Frauengold

Warum lange Haare der neueste Trend der Boomer sind

| Lesedauer: 5 Minuten
Birgitta Stauber
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Flotter Kurzhaarschnitt? Das ist echt nichts für die Boomer-Generation. Unsere Kolumnistin trägt lang – und es hagelt Komplimente.

Berlin. Karrieristen der Mauerfall-Generation kennen vielleicht noch die Ratgeber von Dale Carnegie. Der bekannteste war wohl: „Sorge dich nicht, lebe.“ Bei uns stand er auch mal im Bücherregal, bei irgendeinem unserer vielen Umzüge habe ich ihn allerdings in die Kiste für die Caritas gesteckt.

Vage erinnere ich mich daran, dass wir unseren Mitmenschen mit Komplimenten den Wind aus den Segeln nehmen sollen, bevor ein Streit eskaliert. Zum Beispiel im Umgang mit Kollegen, Mitarbeiterinnen, Chefs. Oder auch Behörden. Also einfach mal Sätze rauslassen wie: „Sie haben so schönes Haar.“

Dale Carnegie oder: „Sie haben so schönes Haar“

Der Gatte bekam den Ratgeber einst vor Antritt eines neuen Jobs vom künftigen Chef geschenkt. Wir fanden das lustig, seitdem ist bei uns zu Hause der Satz: „Sie haben so schönes Haar“ eine Standardkommentierung zu jeglicher Art von Arschkriecherei.

Warum ich das erzähle? Ich bekomme den Satz neuerdings häufiger zu hören, und das macht mich zutiefst misstrauisch. Geht’s um mehr Überstunden? Eine Extra-Schicht? Soll ich irgendwo babysitten, Blumen gießen? Schulaufsätze korrigieren oder Hausarbeiten für die Uni? „Nee“, sagt die Studenten-Tochter. „Deine Haare sehen einfach gut aus.“

Lockdown und Pixie Cut passen nicht zusammen

Dabei sind sie nur lang geworden, wie bei vielen Freundinnen und Kolleginnen auch. Erst war es der Lockdown, dann die Lust am Haar. Meine Friseurin, zu der ich immer seltener gehe, ist totaler Langhaar-Fan. „Je älter Frauen werden, desto länger sollten die Haare sein“, sagt sie und erzählt von einer 50+-Kundin, die seit ihrer Jugend Pixie Cut trug und sich von ihr zu Extensions überreden ließ, bis die eigenen Haare nachwuchsen. „Jetzt hat sie schulterlange Haare, und alle sind begeistert.“

Die Kollegin, auch schon in der Endphase ihrer Karriere angekommen, lässt ihre immer noch naturblonden Haare plötzlich über den Blusenkragen fallen, statt sich den Nacken auszurasieren. Ich habe sie lange nicht gesehen, und da rutscht mir doch tatsächlich der Satz raus: „Du hast so schönes Haar“!

Sie kennt unseren Familien-Sprech nicht, ansonsten hätte ich gleich hinterschießen müssen: „Nein, ich will nichts von dir. Das war einfach ein Kompliment.“

Bad Hair Day? Fahrradhelm? Dagegen hilft Trockenshampoo

Ganz klar: Lange Haare sind der Boomer-Trend in dieser End-Pandemie-Phase. Wahrscheinlich werden wir noch mit 80 unser wallendes Haar bürsten (oder was davon übrig bleibt), während unsere Mütter mit dem „flotten Kurzhaarschnitt“ alt geworden sind und unsere Großmütter mit Lockenwicklern und Lilastich gegen Gelb-Grau. Lesen Sie dazu: Haare schneiden zu Hause - Diese Tipps helfen dabei

Und, was soll ich sagen, lang ist praktisch. Den Bad Hair Day kaschiert die lockere Hochsteckfrisur, den Fettansatz pudert Trockenshampoo weg. Ja, tatsächlich dieses Zeug, das früher wie Schuppen aus dem Haar rieselte, füllt mittlerweile ganze Regale in Drogeriemärkten. Täglich die Haare waschen und Föhnen mit mehreren Haarbürsten für mehr Volumen – ein Ritual, dem ich Jahrzehnte mit meinen kinnlangen Haaren treu blieb – ist total verpönt.

Haare: Und was hat Brigitte Bardot damit zu tun?

Einmal in der Woche reicht, sagt meine Friseurin und verkauft mir ein besonders teures Produkt für die Trockenwäsche. Selbst der Fahrradhelm, der zwei Mal täglich für 45 Minuten meine Haare platt drückt, hat längst nicht mehr die zerstörerische Kraft.

„Von hinten siehst du aus wie eine junge Frau“, auch das ist etwas, was ich neuerdings häufiger höre. Von hinten wie Brigitte Bardot, von vorne wie Hans Moser, zitiert der Gatte einen Spruch aus seiner bayerischen Kindheit. Ich bin irritiert, doch ich fange mich schnell. „Besser als vorne und hinten wie der Moser“, sage ich.

„Und, wie machst du das mit den grauen Haaren“, fragte neulich die Freundin. Färbst du? Wieso grau? Das ist echt nicht mein Thema. Ein lieber Freund erklärt dazu aus seinem Erfahrungsschatz: Graue Haare – das haben nur Männer. Ich füge hinzu: Wenn sie überhaupt Haare haben.

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