Pandemie

Corona-Maßnahmen: Was Fachleute der Politik jetzt vorwerfen

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Frank Ulrich Montgomery, Präsident des Weltärzteverbands, glaubt nicht, dass im Januar schnell gelockert werden kann.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident des Weltärzteverbands, glaubt nicht, dass im Januar schnell gelockert werden kann.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Der Ton in der Corona-Debatte wird schärfer: Fachleute dringen auf Entscheidungen der Politik. Einige finden sehr drastische Worte.

Berlin. Angesichts der weiter steigenden Corona-Inzidenz in Deutschland wird der Ton in der Debatte um den richtigen Umgang mit der Pandemie schärfer: Fachleute aus der Wissenschaft fordern immer vehementer Maßnahmen, um die Intensivstationen in den Krankenhäusern zu entlasten.

Besonders drastische Worte fand Frank-Ulrich Montgomery, der Vorsitzende des Weltärztebundes: "Die Feigheit mancher Politiker vor den Konsequenzen, was sie selber beschlossen haben, führt zu Verletzung, zu Krankheit und zum Tod von Menschen", sagte er im Interview mit dem SWR.

"Wir haben nach wie vor eine Notlage, und die wird von Tag zu Tag schlimmer", betonte Montgomery. Nun brauche es einheitliche und klare Regeln, an die sich die Bundesländer dann auch halten müssten.

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Virologin Sandra Ciesek über Corona: "Sturm zieht auf"

Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek schlägt scharfe Töne an. "Die Wissenschaft hat geliefert", schrieb sie am Montag beim Kurznachrichtendienst Twitter. Sie meint damit offenbar, dass die Forschung einiges zur Pandemiebekämpfung beigetragen hat: Corona-Tests, Teststrategien und vor allem die Impfungen gegen das Virus. Die Wissenschaft habe "aus einem alten Kahn ein fahrtüchtiges Boot" gemacht, schreibt sie. Doch nun ziehe ein Sturm auf. Und leider habe sie das Gefühl, dass es vielen Menschen egal geworden sei, was aus diesem Boot werde.

Doch was hilft, um die vierte Welle der Pandemie in Deutschland abzubremsen? Einige Fachleute fordern eine Rückkehr zu kostenlosen Corona-Tests für alle, eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen oder stärkere Einschränkungen für Ungeimpfte. Immer wieder werden auch striktere 2G-Regelungen (geimpft oder genesen) ins Spiel gebracht.

Das tat etwa Karl Lauterbach am Montag, als er von Karnevalsfeiern in Innenräumen dringend abriet. „Der Karneval kann zum Superspreader-Event werden“, sagte der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte der Deutschen Presse-Agentur in Köln.

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Corona: Karl Lauterbach für 2G bei Karneval

„Wir stehen vor einer sehr massiven Welle“, warnte Lauterbach. Für den Karneval gelte deshalb: „Wenn möglich: Draußen feiern! Falls es drinnen ist, muss striktes 2G gelten. Mit Kontrollen. Aber auch dann sind Veranstaltungen in Innenräumen eine Riesengefahr. Deshalb ist jede abgesagte Karnevalsveranstaltung im Innenraum eine gute Veranstaltung. Denn sie schützt Leben.“

Angesichts der Wucht der vierten Welle fordern immer mehr Mediziner, wieder kostenlose Corona-Tests für alle anzubieten. Das Ende der Kostenübernahme für Bürgertests habe Impfunwillige nicht zur Impfung motiviert, bilanzierte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, im Gespräch mit unserer Redaktion. Bund und Länder sollten diese "Fehlentscheidung" schnell korrigieren - "möglichst noch mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes Mitte November".

Einen Impfzwang soll es indes nicht geben, das hat die Bundesregierung mehrfach betont. Auch die möglichen Ampel-Partner wollen es dabei belassen. "Eine Impfpflicht wird es mit der FDP nicht geben, weder für die gesamte Bevölkerung noch in bestimmten Berufen", sagte FDP-Generalsekretär Wissing dem "Handelsblatt".

Der Marburger Bund forderte dagegen eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen. "Die Pflicht zur Schutzimpfung gegen das Coronavirus soll für Personen gelten, die in medizinischen Einrichtungen, Alten- und Pflegeheimen sowie Schulen und Kindertagesstätten tätig sind", heißt es in einem Beschluss der Hauptversammlung. (les/dpa)