Opfer

Seilbahnunglück überlebt – Familie streitet um kleinen Eitan

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Micaela Taroni
Betreiber setzten Notfallsystem an italienischer Seilbahn absichtlich außer Kraft

Betreiber setzten Notfallsystem an italienischer Seilbahn absichtlich außer Kraft

Das tödliche Seilbahnunglück am Lago Maggiore ist durch die absichtliche Abschaltung eines Sicherheitssystems verursacht worden. "Es war eine bewusste Entscheidung, das Notfallsystem außer Kraft zu setzen" sagte Staatsanwältin Olimpia Bossi. Drei hochrangige Vertreter der Seilbahn-Betreiberfirma wurden festgenommen.

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Der sechsjährige Eitan verlor beim Seilbahnunglück am Lago Maggiore seine Eltern. Nun soll ein Gericht klären, wo er künftig lebt.

Rom/Tel Aviv. Wo gehört der kleine Eitan hin? Zum Opa oder zur Tante? Das Schicksal des Jungen, des einzigen Überlebenden des Seilbahnunglücks am Lago Maggiore im Mai mit 14 Todesopfern, ging Millionen Menschen ans Herz.

Seine ganze Familie hatte er verloren – Eltern, Bruder, die Urgroßeltern. Doch statt dem Sechsjährigen Geborgenheit zu bieten, streiten Tante und Großvater vor Gericht um das Sorgerecht.

Eitan wurde in Israel geboren, zog aber kurz nach der Geburt mit seinen Eltern nach Italien, wo sein Vater Medizin studierte. Er hat sowohl einen israelischen als auch italienischen Pass. Die Tante sagt, Pavia in der Lombardei sei die Heimat des Buben, der im September in Italien hätte eingeschult werden sollen. Doch das sieht der Großvater in Israel komplett anders. Mehr zum Thema: Seilbahn-Unglück: Mitarbeiter geben Manipulation zu

Kampf um Eitan: Tante gegen Opa

Zur Gerichtsverhandlung hinter verschlossenen Türen wurde am Freitag Eitans Tante Ayan Biran zugelassen, die von den italienischen Behörden nach dem Seilbahnunglück, das der Junge mit schweren Verletzungen überlebte, das Fürsorgerecht erhalten hatte.

Sie – die ebenfalls zwei Kinder hat, mit denen Eitan spielen kann – kämpft gegen Schmuel Peleg, Großvater des Kindes, der Eitan im September ohne ihr Wissen und entgegen einer richterlichen Anordnung mit einem Flugzeug von der Schweiz nach Israel gebracht hatte.

Der Israeli hatte den Jungen zunächst wie verabredet für einen Besuch in Italien getroffen, am Abend aber nicht mehr der Tante zurückgebracht. Stattdessen fuhr er mit einem Leihwagen in die Schweiz und flog von Lugano mit einem Privatflieger nach Israel. Der Fall sorgte sofort für internationales Interesse. Auch die italienische Regierung schaltete sich ein. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Freiheitsberaubung.

Eitans Tante und Großvater im Clinch

Bei der ersten Gerichtsverhandlung am 23. September hatte das Gericht ein salomonisches Urteil gefällt: Bis zu einem endgültigen Richterspruch solle das Kind drei Tage lang bei der Tante, die sich zurzeit in Tel Aviv aufhält, und drei Tage beim Großvater wohnen. Wann das Urteil gefällt wird, steht noch offen.

Tante und Großvater lassen kein gutes Haar aneinander: Eitan sei vom Großvater einer „Gehirnwäsche“ unterzogen worden, schimpft die Tante. Schmuel Peleg wiederum wischt jeden Vorwurf vom Tisch: Dass er den Jungen nur geholt habe, um an die Entschädigung, die ihm infolge des Seilbahnunglücks zusteht, zu kommen, sei eine Frechheit. „Ayan Biran kann ihren Neffen dreimal die Woche sehen“, sagte Gadi Solomon, Sprecher der Familie Peleg.

Die Großeltern finden es nicht gut, dass Tante Ayan das Kind in eine katholische Grundschule in Pavia eingeschrieben habe. Die Eltern Eitans hätten nach Israel zurückgewollt. „Ich bin Jüdin und Israelin, und ich möchte, dass mein Enkel hier in den Traditionen seines Volkes aufwächst“, sagt Eitans Großmutter. Auch interessant: „Judenstern“ und „Davidstern“: Das ist der Unterschied