Pandemie

Corona: Warum es Kritik an der Hospitalisierungsrate gibt

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Corona: 3G-Regel am Arbeitsplatz

Corona: 3G-Regel am Arbeitsplatz

Die Corona-Infektionszahlen steigen enorm an. Der Corona-Gipfel wird strenge Beschlüsse mit sich ziehen. Vor allem am Arbeitsplatz werden strengere Regeln erwartet.

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Experten äußern Kritik an der Hospitalisierungsrate. Sie dürfte die eigentliche Rate der Krankenhaus-Patienten deutlich unterschätzen.

Berlin. Die Hospitalisierungsrate ist neben den 7-Tage-Inzidenzen und der Belastung der Intensivstationen einer der Faktoren, nach denen in Deutschland die Corona-Pandemie beurteilt wird. An ihr misst sich, welche Maßnahmen gelten. Doch Expertinnen und Experten äußern nun Kritik: Die Hospitalisierungsrate sei nicht so aussagekräftig wie gedacht. Woran liegt das?

Die Hospitalisierungsrate beschreibt den Anteil der Menschen, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Sie basiert dabei auf den absoluten Zahlen. Um sie vergleichbar zu machen, werden die absoluten Zahlen, wie auch die 7-Tage-Inzidenz, auf 100.000 Einwohner umgerechnet. Sie sagt also aus, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner mit Corona ins Krankenhaus kommen.

Corona-Regeln sind mit Hospitalisierungsrate verknüpft

Dieser Wert wurde am Donnerstag von Bund und Ländern als Indikator zur Bewertung der Pandemie eingeführt. Es gelten nun Schwellenwerte für Hospitalisierungsraten, Inzidenzen und Auslastungen auf den Intensivstationen. Zu Beginn der Pandemie war die 7-Tage-Inzidenz allein ausschlaggeben. Die zeige jedoch nur, wie viele Infektionen es gebe, nicht aber, wie belastet dadurch die Krankenhäuser seien, so die Kritik.

Erreicht die Hospitalisierungsrate in einem Bundesland nun einen Wert von 3, gilt eine flächendeckende 2G-Regelung, bei 6 wird auf 2G+ verschärft, bei 9 können die Länder eigenverantwortlich weitere Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen beschließen.

Meldeverzug zwischen Krankenhäusern und RKI

Die Hospitalisierungsrate weist nun aber eine Schwachstelle auf. Es gibt es einen massiven Meldeverzug: Zur Berechnung der Rate nutzt das Robert-Koch-Institut (RKI) nicht das Datum der Hospitalisierung jeder erkrankten Person, sondern das Datum des positiven Testergebnisses. Zwischen dem positiven Test und der Einweisung ins Krankenhaus vergehen jedoch oft mehrere Tage, laut RKI mehr als vier.

Dadurch wird die Hospitalisierungsrate mit einer veralteten 7-Tage-Inzidenz in Bezug gesetzt - und unterschätzt die eigentliche Rate der Menschen, die mit Corona ins Krankenhaus kommen, um etwa 70 bis 79 Prozent. Das bestätigten Recherchen von "ZEIT Online", "Spiegel" und dem Hessischen Rundfunk.

Sachsens Kliniken sind an der Belastungsgrenze

Das Problem zeigt sich besonders in Sachsen, dem Land mit der bundesweit höchsten 7-Tage-Inzidenz von 862 - aber einer relativ geringen Hospitalisierungsrate von aktuell 3,38 (Stand 20. November). Gleichzeitig befinden sich die Sächsischen Kliniken an der Belastungsgrenze.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft mahnt bei der Nutzung der Zahlen über die Klinikeinweisungen von Corona-Patienten ebenfalls zur Vorsicht: "Die Hospitalisierungsraten, die wir haben, sind zum Teil deutlich verzögert. Wir haben bis heute kein digitales Meldeverfahren. Das ist ein Versäumnis", sagte ihr Vorstandsvorsitzender Gerald Gaß der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Daten müssen händisch eingegeben werden." Man solle die Daten mit Vorsicht interpretieren.