Tragödie

Baldwin: Regieassistent hatte bei früherem Dreh Waffenunfall

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Dirk Hautkapp
Diese Luftaufnahme zeigt die Bonanza Creek Ranch nach dem tödlichen Schuss aus einer Requisitenwaffe auf die Chef-Kamerafrau am Set eines Westerns.

Diese Luftaufnahme zeigt die Bonanza Creek Ranch nach dem tödlichen Schuss aus einer Requisitenwaffe auf die Chef-Kamerafrau am Set eines Westerns.

Foto: dpa

Nach dem tödlichen Schuss von Alec Baldwin gibt es Vorwürfe gegen den Regieassistenten David Halls. Er gab Baldwin die geladene Waffe.

Washington. Knapp eine Woche nach dem tödlichen Unfall bei Film-Arbeiten im US-Bundesstaat New Mexico verdichten sich die Anzeichen, dass der Tod der Kamerafrau Halyna Hutchins (42) auf extrem vernachlässigte Sorgfaltspflicht und Schlamperei zurückgeht. So stellte sich heraus, dass der Regie-Assistent Dave Halls, der Schauspieler Alec Baldwin die mit scharfer Munition bestückt gewesene Pistole bei einer Probe-Szene mit dem Hinweis „nicht geladen” überreichte, einschlägig vorbelastet ist.

2019 wurde er kurzerhand gefeuert, als sich bei Dreharbeiten für den Film „Freedom's Path” aus einer Waffe ein Schuss löste und ein Mitglied der Crew verletzt wurde. Im gleichen Jahr fiel Halls bei einer Serien-Produktion für den Streaming-Dienst Hulu negativ auf. Magie Goll, eine für Spezialeffekte zuständige Technikerin, sagte US-Medien unter Tränen, Halls habe „nicht für sichere Arbeitsbedingungen” gesorgt. Als der oberste Pyro-Techniker am Set einen medizinischen Notfall hat, habe Halls die Crew zum Weitermachen gezwungen.

Requisitenwaffen-Experte: „Ich hatte das Gefühl, da ist ein Unglück im Anzug”

Dass beim Unglücks-Western „Rust” weder Halls noch die für die Requisiten-Waffen zuständig gewesene Waffenmeisterin Hannah Gutierrez (24) ihren ordentlich Job gemacht haben, steht für Serge Svetnoy fest. Der Oberbeleuchter am Set auf einer Ranch nahe Santa Fe machte seinem Zorn auf Facebook Luft: „Um einen Groschen zu sparen, werden manchmal Leute angeheuert, die nicht ausreichend qualifiziert sind für den komplizierten und gefährlichen Job.”

In diesem Zusammenhang sorgt die Äußerung eines seit 30 Jahren bei hochkarätigen Filmen als „prop master” (oberster Aufseher für die Requisitenwaffen) eingesetzten Experten für Aufregung. Neal Zoromski hatte das Angebot, am Set von „Rust” zu arbeiten. Nach mehreren Vorgesprächen mit der Produktionsfirma, die allesamt durch aus seiner Sicht unverantwortliche Spar-Maßnahmen geprägt waren, sagte Zoromski Ende September ab. „Ich hatte das Gefühl, da ist ein Unglück im Anzug”, erklärte er gegenüber der Los Angeles Times.

Crew-Mitglieder schossen mit scharfer Munition auf Bierdosen

Wie lax die auf dem Papier strikten Sicherheitsbestimmungen bei den Dreharbeiten in New Mexiko waren, zeigt dieser Polizeibefund: Bei Durchsuchungen am Drehort fanden die Ermittler diverse Munitions-Patronen, einige in Schachteln, andere lose in einer Gürteltasche.

Außerdem bestätigte sich der Verdacht, dass die Unglückswaffe Baldwins Tage zuvor mit scharfer Munition für Freizeit-Zielschießen einzelner Crew-Mitglieder auf Bierdosen benutzt worden war. Aus Sicht von Experten aus der Filmbranche ein „absolutes Unding.”