Corona-Pandemie

Flurona: Was steckt hinter dem neuen Corona-Phänomen?

| Lesedauer: 3 Minuten
Israel beginnt mit Verabreichung von vierter Corona-Impfung

Israel beginnt mit Verabreichung von vierter Corona-Impfung

Angesichts der Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus hat Israel mit der Verabreichung einer vierten Impfdosis bei besonders anfälligen Bevölkerungsgruppen begonnen.

Beschreibung anzeigen

Flurona: Eine Kombination aus Grippe und Corona könnte vermehrt auftreten. Was man bislang darüber weiß und was Fachleuten Sorge macht.

Berlin. Kann man sich gleichzeitig mit Grippe und dem Coronavirus anstecken? In Israel ist jetzt der erste Fall offiziell bekannt geworden. Das Phänomen trägt den Namen "Flurona" ("flu" ist das englische Wort für Grippe, "rona" steht für Corona).

Mehreren israelischen Medien zufolge ist die Doppelinfektion bei einer nicht gegen Corona geimpften Patientin im Rabin Medical Center in Petah Tikva erkannt worden. Auch gegen die Grippe sei die Frau nicht geimpft gewesen. Die schwangere Frau sei bei Ankunft sowohl auf Influenzaviren als auch auf Coronaviren positiv getestet worden. Ein weiterer Test sei zur Absicherung durchgeführt worden, berichtet das Nachrichtenportal "Hamodia". Der Verlauf der Erkrankung sei nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums relativ mild gewesen. Die Frau wurde mittlerweile wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Ob eine Doppel-Infektion zu schwereren Verläufen führe, müsse noch untersucht werden. Lesen Sie mehr: Corona: Wird es eine Impfpflicht auch für Schwangere geben?

Flurona: Fachleute rechnen mit vielen unentdeckten Doppel-Infektionen

Israelische Experten schätzen, dass zahlreiche weitere Patientinnen und Patienten "Flurona" hatten, ohne dass dies diagnostiziert worden ist. "Im vergangenen Jahr haben wir keine Grippefälle bei schwangeren oder gebärenden Frauen gesehen", sagte der Gynäkologe Prof. Arnon Vizhnitser. "Heute tauchen Fälle von Coronavirus plus Grippe auf." Befürchtet wird nun eine "Twindemic", also eine Doppel-Pandemie aus Corona und Grippe.

Im Dezember stieg die Zahl der Grippefälle in Israel massiv an. Ende Dezember lagen knapp 1900 Grippe-Patientinnen und -Patienten stationär in den Krankenhäusern, darunter 605 Kinder und 124 Schwangere.

Flurona: Wie kann man vorbeugen?

Viele Grippe-Betroffene sind nach Recherchen der "Jerusalem Post" mit einem Virustyp infiziert, der auch in der Grippeschutzimpfung enthalten ist. Der beste Weg, Flurona zu umgehen, wäre demnach, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Doch Fachleute fürchten, dass die Bevölkerung nach zwei bis drei Corona-Impfungen im Jahr zunehmend impfmüde ist. Dies könnte in Deutschland ähnlich aussehen. Vor allem Menschen mit chronischen Krankheiten, über 65-Jährigen und schwangeren Frauen wird aber dringend zur Grippeschutzimpfung geraten.

Derweil steigt auch die Zahl der Corona-Fälle in Israel dank der Omikron-Variante wieder an, zuletzt um rund 4000 Fälle pro Tag im Sieben-Tages-Schnitt. Ein Gesundheitsberater der Regierung hat errechnet, dass sich innerhalb der kommenden drei Wochen jeder dritte Israeli mit dem Coronavirus infizieren könnte. Dies könnte rasch zu einer sogenannten Herdenimmunität führen. Allerdings befürchten Experten auch, dass die Kliniken dadurch zunächst wieder überlastet sein könnten. Mehr zum Thema: Warum Omikron das Ende der Pandemie bringen könnte

In Israel gelten Menschen mit Zweifach-Impfung, die nicht älter als sechs Monate ist, sowie mit Booster-Impfung als vollständig geimpft. Dies trifft aktuell noch auf 64,3 Prozent der Bevölkerung zu. Das Land hat außerdem Anfang Januar damit begonnen, über 60-Jährigen eine vierte Impfung zu verabreichen.

(fmg)