Winterzeit

Unklarheit in der EU: Wird die Zeitumstellung abgeschafft?

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Zeitumstellung: Was sie bringt und was sie mit uns macht

Zeitumstellung: Was sie bringt und was sie mit uns macht

Am 28. März werden die Uhren wieder umgestellt, die Winterzeit endet und die Sommerzeit beginnt. Am frühen Sonntagmorgen springt die Uhr von 2 Uhr auf 3 Uhr. Doch viele meinen, sie bringe mehr Schaden als Nutzen.

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Die Zeitumstellung soll abgeschafft werden, darüber diskutiert die EU seit Jahren. Noch fehlt eine Einigung. So ist der aktuelle Stand.

Berlin. 
  • Die Europäische Union will die Zeitumstellung abschaffen
  • Doch statt Beschlüssen gibt es bisher nur Diskussionen und Uneinigkeit
  • Der Grund: Das Vorhaben lässt sich in der Praxis nur schwer umsetzen

Eigentlich sollte das sommerliche Hin und das winterliche Her bei der Zeit längst abgeschafft sein. Bereits 2019 hatte das Europäische Parlament einen entsprechenden Vorschlag des Kommission beschlossen und damit die letzte Stunde der Zeitumstellung eingeleitet. Eigentlich. Denn seitdem liegt das Projekt scheinbar auf Eis. Doch wo liegen die Probleme? Und ist das Aus für die Zeitumstellung überhaupt noch realistisch?

Dass es beim Ende der Zeitumstellung nicht vorangeht, liegt an der Uneinigkeit zwischen den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Denn diese müssen dem Vorhaben noch zustimmen. In der Theorie ist das zwar kein Problem, weil der Großteil der Länder die Abschaffung befürwortet. Doch in der Praxis ist die Umsetzung schwierig.

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Ende der Zeitumstellung könnte zu Flickenteppich führen

Denn jedes Land kann laut den EU-Plänen zufolge selbst entscheiden, ob dort in Zukunft ausschließlich die Winter- oder die Sommerzeit gelten soll. Die Gründe sind logisch: In Ländern, die innerhalb ihrer Zeitzone weit westlich liegen, würde bei einer dauerhaften Umstellung auf Sommerzeit die Sonne im Winter erst sehr spät aufgehen – in Madrid zum Beispiel gegen 9.30 Uhr.

In Ländern im Osten würden die Tage bei gleichbleibender Winterzeit dagegen früher enden. Länder wie Griechenland befürchten dadurch Probleme beim Tourismus. Würde nun jedes Land seine eigene Zeit einführen, könnte ein Flickenteppich entstehen – mit Problemen bei Zugverbindungen, gemeinsamen TV-Programmen und vielem mehr. So könnte etwa eine Zeitumstellung bei einer Reise von Deutschland nach Österreich nötig sein – wenn sich die Länder für unterschiedliche Zeiten entscheiden.

Die EU setzt deshalb darauf, dass wenigstens innerhalb einzelner Regionen die selbe Zeit herrschen soll. Das wäre kein großes Problem, schließlich gibt es innerhalb der Union bereits jetzt vier Zeitzonen.

  • Eastern European Time (EET): Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien, Zypern
  • Central European Time (CET): Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Kroatien, Malte, Niederlande, Österreich, Polen, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien (außer Kanaren), Tschechien, Ungarn
  • Western European Timme (WET): Irland, Portugal (außer Azoren), Kanarische Inseln (Spanien)
  • Azores Standard Time (AZOST): Azoren (Portugal)

Doch auch dieses Ziel scheint aktuell nicht in greifbarer Nähe. Denn auch innerhalb der Regionen herrscht teilweise Uneinigkeit, welche Zeit in Zukunft gelten soll.

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Zeitumstellung: Interesse an einer Abschaffung vor allem in Deutschland

Ob und wann die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft wird, ist derzeit nicht absehbar. Denn eine Einigung der EU-Staaten scheint kaum zu erreichen. Zudem spielt das Thema in vielen Staaten keine so große Rolle wie in Deutschland.

Das wird vor allem mit Blick auf die Online-Befragung zur Zeitumstellung deutlich, die die EU 2018 durchgeführt hatte. Ein Großteil hatte sich damals für die Abschaffung ausgesprochen. Insgesamt hatten rund 4,5 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Umfrage Teilgenommen. Allerdings stellen sie nur knapp ein Prozent der EU-Bevölkerung dar – und stammten zu rund zwei Dritteln aus Deutschland.

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Der Druck, zu einer Einigung zu kommen, scheint außerhalb Deutschlands also nicht allzu groß zu sein. Und so werden die Uhren wohl auch in den kommenden Jahren vor- und wieder zurückgestellt werden. (nfz)

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