Zeitgeschichte

Anne Frank: FBI-Mann will Rätsel um Verrat gelöst haben

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Miguel Sanches
Das Schicksal von Anne Frank bewegt seit Jahrzehnten die Welt. Das nach ihr benannte Zentrum zeigte zuletzt in Berlin eine Ausstellung. Ob und wer das jüdische Mädchen an die Nazis verriet, ist ein historisches Rätsel.

Das Schicksal von Anne Frank bewegt seit Jahrzehnten die Welt. Das nach ihr benannte Zentrum zeigte zuletzt in Berlin eine Ausstellung. Ob und wer das jüdische Mädchen an die Nazis verriet, ist ein historisches Rätsel.

Wurde Anne Frank an die Nazis verraten? Ein Cold-Case-Team ist davon überzeugt und präsentiert einen Verdächtigen, aber keinen Beweis

Berlin. Ungelöste Kriminalfälle kommen zwar zu den Akten, aber solche Cold Case lassen Ermittler oft nicht los. Der frühere FBI-Agent Vince Pankoke glaubt einen historischen Cold Case gelöst zu haben: Wer den Nazis das Versteck der Familie von Anne Frank in Amsterdam verraten hat. Allerdings fehlt auch Panhoke die "smoking gun": den hundertprozentigen Beweis.

Anne und ihre Familie wären fast entkommen. Zwei Jahre lang hielten sie sich versteckt, bis sie im August 1944 gefunden und deportiert wurden. Einzig der Vater überlebte im Konzentrationslager Bergen-Belsen und machte das Tagebuch seiner Tochter publik, eines der aufrüttelndsten Werke über die Judenverfolgung und meist gelesenen Bücher.

Der Verräter hatte ein Motiv: seine eigene Familie retten

Waren die Franks zufällige Opfer einer Razzia oder wurden sie verraten? Der zweite Verdacht wird seit Jahren gepflegt. Auf Wikipedia kann man die lange Namensliste der Menschen lesen, die über die Jahrzehnte verdächtigt wurden, unter anderem ein Lagerarbeiter, eine Putzfrau und ein Kopfgeldjäger.

FBI-Mann Pankoke und sein Coldcase-Team von rund 20 Historikern und Kriminologen fügt laut der niederländischen Zeitung NRC einen weiteren Namen hinzu: Arnold van den Bergh.

Die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass er Frank verraten hat, um die eigene Familie zu retten. Der jüdische Notar habe ein Motiv wie auch die Verbindungen zu den Nazis gehabt. Denn van den Bergh gehörte zum Judenrats, der für die Besatzer auch die Deportationen organisierte.

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Schon Anne Franks Vater stieß auf die Spur

Völlig neu ist die Spur, die zum 1950 verstorbenen Juristen führt, nicht. Annes Vater Otto Frank erhielt schon nach der Befreiung des Konzentrationslagers eine belastende Notiz: "Ihr Versteck in Amsterdam wurde der 'Jüdischen Auswanderung' in Amsterdam gemeldet, von A. van den Bergh, der damals in der Nähe des Vondelpark, O. Nassaulan lebte. In der JA gab es eine ganze Liste von Adressen, die er weitergab."

Allerdings war nie ganz klar, wer die Notiz geschrieben hat und ob van den Bergh überhaupt wusste, wen genau er verriet. Das Anne Frank Museum geht vorsichtig von einer "Hypothese" aus.

Es fehlt der zweifelsfreie Beweis, die berühmte "smoking gun"

Für Vince Pankoke hat die Theorie des Coldcase-Teams "eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent", wie er in einem Interview versicherte. Wenn die Indizien kein rauchender Colt seien, dann doch wenigstens eine warme Pistole. Das Ergebnis der Ermittlungen soll als Buch veröffentlich werden und läuft als Dokumentation in der CBS-Reihe "60 Minutes". Titel: "Anne Frank's betrayal"

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