Corona-Pandemie

Bahn kürzt Züge – Omikron belastet kritische Infrastruktur

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Miguel Sanches
Sieben Fakten über die Deutsche Bahn

Sieben Fakten über die Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn ist überall in Deutschland bekannt. Oft steht sie auch wegen zahlreichen Verspätungen in der Kritik.

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Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Bisher hält die „kritische Infrastruktur“ der Omikron-Welle Stand. Aber die Belastungsprobe kommt erst.

Berlin. Unmerklich hat die Deutsche Bahn vor zwei Wochen damit begonnen, kürzere Züge einzusetzen. Das entlastet die Instandhaltungswerke, wo der Krankenstand wegen der Omikron-Welle längst zweistellig ist. Kein Einzelfall. Die Belastungsprobe für die kritische Infrastruktur rückt näher.

Vor allem eine Prognose irritiert die Verantwortlichen in den Länderm. Im Best-Case-Szenazio – wohlgemerkt – erwartet Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Mitte Februar auf dem Scheitelpunkt der Welle 400.000 Neuinfizierungen mit Covid-19 – pro Tag. Zum Vergleich: Am Mittwoch meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 164.000 neue Fälle, ein Höchstwert.

Corona-Ausfälle: Kritisch wird es ab 30 Prozent

Die kritische Infrastruktur trieb die Konferenz der Ministerpräsidenten um. Beruhigend hielt die Runde fest: Viele Bereiche seien auf einen starken Personalausfall "vorbereitet" und hätten Notfallpläne angepasst. Das gilt gerade im Sicherheitsbereich, wo der Bund helfen kann – mit der Bundespolizei.

Die Schmerzgrenze liegt bei einem Personalausfall von 30 Prozent. So viel lässt sich – mit Einschränkungen – auffangen. Berlin kommt der Situation näher. Seit fast einer Woche ist die Ampel in der Hauptstadt auf gelb und nicht auf grün, weil es eben "eine Beeinträchtigung gibt“, wie Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) feststellte.

Alarmierend – Die Lage in den Krankenhäusern

Im Vergleich der Städte und Landkreise liegen sechs Berliner Bezirke an der Spitze, allen voran Mitte mit einer Inzidenz 3109,6. Aber auch in den anderen Ländern steigen die Zahlen. In Bayern ist die Inzidenz auf über 1000 geklettert. Berlin ist wie ein Blick in die Glaskugel: Was hier passiert, droht zeitversetzt auch in anderen Ländern.

Wirklich alarmierend ist die Lage derzeit nur in den Kliniken. Fast drei Viertel der Krankenhäuser berichten von höheren Personalausfällen in patientennahen Bereichen als um diese Jahreszeit üblich, wie aus einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts unter mehr als 240 Kliniken hervorgeht. Jedes zweite Hospital kann seine Betten auf den Allgemeinstationen nicht mehr voll betreiben.

Wasser- und Energieversorger geben Entwarnung

Der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sagte der dpa: „Die Daten lassen vermuten, dass die deutlich höheren Personalausfälle auf Omikron-Infektionen bei Krankenhausmitarbeitenden zurückzuführen sind.“ Ab nächste Woche werde es in den Krankenhäusern deutschlandweit sehr eng werden, befürchtete auch die Vorsitzende der Ärzteorganisation Marburger Bund, Susanne Johna, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Im Nahverkehr wurde nur in Berlin das Angebot eingeschränkt. Die Logistik-Branche gibt Entwarnung. Beim Bundesverband erwartet man keine „versorgungsrelevanten Ausfälle größeren Ausmaßes“. Der Verbande kommunaler Unternehmen, dessen Mitglieder neben Energie- und Wasserbetrieben auch Müllabfuhren, Straßenreinigung und Telekommunikationsanlagen betreiben, glaubt, das Angebot auch dann noch aufrecht erhalten zu können, „wenn 30 Prozent der Mitglieder ausfallen“, wie Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing der dpa sagte.

Bei höheren Ausfallzahlen sprach er sich dafür aus, den Einsatz von symptomlosen Infizierten in Schlüsselpositionen zu erlauben. Zu den Notfallplänen zählen bei den Wasser- und Energieversorgern etwa Schichtpläne mit längeren Arbeitszeiten, Kontaktverbote zwischen Teams und die Reaktivierung kürzlich in Rente gegangener Mitarbeiter.

„Permanenter Ausnahmezustand“ in den Schulen

Dramatisch ist die Lage in einem Bereich, der allenfalls indirekt zur kritischen Infrastruktur gezählt wird: In den Schulen. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands sprach in der „Welt“ von einem „permanenten Ausnahmezustand“ an den meisten Schulen, von „deutlich erhöhten Infektionszahlen“ und gestiegenen Quarantänemaßnahmen bei Lehrkräften und Schülern. Die Präsenzpflicht wurde in Berlin denn auch aufgehoben.