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Dschungelcamp 2022: Darum wird es nicht langweilig

| Lesedauer: 3 Minuten
Oliver Stöwing
Dschungelcamp: Es geht wieder in die Ferne

Dschungelcamp- Es geht wieder in die Ferne

Coronabedingt konnte das Dschungelcamp in diesem Jahr nur in Köln stattfinden. 2022 ist der Drehort wie kein anderer: Die Kandidaten müssen sich im Nordosten Südafrikas beweisen.

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Das Dschungelcamp geht los. Die Mutter aller Trash-Shows ist für erstaunlich viele Menschen willkommener Spaß-Booster in der Pandemie.

Berlin. Man hockt aufeinander, geht sich auf die Nerven, und dann ist auch noch das Klopapier alle. Hatten wir alles im Lockdown. Will man das noch einmal im Fernsehen sehen? Offenbar ja. Am Freitag um 21.30 Uhr startet nach einem Jahr Pandemie-Pause bei RTL die 15. Staffel von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“, allen bekannt als Dschungelcamp.

Obwohl der Name dieses Mal nicht ganz passt. Erstmals hocken die Promis nicht im australischen Regenwald aufeinander, sondern in der südafrikanischen Savanne. Denn in Südafrika sind die Einreiseregeln lockerer als bei den strengen Australiern.

Und das Interesse ist bereits riesig. Seit Weihnachten steigt die Google-Suche steil an. Die Online-Portale spucken täglich Storys aus, denn Corona sorgt für eine willkommene Vorab-Dramaturgie. Mehr zum Thema: Dschungelcamp-Premiere in Südafrika: Diese Promis sind dabei

Dschungelcamp ist überholt und trotzdem erfolgreich

Das Reality-TV-Sternchen Christin Okpara (25) soll seinen Impfpass gefälscht haben – Ermittlungen statt Dschungel. Dann infizierte sich Lucas Cordalis (54). Der Pechvogel war erst bekannt als Sohn von Schlagerstar Costa Cordalis, dann als Mann von TV-Persönlichkeit Daniela Katzenberger (35). Der Dschungel sollte seine Chance werden, sich zu emanzipieren. Nun muss er hoffen, dass er noch rechtzeitig negativ getestet wird, um nachzurücken.

Die zwei Jahre Pandemie haben die Gesellschaft allerdings dünnhäutiger gemacht. Zudem sind Sexismus, Bodyshaming und Mobbing viel diskutierte Themen. RTL will sein Image verbessern, feuerte dafür sogar Dieter Bohlen. Die Art, wie der „DSDS“-Boss Kandidaten herunterputzte, passte nicht mehr ins Konzept.

Im Dschungelcamp aber wird hauptsächlich gezofft und gelästert. Das Moderatoren-Team Sonja Zietlow (53) und Daniel Hartwich (43) kommentiert das Ganze dann noch einmal genüsslich, scheut dabei auch die Gürtellinie nicht. Ist das noch zeitgemäß? Lesen Sie hier:„Deutschland sucht den Superstar“ - Dieter Bohlen steigt aus

Im RTL-Dschungel gibt es keinen Alkohol

Anruf bei RTL. Grenzüberschreitende Sprüche bestreitet die Sprecherin: „Unsere Moderationen sind immer humorvoll und manchmal ironisch.“ Das sieht Micaela Schäfer (38) genauso. Das Model war vor zehn Jahren im Dschungelcamp und kämpfte sich schmerz- und oft genug auch textilfrei auf den vierten Platz. Schäfer mochte die Sprüche über sich. „Man sollte doch froh sein, wenn man überhaupt erwähnt wird“, sagt sie. „Und überhaupt, das Dschungelcamp ist die harmloseste aller Trash-Shows.“ Das Alkoholverbot würde die schlimmsten Eskapaden verhindern. Promis

Es sei genau die Selbstironie der Show, die in angespannten Zeiten fehle. „Die Dschungelcamper nehmen sich nicht ernst, und der Zuschauer will endlich mal wieder lachen. Danach kann er ja dann wieder den ganzen Tag Corona-News lesen.“

Und so ist das Dschungelcamp die angeschmuddelte, aber vergnügte Schwester von „Wetten, dass..?“. Beide Shows vereinen Generationen und Schichten, stimmen ein wenig nostalgisch, sorgen für Gesprächsstoff und sind nicht totzukriegen. Und für die Kandidaten bietet die Show die Chance auf einen Karriere-Booster. Oft die letzte. „Erst seit dem Dschungelcamp kann ich von meiner Bekanntheit leben“, sagt Schäfer. „Vorher ging ich noch kellnern.“ Auch interessant: „Wetten, dass..?“ ist zurück: „Kein nostalgischer Rückblick“

Jetzt gehört sie zum Team von Jan Böhmermann im ZDF – und ist fast schon Mainstream.