Leitartikel

Novavax: Diese Entscheidung sorgt für große Verunsicherung

| Lesedauer: 4 Minuten
Birgitta Stauber
Novavax: die Besonderheiten des Corona-Impfstoffes

Novavax - was den neuen Impfstoff so besonders macht

Die Ständige Impfkommission hat sich für eine Impfung mit dem Novavax-Impfstoff ab 18 Jahren ausgesprochen. Novavax unterscheidet sich von den bisherigen Impfstoffen.

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Mit der Bevorzugung des Impfstoffs von Novavax im Pflegebereich gibt die Politik Impfskeptikern nach, kommentiert Birgitta Stauber.

Berlin. 
  • Im Februar sollen die ersten Novavax-Dosen an Deutschland geliefert werden
  • Die Politik wartet mit der Impfpflicht für Pflegekräfte, bis der Impfstoff in Deutschland zur Verfügung steht
  • Damit sorgt sie für weitere Verunsicherung, kommentiert unsere Autorin

Für seriöse Expertinnen und Experten gibt es keinen Zweifel: Die derzeit gängigen Wirkstoffe der Corona-Impfungen sind wirksam und sicher, schwere Nebenwirkungen extrem selten – auch wenn mal der Arm nach dem Einstich wehtut oder der Kopf einen Tag lang drückt.

Schließlich werden die auf der mRNA-Technologie basierenden Impfstoffe von Moderna und Biontech und auch die Vektor-Impfstoffe weltweit angewendet, allein in Deutschland haben 60 Millionen Menschen ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten, weltweit sind es Milliarden, denen der schwere Verlauf einer Covid-19-Erkrankung ziemlich sicher und eine Infektion oft erspart bleibt – erst recht wenn noch die Booster-Impfung dazukommt.

Skepsis: Unzählige Mythen über mRNA-Impfstoffe

Dass trotzdem viele Menschen skeptisch sind, liegt auch an unzähligen Mythen, die über die mRNA-Technologie kursieren: Schwere Nebenwirkungen, Unfruchtbarkeit, Tod sind nur einige Schlagworte, die in der Verschwörungstheorie gipfeln, mit der Impfung würden Mikrochips zur Kontrolle implantiert. Die Wissenschaft hat diese Mythen widerlegt, doch sie schafft es nicht, Ängste zu nehmen und zu Skeptikern und Leugnern durchzudringen.

Die Verunsicherung ist nach wie vor groß: Jeder fünfte Deutsche ist immer noch nicht geimpft – auch weil viel zu viele glauben, der neue Impfstoff von Novavax sei irgendwie besser, verträglicher, wirksamer. Tatsächlich beruht die Wirkungsweise des proteinbasierten Serums auf einer Technologie, wie sie schon von lange etablierten Impfungen genutzt wird. Doch hinsichtlich der Nebenwirkungen kann bisher nur auf Studien verwiesen werden, während Biontech, Moderna und Co. milliardenfach geimpft wurden und über Nebenwirkungen alles bekannt ist.

Es ist erschreckend, dass die Angst vor den bisher zugelassenen und erprobten Corona-Impfstoffen ausgerechnet beim Pflegepersonal, jeder medizinischen Vorbildung und Erfahrung zum Trotz, so groß ist. So gibt es Einrichtungen, in denen die Impfquote sogar niedriger ist als unter der Gesamtbevölkerung. Kein Wunder, dass die Länder Angst davor haben, die vielen Skeptiker und auch Corona-Leugner im Gesundheitswesen mit einer Impfpflicht so sehr zu verprellen, dass sie kündigen. Schließlich sorgt schon jetzt der Engpass beim Pflegepersonal für eine Überlastung der Krankenhäuser und Pflegeheime.

Novavax für Pflegekräfte vergrößert die Verunsicherung

Dass mit der Impfpflicht gerade im sensiblen Pflegebereich gewartet werden soll, bis der neue Impfstoff da ist, könnte die allgemeine Verunsicherung noch befeuern. Denn tatsächlich haben es weder die Politik noch die Träger der Kliniken und Heime in all den Monaten, in denen weltweit mit Biontech oder Moderna geimpft wird, geschafft, Pflegerinnen und Pfleger flächendeckend von der Corona-Impfung zu überzeugen.

Wer hin- und hergerissen ist, ob den Erkenntnissen der Wissenschaft zu glauben ist oder irgendwelchen im Netz kursierenden Gerüchten, Halbweisheiten und schlichten Lügen, könnte nun zu der Erkenntnis gelangen, dass die Politik selbst nicht mehr von ihren Experten überzeugt ist.

Jedenfalls kann die Verunsicherung gegenüber der Impfung noch wachsen, wenn der proteinbasierte Impfstoff tatsächlich bevorzugt in Gesundheitsbetrieben zum Einsatz kommt.

Dass nur so wenige Pflegekräfte geimpft sind, ist allerdings nicht nur ein Versagen der Politik. Es zeigt, dass skeptische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Ängsten und ihrer Desinformation alleingelassen werden. Offenbar schaffen es Klinikdirektoren oder Heimleiterinnen nicht oder nicht genügend, zum Pflegepersonal durchzudringen. Und das ist das eigentliche Problem.