Holocaust

Auschwitz-Überlebende Trude Simonsohn ist gestorben

| Lesedauer: 3 Minuten
Gedenkfeier in Kiew: Steinmeier prangert wachsenden Antisemitismus in Deutschland an

Gedenkfeier in Kiew: Steinmeier prangert wachsenden Antisemitismus in Deutschland an

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei einer Gedenkfeier in Kiew an die NS-Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs erinnert. 80 Jahre nach der Massenhinrichtung von mehr als 33.000 Juden im ukrainischen Babyn Jar durch deutsche Soldaten prangerte Steinmeier auch den erneut wachsenden Antisemitismus in Deutschland an.

Beschreibung anzeigen

Die Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Politiker und Weggefährten würdigen ihr Lebenswerk.

Berlin. Die Holocaust-Überlebende Trude Simonsohn ist am Donnerstag (6. Januar 2022) im Alter von 100 Jahren gestorben. Das teilte die Jüdische Gemeinde Frankfurt mit. Simonsohn hatte sich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagiert und die Konzentrationslager Theresienstadt und Auschwitz überlebt.

Salomon Korn, der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, bezeichnete Simonsohn als „bemerkenswerte, herausragende Frau“. „Als Shoa-Überlebende hat sie sich für Versöhnung und ein respektvolles Miteinander in unserem Land eingesetzt“, betonte Korn.

Trude Simonsohn: Jüdin überlebte zwei Konzentrationslager

Trude Simonsohn war am 21. März 1921 im damaligen Olmütz im heutigen Tschechien geboren worden. Eine Berufsausbildung blieb der Jüdin verwehrt, ihre Mutter und ihr Vater wurden in Konzentrationslagern ermordet.

Simonsohn selbst wurde nach Angaben der Stadt Frankfurt 1942 wegen Hochverrats inhaftiert und kam ins KZ Theresienstadt, bevor sie 1944 nach Auschwitz deportiert wurde. Sie überlebte und wurde im März 1945 in einem Außenlager des KZ Groß-Rosen von sowjetischen Soldaten befreit. Nach dem Krieg ließ sich Simonsohn gemeinsam mit ihrem Mann, den sie in Theresienstadt kennengelernt und der den Holocaust ebenfalls überlebt hatte, zunächst in der Schweiz nieder.

Holocaust-Überlebende war Ehrenbürgerin Frankfurts

Seit 1955 lebte das Paar in Frankfurt, wo sich Simonsohn beim Wiederaufbau der Jüdischen Gemeinde engagierte und von 1989 bis 2001 den Vorsitz der Gemeinde übernahm.

Als Zeitzeugin ging Simonsohn außerdem seit Jahrzehnten an Schulen, um Jugendlichen über ihr Leben und die Geschichte von Nationalsozialismus und Holocaust zu berichten. Erst mit weit über 90 Jahren musste sie ihr Engagement wegen ihres verschlechterten Gesundheitszustands einstellen. Im Jahr 2016 war Simonsohn als erste Frau zur Ehrenbürgerin Frankfurts ernannt worden.

Mehr zum Thema:

"Dass sie unserem Land, unserer Stadt nach allem, was wir ihr und ihrer Familie angetan haben, eine zweite Chance gab, ist für mich bis heute ein unbegreifliches Geschenk", würdigte der Frankfurer Oberbürgermeister Peter Feldmann die Verstorbene. "Verdient hatten wir es nicht. Aber wir haben es gebraucht. Trude Simonsohn stand nicht nur für das, was war, sondern vor allem für das, was sein kann. Eine Zukunft ohne Hass, eine offene Gesellschaft, eine Kultur des Respekts."

Trude Simonsohn: Vorbild im Kampf gegen Antisemitismus

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) würdigte Simonsohn als bedeutende Hessin, die sich um die Erinnerungskultur und den Wiederaufbau von jüdischem Leben in Hessen verdient gemacht habe. "Trude Simonsohn hat die dunkelsten Stunden deutscher Geschichte miterlebt", sagte Bouffier. "Angesichts dieser Erlebnisse hätte man es ihr nicht verdenken können, dass sie Deutschland den Rücken kehrt. Doch Trude Simonsohn tat das Gegenteil." Lesen Sie auch den Kommentar: Kein Platz für Judenhass in Deutschland

Jahre der Verfolgung und KZ-Haft hätten Trude Simonsohn darin bestärkt, sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen – und dabei vor allem die junge Generation anzusprechen und zu berühren, hieß es in einem Nachruf der Bildungsstätte Anne Frank. "Wir verlieren ein Vorbild im Kampf für die Erinnerung an die Shoah und gegen heutige Formen von Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit. Und wir verlieren eine enge Freundin."

(amw/dpa/afp)