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„Wie in einer Sekte“: So war es in Hefners Playboy-Villa

| Lesedauer: 4 Minuten
Laura Merz und Jonas Erlenkämper
Der alte Mann und die Models: Hugh Hefner im Jahr 2011 inmitten von jungen Frauen.

Der alte Mann und die Models: Hugh Hefner im Jahr 2011 inmitten von jungen Frauen.

Foto: Dan Kitwood / Getty Images

„Playboy“-Gründer Hugh Hefner, selbst ernannte Ikone der sexuellen Befreiung, soll Frauen unter Drogen gesetzt und missbraucht haben.

Los Angeles. Hugh Hefner zeigte sich stets stolz auf sein extravagantes Lebenswerk. Schließlich habe er viel zur Enttabuisierung der körperlichen Liebe beigetragen, glaubte der Gründer des Männermagazins „Playboy“.

Ein Image, das der Amerikaner mit Herzblut pflegte: Bis ins hohe Alter lebte er mit einer Schar junger Frauen zusammen, eine Dokuserie über sein ausschweifendes scheinbares Privatleben („The Girls of the Playboy Mansion“) machte ihn in den 2000er-Jahren auch in Deutschland zum Star des Reality-Fernsehens. Als er 2017 im Alter von 91 Jahren starb, wurde der Verleger in Nachrufen als Ikone der Popkultur gefeiert.

Nun aber kommt heraus: Hefner soll Frauen sexuell und psychisch missbraucht haben. Das legt eine zehnteilige Dokumentation nahe, die ab heute auf dem US-Sender A&E ausgestrahlt wird.

Hefners Playboy Mansion – „wie in einer Sekte“

Secrets of Playboy“ bringt posthum dunkle Geheimnisse über Hefner ans Licht. Ex-Partnerinnen und ehemalige Angestellte enthüllen schlüpfrige Details über die Playboy Mansion in Los Angeles – ein Anwesen, das Hefner 1971 gekauft hatte. Der frühere Werbetexter wohnte dort zusammen mit mehreren alle paar Jahre wechselnden Freundinnen. Eine Villa mit Pool, bekannt für opulente Partys.

Lisa Loving Barrett war von 1977 bis 1989 Hefners Privatassistentin und bekam so exklusive Einblicke ins weltberühmte 29-Zimmer-Heim in den Holmby Hills. Sie berichtet von Hefners Vorrat an Beruhigungsmitteln, mit denen die sogenannten Playmates gefügig gemacht worden seien: Ihr Chef habe die Tabletten großzügig verteilt, „weil die Frauen alles gemacht haben, wenn sie unter dem Einfluss der Pillen standen“.

Hefners ehemalige PR-Chefin Miki Garcia (74) sagt: „Es war wie in einer Sekte. Die Frauen wurden im Glauben gelassen, Teil der Familie zu sein. In Wirklichkeit glaubte Hefner, dass er diese Frauen besaß.“ Es habe Frauen gegeben, die an Überdosen gestorben seien, andere hätten sich umgebracht.

Sondra Theodore (65), die bis Anfang der 80er-Jahre in der Villa lebte, beschreibt, wie Hefner sie unter Druck gesetzt habe: Er habe sie mental gebrochen, wie man den Willen eines Pferdes breche. „Er hat mir am Ende nur noch Angst gemacht.“

Hefner soll stets Kokain im Haus gehabt haben

Auch Holly Madison erhebt schwere Vorwürfe. „Mir war nicht klar, dass es ein gefährlicher Entschluss war, die Welt des Playboys zu betreten“, sagt die 42-Jährige in der Doku. Es sei die Hölle gewesen. Dabei trat Madison, sieben Jahre lang eine von Hefners Freundinnen, einst lächelnd in „The Girls of the Playboy Mansion“ auf, gab dem Gönner vor der Kamera Küsschen und flüsterte ihm zu, dass sie ihn liebe.

2001 habe sie an seine Tür geklopft, sich vorgestellt und gefragt, ob sie einziehen dürfe, erzählt Madison. Sie sei kurz davor gewesen, obdachlos zu werden, und habe keinen anderen Ausweg gesehen. Noch in derselben Nacht habe sie unter Alkoholeinfluss das erste Mal Sex mit Hefner gehabt. Für sie eine „traumatische Erfahrung“. Trotzdem blieb sie bis 2008.

Hefner selbst soll bevorzugt harte Drogen konsumiert haben. Im Haus habe er so viel Kokain gelagert, dass sogar der Pudel eines Freundes süchtig geworden sei, nachdem das Tier seine Schnauze in einen Haufen des weißen Pulvers gesteckt habe.

Hugh Hefner erpresste Journalisten mit pikanten Fotos

Warum aber kam Hefner zeit seines Lebens mit alldem durch? „Secrets of Playboy“ liefert eine Erklärung: Er lud demnach regelmäßig bekannte Journalisten zu Partys ein.

Dort wurden sie heimlich gefilmt und dann erpresst. „Am Ende haben sie immer etwas getan, was sie bereut hätten, wenn es an die Öffentlichkeit gekommen wäre“, sagt Sondra Theodore. „Hef hatte sie also in der Tasche.“