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Frank Rosin: Eine Pommesbude kann Spitzengastronomie sein

| Lesedauer: 6 Minuten
Oliver Stöwing
Professor kocht nach 3700 Jahre altem Rezept

Professor kocht nach 3700 Jahre altem Rezept

Es sei "einfach und köstlich", schrieb Bill Sutherland auf Twitter. Um das Rezept aus dem alten Mesopotamien nachzukochen, brauchte es aber neben Sprachkenntnissen auch Fantasie.

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Im Interview spricht Sternekoch Frank Rosin über seine neue Sendung „Rosins Heldenküche“ und erklärt, warum er auch Sozialarbeiter ist.

Berlin. Sternekoch, das klingt nach Snob. Frank Rosin ist nun so ziemlich das Gegenteil eines Snobs. Eigentlich ist der „Ruhrgebietler durch und durch“ (Eigenaussage) ein Sozialarbeiter, der gut kochen kann. Für „Rosins Restaurants – Ein Sternekoch räumt auf“ watet er seit zehn Jahren schmerzfrei durch die Niederungen der deutschen Gastronomie und versucht zu retten, was oft nicht mehr zu retten ist.

Am Donnerstag startet um 20.15 Uhr auf Kabel 1 „Rosins Heldenküche – letzte Chance Traumjob“. Darin will der 55-jährige Dorstener Menschen, die von der Gesellschaft schon aufgegeben wurden, fitmachen für einen Job in der Spitzengastronomie.

Herr Rosin, Sie sind seit zehn Jahren in zum Teil schlimmen Kaschemmen unterwegs, im Frühjahr kommt die neue Staffel. Wie halten Sie das bloß aus?

Frank Rosin: Es ist nicht immer einfach.

Wie ist Ihre Erfolgsquote?

Rosin: Wir messen diese nicht. Ein Trainer schießt keine Tore. Aber es gibt sie. Letztendlich betreiben wir ja Hilfe zur Selbsthilfe. Am Ende müssen es die Gastronomen auch selbst stemmen.

Manchmal ist es ja auch ein Erfolg, zu erkennen, dass man seinen Laden besser schließt.

Absolut.

Was sind die Fehler deutscher Gastronomen?

Rosin: Viele sind keine Unternehmer. Gute Gastronomen sind heutzutage aber auch gute Ökonomen. Da kann man nicht sagen: Rechnen interessiert mich nicht. Oft fehlt es auch an Führungsqualitäten. Dann rennt ihnen das Personal davon. Oder sie denken, sie müssten alle 14 Tage die Karte ändern. So wird man aber keine Marke und gibt dem Gast keine Orientierung. Markenbewusstsein ist in der Gastronomie heutzutage ein wichtiges Thema.

Gastronomie ist ein schwieriges Geschäft, Spitzengastronomie allemal. Ihre Kandidatinnen und Kandidaten in Ihrer „Heldenküche“ konnten noch in keinem Job Fuß fassen. Sind sie nicht zum Scheitern verurteilt?

Rosin: Soll man ihnen sagen, dass sie den Rest ihres Lebens Laub fegen sollen? Diese Menschen stammen aus schlimmen Verhältnissen, haben schlimme Dinge erlebt. Das heißt nicht, dass sie keine Fähigkeiten haben, die man wecken kann. Ich habe eine sehr soziale Ader. Das habe ich von meiner Mutter. Die war in ihrer Imbissbude immer auch eine Art Sozialarbeiterin. Sie hat nicht nur zugehört, sie hat richtig geholfen. Sie hat gehandelt! Das versuche ich in dieser Sendung fortzuführen. Hier geht es nicht nur um Gastronomie, es ist ein Sozialprojekt.

…das bei einem Privatsender läuft, der Quote braucht, um Werbung zu verkaufen. Die angehenden Gastronomen haben zum Teil ADHS oder eine Lernschwäche. Wie verhindert man, dass sie vorgeführt werden?

Rosin: Wissen Sie, angesichts der Situation in Deutschland und in der Welt fühlen viele sich ohnmächtig. Mir ist es ein Anliegen zu zeigen, dass man Dinge auch verändern kann. Daran ist nichts verkehrt. Keiner hat gesagt, dass es leicht ist. Klar, ein Sender muss Quote machen, aber dazu muss ich Menschen nicht vorführen. Führen Sie Leute vor, um die Zeitung zu verkaufen?

Jeder kann es schaffen – ist das Ihr Fazit? Oder gibt es auch die verlorenen, die hoffnungslosen Fälle?

Rosin: Ich glaube nicht. Bei jedem kann es am Ende noch Klick machen. Oft fehlt den Menschen aber das Urvertrauen. Die gingen durch ihr Leben und hofften einfach, dass es irgendwie gut geht. Wenn man Empathie für diese Personen entwickelt, statt mit dem Finger auf sie zu zeigen, versteht man eher, warum sie so handeln, wie sie handeln. Da sagt einer: „Ich kann mich nicht freuen.“ Ein anderer: „Ich weiß nicht, was Liebe ist.“ Eine junge Frau wollte auf dem Weg zur Arbeit noch mal schlafen. Deswegen stieg sie in ihrem Schlafanzug in den Zug. Das war schon krass, das macht was mit einem.

Was genau?

Rosin: Man lernt, die Gesellschaft besser zu verstehen. Man begreift, was das Leben eines Menschen ausmacht.

Essen Sie als Spitzengastronom eigentlich noch an der Pommesbude?

Rosin: Aber sicher! Ich bin ja quasi in der Pommesbude geboren worden. Eine Pommesbude kann auch Spitzengastronomie sein. Spitzengastronomie ist für mich ein Ort, wo es lecker ist, wo es eine gewisse Ästhetik gibt, wo man bewusst und wertschätzend mit den Produkten umgeht und dir freundlich entgegentritt. Eine asiatische Suppenküche läuft unter Street Food und ist cool. Aber ein Imbisswagen ist doch auch Street Food. Doch der Prophet gilt nichts im eigenen Land. In Bayern sind alle stolz auf ihre Weißwurst. Im Ruhrgebiet hat die Currywurst aber immer noch diesen leicht proletarischen Touch. Dabei ist sie Teil unserer Kultur.

Bleibt der Imbisswagen Ihrer Mutter weiterhin geschlossen?

Rosin: Den denkmalgeschützten Kiosk, in dem der „Glückauf Grill“ beheimatet war, hat jemand aus der Region gekauft. Er wurde mit Genehmigung der Stadt kernsaniert und wird wieder öffnen. Das wird auch Teil einer Sendung. Die Dreharbeiten waren sehr emotional.

Sie haben ein Restaurant in Ihrer Heimatstadt Dorsten. Reizt es Sie nicht, sich in Berlin oder München zu behaupten?

Rosin: Angebote gab es genug. Aber meine Marke braucht eine Identität. Da ich nun mal Ruhrgebietler bin, ist es wichtig, dass ich meine Arbeit hier mache.