Filmlegende

Romy Schneiders Tochter: So erinnert sie sich an ihre Mutter

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Oliver Stöwing
Sarah Biasini (44), Romy Schneiders einziges lebendes Kind, in einem Hotel in Berlin

Sarah Biasini (44), Romy Schneiders einziges lebendes Kind, in einem Hotel in Berlin

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Romy Schneider erlebte ein Leben voll Ruhm und Tragik. Die Tochter der Filmlegende, Sarah Biasini, hat darüber ein Buch geschrieben.

Berlin. „Ich sehe ein großes Sofa, jemand liegt darauf, und eine riesige Spinne, die mit ihren Beinen den liegenden Körper bedeckt. Eine Kindheitserinnerung. Die Spinnenbeine sind die Rettungssanitäter, die sich um sie kümmerten.“ Der Körper ist jener von Filmlegende Romy Schneider. Es ist ihre Tochter Sarah, die die Szene beobachtet.

Die Kleine ist noch nicht einmal fünf. Später kommt ihr Vater, Schneiders Ex-Mann Daniel Biasini, zu ihr und erzählt ihr, was sie schon weiß. Ihre Mutter, gerade 43 Jahre alt, ist tot.

Herzinfarkt, schreibt der Arzt an diesem 29. Mai 1982 auf den Totenschein. Gestorben an gebrochenem Herzen, macht die Weltöffentlichkeit daraus. Ihr Sohn Christopher war ein Jahr zuvor mit 14 Jahren verunglückt, als er über einen Zaun klettern wollte. Auch interessant: Bruno Ganz bestätigt geheime Liebe zu Romy Schneider

Sarah Biasini über Romy Schneider

Jetzt, fast 40 Jahre später, ist Sarah Biasini in ein Berliner Hotel gekommen, um über ihr Buch zu sprechen. „Die Schönheit des Himmels“ ist gerade auf Deutsch erschienen. Biasini offenbart darin intime Gedanken und Gefühle für ihre Mutter. Als sie den kleinen Salon betritt, bekommt die Binsenweisheit, dass man in seinen Kindern weiterlebt, ihre Bedeutung.

Es sind diese großen Augen, tief wie ein Ozean, die Romy Schneider plötzlich präsent machen. Man möchte es ihr sagen, aber tut es nicht. Kinder aus berühmtem Haus schätzen es selten, immer wieder in Zusammenhang mit den Eltern gebracht zu werden, selbst wenn sie diesen Zusammenhang selbst herstellen.

Auch Biasini scheint sich bei den ganzen Fragen nach ihrer Mutter unbehaglich zu fühlen, verweist immer wieder darauf, dass ja alles in ihrem Buch stehe.

Biasinis Erinnerungen an Romy Schneider sind Gerüche

Ihre Erinnerungen an ihre Mutter seien traumartig, blitzartige Assoziationen. „Geräusche, Gerüche. Der Duft von Babycreme“, sagt sie. Liebevoll sei sie gewesen. „Sie hat viel gelacht.“ Biasini will auch das Bild ihrer Mutter korrigieren, das die Welt von ihr bewahrt: das einer zwar enorm talentierten, aber dem Verderben geweihten jungen Frau, ausgebeutet, abhängig, fragil.

Die heute 44-Jährige wuchs bei ihrem Vater auf, jenseits des Rampenlichts. Sie entschied sich eines Tages, ebenfalls Schauspielerin zu werden. Warum? „Weil es ein guter Beruf ist“, sagt sie. „Orientieren sich nicht viele Kinder an ihren Eltern?“ Aber was hat dieser Beruf mit ihrer Mutter gemacht? „Es war nicht der Beruf“, sagt sie. „Es war die Presse.“ Die Paparazzi? „Die Journalisten“, korrigiert sie.

Das Ausmaß, wie Romy Schneider von Fotografen verfolgt wurde, nahm Tumulte um heutige Popstars wie Britney Spears bereits vorweg. Sie lauerten auf Bäumen ihres Grundstücks, einer schlich sich nach dem tödlichen Unfall ihres Sohnes als Pfleger verkleidet in die Klinik.

Wut über Romy-Schneider-Film

Doch ihr größtes Presse-Desaster erlebt Romy Schneider mit Journalisten, die sie selbst eingeladen hat. In desolatem Zustand empfängt sie 1981 Reporter in ihrem Hotel in Quiberon. „Mal ehrlich, Mama, ist deine Badekur der richtige Moment dafür?“, wendet sich Biasini in ihrem Buch an ihre Mutter. Ist er nicht.

Romy Schneider bricht während des Gesprächs in Tränen aus über ihr verpfuschtes Leben. Diese Zeit in der Bretagne greift der preisgekrönte Film „3 Tage in Quiberon“ mit Marie Bäumer auf. Biasini mag ihn nicht. „Er ist Fiktion und hätte als solche deklariert werden müssen.“

In ihrem Buch klingt das noch ungleich zorniger. Von „Bockmist“ schreibt sie, bei dem sie sich „vor Wut in die Hand gebissen“ hätte. „Ist das alles, was euch eingefallen ist? Gibt es etwa nur diese Phase ihres Lebens zu erzählen?“

Sie versuchte lange, schwanger zu werden

Biasini kehrt nun nach Paris zurück, in ihr eigenes Leben, zu Mann und Tochter. Als sie vor vier Jahren nach vielen Versuchen schwanger wurde, habe sie sich entschlossen, das Buch zu schreiben. Eine Therapie sei das nicht für sie gewesen. „Ich hätte es nicht schreiben können, wenn ich nicht schon geheilt gewesen wäre.“

Ihre Tochter sei ein fröhliches Kind, das viel lache. So wie Biasini ihre Mutter in Erinnerung hat.