Impfschutz

Corona: Darum raten Israels Experten zur vierten Impfung

| Lesedauer: 4 Minuten
Maria Sterkl
Studie zeigt: Vierte Impfung wirkt wohl nur bedingt gegen Omikron

Studie zeigt: Vierte Impfung wirkt wohl nur bedingt gegen Omikron

Laut einer israelischen Studie schützt eine vierte Impfung nicht ausreichend vor der Omikron-Variante. Auch nach der vierten Impfung gibt es noch Betroffene, die sich anstecken.

Beschreibung anzeigen

In Israel könnten schon bald alle erwachsenen Bürgerinnen und Bürger eine vierte Corona-Impfung erhalten. Das sind die Beweggründe.

Berlin. Israel steht am Höhepunkt der Omikron-Welle. "Das Risiko, sich mit dem Virus anzustecken, ist so hoch wie nie seit Beginn der Pandemie", sagte Pandemieforscher Eran Segal vom Weizmann Institut. Bisher hat sich rund eine Million Israelis mit der Omikron-Variante angesteckt, und allein die Hälfte davon infizierte sich in der vergangenen Woche.

Es sind schwierige Tage für ältere und vorbelastete Menschen in Israel. Laut Angaben des Ministeriums für soziale Gerechtigkeit gab es in den vergangenen Wochen gehäuft Anrufe älterer Personen, die um Unterstützung ansuchten, weil sie sich nicht mehr trauten, das Haus zu verlassen.

Israel: Grüner Corona-Pass läuft aus

Eine aktuelle Entscheidung des Covid-Expertenbeirats in Israel dürfte es ihnen nicht unbedingt leichter machen: Der Beirat empfiehlt der Regierung, den Grünen Pass auslaufen zu lassen. Zuvor war das schon vom Finanzminister gefordert worden. Damit fällt die 3G-Regel in der Gastronomie und an anderen öffentlichen Orten.

Begründet wurde der Schritt damit, dass die Impfung nur bedingt gegen Omikron schütze. Die Belastung durch die 3G-Regel sei damit größer als ihr Nutzen. Zudem gebe der Impfpass vielen Menschen "ein falsches Gefühl der Sicherheit", meint Expertenpanel-Vorsitzender Ran Balicer. Er empfiehlt vielmehr ein flächendeckendes Testen.

Corona: Viele Israelis haben ihren Booster schon vor einem halben Jahr erhalten

Das ist aber leichter gesagt als getan: Testen wurde in Israel zur Geld- und Zeitfrage, seit die Regierung PCR-Tests nur noch an Ältere vergibt und sich vor den Antigen-Testzentren sich oft lange Warteschlangen bilden. Schnelltests in der Apotheke kosten zwischen sieben und zehn Euro pro Testkit.

Die Abschaffung des Grünen Passes hat aber auch praktische Gründe: Für viele Israelis verliert der Grüne Pass ab kommender Woche automatisch seine Gültigkeit, weil sie den Booster vor mehr als sechs Monaten erhalten haben. Der Grüne Pass hat ein Ablaufdatum von einem halben Jahr ab dem letzten Impfdatum.

Die Regierung stand also vor der Wahl, die Gültigkeit der Impfpässe automatisch zu verlängern oder den Grünen Pass generell abzuschaffen. Eine Verlängerung, so waren sich die Experten einig, ergebe aber wenig Sinn, wenn man bedenkt, dass der Booster nach sechs Monaten nur noch eingeschränkt wirkt und die vierte Impfung vorerst nur über 60-Jährigen offensteht.

Booster-Impfung wird für alle ab 18 Jahren empfohlen

Am Dienstag wurde jedoch bekannt, dass Israel nun auch breite Schichten zur vierten Impfung rufen könnte. Der Expertenbeirat gibt sein grünes Licht für eine vierte Impfung für alle über 18 Jahre, deren Boosterstich länger als fünf Monate zurückliegt.

Diese Entscheidung liegt beim Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Nachman Ash. Sollte er sich den Experten anschließen, wird Israel das erste Land sein, das die erwachsene Bevölkerung zum zweiten Mal boostert. Bislang wurden in Israel nur Über-60-Jährige und Personen mit geschwächter Immunabwehr zum vierten Mal geimpft.

Lesen Sie auch: Israel gibt den Kampf gegen die Corona-Welle auf

Israel: Vierte Impfung verdreifacht Schutz vor schwerem Verlauf

Noch vor wenigen Wochen hatte der Beirat sich gegen eine vierte Impfung für alle Erwachsenen ausgesprochen. Es gebe zu wenige Indizien, dass die Impfung auch gegen Omikron schütze, hieß es. Nun liegen mehrere israelische Erhebungen vor, die aber genau das belegen: Wer den vierten Stich bekommen hat, ist mindestens dreimal so gut gegen einen schweren Omikron-Verlauf geschützt wie dreifach Geimpfte, deren Stich mehr als vier Monate zurückliegt.

Und nicht nur das: Auch gegen eine bloße Infektion mit Omikron bietet der zweite Booster einigen Schutz. So sind die vierfach Geimpften doppelt so gut gegen eine Infektion gewappnet als dreifach Geimpfte mit einem veralteten Impfschutz. Die vom israelischen Gesundheitsministerium veröffentlichte Studie bezieht sich auf Daten von über 60-Jährigen Israelis. Für jüngere Altersgruppen liegen keine Erhebungen vor. Es ist laut den Experten aber anzunehmen, dass der vierte Stich hier noch bessere Wirkung zeigt als bei älteren Schichten.

Sollten weitere Studien den Schutz der vierten Corona-Impfung belegen, könnte auch der Grüne Pass wieder eingeführt werden – zumal dann wohl auch die Omikron-Welle abgeebbt sein wird. Laut Gesundheitsminister Nitzan Horowitz ist der Wendepunkt bereits in Sichtweite.