Kanaren

Kanaren: La Palma wird nach Vulkansausbruch größer

| Lesedauer: 5 Minuten
Ralph Schulze
Lavastrom erreicht nach Vulkanausbruch auf La Palma das Meer

Lavastrom erreicht nach Vulkanausbruch auf La Palma das Meer

Zehn Tage nach dem Ausbruch des Vulkans Cumbre Vieja auf der Kanareninsel La Palma sind Lavaströme in den Atlantik geflossen. Experten befürchten, dass der Kontakt der Lava mit Meerwasser gesundheitsschädliche Gase freisetzen könnte.

Beschreibung anzeigen

Nach dem Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma hat die Lava das Meer erreicht. Experten warnen nun vor einer weiteren Gefahr.

Berlin/Santa Cruz de La Palma. 
  • Auf den Kanarischen Inseln sorgt der Vulkanausbruch des Cumbre Vieja weiter für Gefahr
  • Die Lava des Vulkans ist ins Meer geflossen, Behörden reagierten bereits zuvor mit einer harten Maßnahme
  • Zudem beobachten die Forscher ein Phänomen

Die Bewohner in San Borondón, ein Wohnviertel an der Küste der Kanareninsel La Palma, leben im Ausnahmezustand. Seit sich der Lavastrom ein paar Kilometer südlich in den Atlantik ergießt, dürfen sie ihre Häuser nicht mehr verlassen. „Bitte dichten Sie Fenster und Türen ab. Legen Sie Lebensmittelvorräte an. Gehen Sie nicht raus“, lauten die Anweisungen. Die Behörden befürchten, dass sich durch den Eintritt der glühend heißen Lava in den kühlen Atlantik giftige Dämpfe bilden und Explosionen ereignen könnten – deswegen wurde im Umkreis von mehreren Kilometern eine Sperrzone errichtet.

In der Nacht zum Mittwoch hatten die flüssigen Massen, die seit zehn Tagen aus dem Vulkan im Gebirgszug Cumbre Vieja brodeln und Hunderte Wohnhäuser verschlangen, die Küste erreicht. Seit Mitternacht stürzt die Lava über einen hohen Steilhang ins Meer. Auch aus sicherer Entfernung war eine riesige Rauchwolke zu sehen. „Durch den thermischen Schock zwischen der Lava und dem Meer entsteht Wasserdampf“, erklärt die spanische Geologin Rosa Mateos. Aber es sei Vorsicht angebracht: Die Wasserdampfwolken könnten ätzende Säuren enthalten.

La Palma: Ausgangssperre als Schutz vor giftigen Gasen

Am Mittwoch half der Wind, die Wolken aufs Meer hinauszutreiben. Deswegen konnten die Behörden die 84.000 Inselbewohner und Tausende Urlauber, die sich immer noch auf La Palma aufhalten, halbwegs beruhigen. „Die Messgeräte haben auf der Insel zunächst keine Schadstoffwerte gemessen, die über den Grenzwerten liegen.“ Das kann sich aber ganz schnell ändern. Deswegen dehnten die Behörden am Mittwochnachmittag die Sicherheitszone auf den gesamten Küstenort Tazacorte aus, dessen 4600 Bewohner zu Hause bleiben sollen.

Lesen Sie hier: Vulkanausbruch auf La Palma: Was Urlauber wissen müssen

Nicht nur an Land hinterlässt die Lavawalze eine Schneise der Zerstörung, die bisher 700 Häuser und ein paradiesische Natur unter einer meterdicken schwarz-grauen Schicht begrub. Auch im Meer hat die Lava verheerende Folgen. Zwar können Fische oder Delfine fliehen. Doch Flora und Fauna auf dem Grund sind der Lava ausgeliefert. „Das ganze Leben auf dem Meeresboden stirbt“, sagt der Vulkanforscher José Magas.

Erkaltende Lava wird neue Landplattformen bilden

„Das ist wie eine Bombe“, beschreibt die Zeitung „El País“ die Zerstörungskraft der kochend heißen Lava, die sich explosionsartig ins Wasser ergießt. Allerdings wisse man, dass sich das Leben im Atlantik in paar Jahren später wieder erholen werde. Das habe man bereits beim letzten Vulkanausbruch auf La Palmas Nachbarinsel El Hierro beobachtet. Dort hatte vor zehn Jahren ein Unterwasservulkan eine Todeslandschaft hinterlassen. „Inzwischen ist dort das Leben wieder zurückgekehrt“, berichtet Spaniens Meeresinstitut.

Die ins Meer fließende Lava könnte an der Küste zugleich die Insel wachsen lassen. Die im Wasser erkaltenden Vulkanmassen werden sich vor der Küste zu einer neuen Landplattform auftürmen, teilte das spanische Meeresinstitut mit, dessen Forscher von einem Schiff aus die Entwicklung verfolgen. Eine Plattform, die am Mittwochnachmittag bereits auf 500 Meter Breite angewachsen war.

Lesen Sie mehr: La Palma: Lava des Kanaren-Vulkans verschlingt ganzes Dorf

Nicht endender Ascheregen auf La Palma bereitet Sorgen

Ähnliches geschah bereits bei früheren Lavaausbrüchen. Etwa 1949, als ein Vulkan namens San Juan ebenfalls im Cumbre-Vieja-Gebirge explodierte. Der San-Juan-Krater lag nicht weit von jenen Lavaschloten entfernt, die sich jetzt, am 19. September, öffneten. Nach 47 Tagen Eruption sorgte der Lavafluss des San Juan dafür, dass La Palma immerhin rund 1,5 Quadratkilometer an Land hinzugewann. Territorium, auf dessen fruchtbarer Vulkanerde später Bananen- und Avocado-Plantagen entstanden.

Neben der Lava und möglichen Giftwolken bereitet auf der Urlaubsinsel La Palma ein nicht endender Ascheregen zunehmend Sorgen. Seit sechs Tagen liegt der Flugverkehr auf der Insel weitgehend lahm, weil die aus dem Vulkan aufsteigenden Aschewolken für die Jettriebwerke gefährlich sind. Auch am Mittwoch mussten deswegen fast alle Flüge abgesagt werden. Darunter waren auch Verbindungen nach Deutschland, dem Land, aus dem traditionell die meisten Inselurlauber kommen.

Urlauber hängen fest - lange Wartezeiten für Fähre nach Teneriffa

Tausende Urlauber hängen nun auf der Insel fest. Die einzige Verkehrsverbindung mit der Außenwelt ist derzeit das Schiff. Im Fährhafen in der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma bildeten sich deswegen lange Schlangen von Reisenden, die versuchten, mit der Fähre nach Teneriffa zu gelangen, um von dort weiterzufliegen. Doch auch auf Teneriffa, der meistbesuchten Kanarischen Insel, könnte es bald Probleme geben: Den Vorhersagen zufolge bewegen sich die Aschewolke nun ausgerechnet auf Teneriffa zu. (ze)