was davon: Da es auf der Insel kein offizielles Nachtleben gibt, lädt der Oligarch gerne in seinen yachteigenen Nachtclub ein. Der Porte de Gustavia zählt übrigens zu den zehn teuersten Häfen der Welt. Auch interessant: Zerstörtes Paradies - Video zeigt Karibik-Verschmutzung

In dieser Saison kamen bisher so viele Stars und Milliardäre wie noch nie: Popstar Dua Lipa, Talkmaster David Letterman, Scott ­Disick aus dem Kardashian-Clan, Kinoheld Sean Penn, der hier eine Pause von der Planetenrettung ­einlegte. Aus Deutschland flogen Sylvie Meis und Fußballstar Kevin Trapp mit Modelfreundin Izabel Goulart ein.

Luxus-Insel: Saint-Barth ist gefragt

„Wir haben seit der letzten Dezemberwoche etwa 15 Prozent mehr Fluganfragen für Saint-Barth als im Vorjahr“, sagt Irina Duisimbekova vom Privatjetanbieter Aerojet Me. Die wichtigsten Termine sind Silvester, wo schon Prince und Beyoncé Konzerte gaben, und der Valentinstag. Manchmal fliege der Pilot auch nur ein Big-Mac-Menü ein: Wenn reiche Cliquen genug vom Hummer haben, ordern sie Fast Food vom nahen Sint Maarten.

Erste Adresse ist seit 1950 das Hotel Eden Rock, das der Familie von James Matthews gehört, Ehemann von Pippa Middleton. Hier bucht man aber weniger eine Suite, sondern eine der 150 auf der ganzen Insel verteilten Villen, die den vollen Hotelservice bieten.

Abgeschiedene Ferienvillen stünden seit der Pandemie hoch im Kurs, sagt Sabine Masseglia von der Tourismusbehörde. So fühlten sich die Stars sicher – vor Covid-19. Derzeit gibt es 22 Infizierte. Besucher müssen geimpft sein.

Saint-Barth: Keine Armut, keine Kriminalität

Katastrophen steckt das Inselchen leichter weg. Nach Hurrikan Irma im Jahr 2017 war alles in Rekordzeit wieder blitzblank aufgebaut. „Wir sind Herrn Abramowitsch sehr dankbar, dass er unsere Insel so liebt“, sagt Präsident Bruno Magras in der britischen Doku „Play­grounds of the Rich & Famous“.

Überhaupt die Einheimischen. Während im ebenfalls französischen Guadeloupe Impfgegner gerade die Polizei attackierten, ist auf Saint-Barth alles friedlich. Es gibt, anders als im Rest der Karibik, keine sozialen Probleme, keine Armut und keine Kriminalität. „Man kann als Frau um vier Uhr morgens per Anhalter fahren und ist sicher“, sagt Maklerin Annelie Hirschfeld.

Auch ethnische Konflikte sind unbekannt: Saint-Barth ist die einzige Karibikinsel mit mehrheitlich europäischstämmiger Bevölkerung. Die meisten der rund 10.000 Einwohner sind Nachfahren der ersten Siedler aus der Bretagne oder Normandie. Stolz pflegen sie die französischen Traditionen für ihr „Saint-Tropez der Tropen“.

Eine Insel der Glückseligen, die eine Elite in Watte packt und dafür einem knallharten Prinzip folgt: dem der Abschottung.