Corona-Pandemie

Intensivmediziner: Diese Menschen behandelt er mit Covid-19

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Ein Patient liegt in einem Krankenzimmer auf der Covid-19 Intensivstation in Gera, Thüringen.

Ein Patient liegt in einem Krankenzimmer auf der Covid-19 Intensivstation in Gera, Thüringen.

Foto: Bodo Schackow/dpa-zentralbild/dpa

Christian Karagiannidis schildert Szenen: "Tut doppelt weh, wenn man sieht, wie jemand erkrankt, der seinen Impfausweis gefälscht hat."

Berlin. 
  • Die Corona-Zahlen steigen in Deutschland rasant an
  • Intensivmediziner warnen deutlich vor einer Überlastung des Gesundheitssystems
  • Rund 1000 Covid-Patienten seien in den letzten 14 Tagen auf den Intensivstationen gelandet

Impfen, impfen, impfen: Der Weg aus der Corona-Krise führt über die Spritze – das steht für Intensivmediziner Christian Karagiannidis "völlig außer Frage". Der Leitende Oberarzt der Lungenklinik Köln-Merheim und Leiter des deutschen Intensivregisters war am Dienstag in einer Sonderfolge des "Coronavirus Update"-Podcast des NDR zu Gast. Er drückte in der vierten Welle vor allem bei den Booster-Impfungen aufs Tempo.

"Ich würde alles daran setzen, dass die Geschwindigkeit beim Boostern jetzt blitzartig nach oben geht", so Karagiannidis. Er sei die ganzen Ausreden leid, dass das nicht gehe. Es gelte nun zuerst, den Immunschutz bei Älteren und Risikogruppen aufzufrischen und den beim Rest der Bevölkerung. Rund eine Million Booster-Impfungen brauche es in Deutschland nun täglich, doch "davon sind wir im Moment weit entfernt". Lesen Sie dazu: Booster-Impfungen – Droht jetzt neues Chaos im Dezember?

Intensivmediziner: "Wir brauchen jetzt eine Bremse"

Für Karagiannidis geht es vor allem um die Krankenhäuser, die eine Perspektive brauchten, dass der Zustrom an Patientinnen und Patienten im neuen Jahr nicht völlig durch die Decke gehe. "Wir brauchen jetzt in irgendeiner Form eine Bremse, damit die Zahlen nicht ins Uferlose steigen." Zwar komme die Intensivmedizin mit einer gewissen Belastung zurecht, das sei auch ihre Aufgabe. "Aber es darf nicht zu dem Punkt kommen, dass es eine Überlastung gibt."

Rund 1000 Covid-Patienten seien in den letzten 14 Tagen auf den Intensivstationen gelandet, die nächsten 1000 Patienten würden seiner Einschätzung nach innerhalb von 12 Tagen eingeliefert. Gesunkene Kapazitäten durch Kündigungen und Arbeitszeit-Reduzierungen verschärften die Lage zusätzlich. Freie Stellen könnten nicht nachbesetzt werden, weil der Pflegemarkt leer sei. Mehr zum Thema: Forscherin – Corona offenbart die Krise in den Pflegeheimen

Droht neuer Lockdown?

Notfalls müsse wieder ein Shutdown her, um die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu gewährleisten, allerdings als "allerletzte Maßnahme", die man besser vermeide. "Wenn wir uns jetzt richtig beeilen, mit allen Maßnahmen, die auch von den Ampel-Parteien geplant sind, und wenn wir das Boostern jetzt endlich mal auf die Straße kriegen, dann haben wir auch die Chance, das zu verhindern."

Falsche Impfausweise – aber keine überzeugten Impfgegner

Der Oberarzt schilderte im Podcast auch eindrücklich Szenen aus der intensivmedizinischen Behandlung von Covid-19-Patientinnen und Patienten. Bei Neuaufnahmen gehöre es zum Ablauf, dass der Antikörper-Status bestimmt werde, um festzustellen, ob ein Patient geimpft ist. Zudem würden Impfausweise überprüft, teilweise mit ernüchterndem Ergebnis: "Das tut einem doppelt weh, wenn man sieht, wie jemand schwer erkrankt, der vorher seinen Impfausweis gefälscht hat."

Überraschendes bringt hingegen die Patientinnen-Befragungen von Überlebenden zu Tage. Regelmäßig wird gefragt, warum sich ein Patient gegen eine Impfung entschieden hat. Er habe in Köln keinen einzigen überzeugten Impfgegner gesehen, so Karagiannidis. "Das waren normale Menschen, die sich einfach nicht aufgerafft haben zur Impfung oder die ein bisschen Vorbehalte hatten und das im Großen und Ganzen hinterher bereut haben." (pcl)