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Enkeltrick 2.0: Polizei warnt vor fieser WhatsApp-Masche

| Lesedauer: 6 Minuten
Hans Peter Seitel
Wie Sie WhatsApp richtig nutzen

Wie Sie WhatsApp richtig nutzen

Der Messenger-Dienst ist Deutschlands meist genutztes Chatprogramm. Dennoch kennen sich viele Nutzer nicht mit seinen Funktionen aus. Wir erklären, was die App alles kann.

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Auf Whatsapp versuchen Betrüger Geld mit einem Trick zu erbeuten. Nicht nur Großeltern sind betroffen. Worauf sollte man achtgeben?

Berlin. 
  • Mit einer neuen Masche versuchen Betrüger auf WhatsApp Geld zu ergaunern
  • Dabei nutzen Kriminelle die Gutgläubigkeit zumeist älterer Menschen aus
  • Die Polizei spricht deshalb auch vom Enkeltrick 2.0

„Hallo Oma“ oder „Hallo Mama – mein Handy ist kaputt, ich habe eine neue Nummer“: So oder so ähnlich lautet die Whatsapp-Nachricht. Das klingt vertrauenswürdig, aber Vorsicht: Auch Kriminelle starten derzeit auf diese Weise Chats. Mit einer neuen Variante des Enkeltricks versuchen sie an Geld zu kommen – oft mit Erfolg. Hohe vierstellige Euro-Beträge haben gutgläubige Opfer bereits bezahlt.

Die Polizei spricht von einem „Enkeltrick 2.0“. „Wie beim klassischen Enkeltrick am Telefon beginnen die Betrüger ihre Masche mit einer namenlosen Anfrage. Dann spinnen sie ihre Geschichte fort“, erläutert die Zentrale Geschäftsstelle der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart. Mehr zum Thema: Dieses Whatsapp-Update hat einen großen Haken

Nach Angaben der Experten werden immer mehr dieser Fälle bekannt – eine Folge der wachsenden Beliebtheit von Whatsapp und anderen Messengern auch unter älteren Nutzerinnen und Nutzern. Das Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen, wo mehrere Anzeigen Betroffener bei Polizeidienststellen vorliegen, warnt in einer Infoschrift: „Gehen Sie auf keinen Fall auf Geldzahlungsforderungen über Messenger-Dienste ein.“

Was ist neu an der Masche?

Der herkömmliche Enkeltrick läuft so, dass sich Gangster als hilfsbedürftige Enkel ausgeben, die wegen eines Notfalls angeblich Geld benötigen. Sie melden sich am Telefon – und müssen hoffen, dass ihre Stimme nicht als falsch erkannt wird. Bei schriftlichen Hilfe-Ersuchen via Messenger, wie sie jetzt erfolgen, umgehen sie dieses Problem.

Neu ist außerdem, dass die Betrüger nicht nur Großeltern, sondern auch Eltern jüngerer Kinder kontaktieren. Darauf macht das IT-Fachportal Netzwelt aufmerksam, das mehrere Polizeiberichte ausgewertet hat. „Der Gedanke an die eigene Tochter oder den Sohn lässt viele der unbekannten Nummer antworten“, bestätigt die Polizeiliche Kriminalprävention.

Wie finden die Täter ihre Opfer?

Bei Whatsapp ist es nicht möglich, Fremde so zu blockieren, dass ihre Nachrichten auf dem Handy nicht sichtbar werden. Blockiert werden können nur Nummern, die bereits in den Kontakten gespeichert sind. Das bietet den Enkeltrick-Tätern Gelegenheit, ihre Hilfe-Ersuche zu verbreiten, indem sie verschiedene Rufnummern nach dem Zufallsprinzip ausprobieren, bis sie ein potenzielles Opfer erreichen.

Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) Rheinland-Pfalz nutzen die Täter darüber hinaus frei zugängliche Quellen im Internet wie etwa Twitter oder Facebook sowie Datenlecks bei Unternehmen, die immer mal wieder auftreten, um an Nummern von Opfern zu kommen. Das LKA rät daher zum sparsamen Umgang mit persönlichen Daten im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken.

Aus einem für jeden sichtbaren Whatsapp-Profilbild können Kriminelle, die eine fremde Rufnummer bei sich abspeichern, ebenfalls ihre Schlüsse ziehen. Laut LKA erkennen sie daran das Alter und entscheiden, ob das potenzielle Opfer etwa mit „Oma“ oder „Papa“ anzusprechen ist. Tipp: Unter den Whatsapp-Einstellungen kann die Anzeige des Profilbildes beschränkt werden auf die gespeicherten Handykontakte. Auch interessant: WhatsApp: Neue Funktion für faule Nutzerinnen und Nutzer

Wie gehen die Kriminellen vor?

Die vermeintlichen Söhne, Töchter oder Enkel behaupten, ein neues Handy mit neuer SIM-Karte und Nummer zu haben. Das begründen sie dem LKA zufolge etwa damit, dass das alte Handy verloren wurde, in die Toilette gefallen oder defekt sei.

Dann kommen die Täter zum Punkt: Sie täuschen vor, dringend eine Rechnung begleichen zu müssen. Wegen des neuen Handys könnten sie gerade aber kein Internet-Banking betreiben. Mit Fragen wie „Kannst du das für mich bezahlen?“ legen sie ihre Opfer schließlich herein. Lesen Sie mehr: WhatsApp: Über 200 neue Emojis - aber nicht für alle Nutzer

Wann funktioniert der Trick?

Beispiel: Um mehr als 4200 Euro ließ sich kürzlich eine Mutter in Niedersachsen prellen. Laut der dortigen Verbraucherzentrale überwies die Frau – auf Aufforderung ihrer vermeintlichen Tochter – zunächst rund 1800 Euro und danach an einen anderen Empfänger weitere 2350 Euro. Erst als die „Tochter“ nochmals Forderungen per Whatsapp stellte, flog der Schwindel auf, weil die Mutter stutzig wurde und ihre richtige Tochter auf anderem Weg kontaktierte.

„Die Masche ist fies. Die Betrüger nutzen den vermeintlich geschützten Raum des privaten Chats für ihre Zwecke“, sagt Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale. Sie vermutet, dass die wenigsten Eltern eine Whatsapp unter fremder Handynummer hinterfragen, wenn der Schreibstil – mit Emojis und Herzchen – dem des eigenen Kindes ähnelt.

Wie erkenne ich Betrüger?

Die Polizeiliche Kriminalprävention rät Messenger-Nutzern zur Vorsicht, wenn sie eine Nachricht von einer vermeintlich bekannten Person unter unbekannter Rufnummer erhalten. Statt die Nummer gleich in den Kontakten abzuspeichern, sollten sie den Absender unter der alten Nummer fragen, ob die Angabe stimmt.

Laut LKA Nordrhein-Westfalen geben die Täter an, die geforderten Geldbeträge in Höhe von mehreren Tausend Euro in wenigen Tagen zurückzuzahlen – „was jedoch nicht geschieht“. Deshalb sollte solchen Versprechungen nicht geglaubt werden.

Wer die unbekannte Nummer anruft und niemanden erreicht, sollte nicht unter Druck handeln. Oft versuchten die Täter ihre Opfer mit fadenscheinigen Argumenten hinzuhalten. Dabei könnten sich Eltern und Großeltern doch sicher sein: Falls ihre Kinder und Enkel wirklich dringend Hilfe benötigen sollten, würden sie sich persönlich bei ihnen melden.

Was mache ich, wenn es bereits zu spät ist?

Wer bereits Überweisungen veranlasst hat, sollte das kontoführende Geldinstitut informieren, um Geldabflüsse möglichst noch anzuhalten oder rückgängig zu machen. Außerdem rät das LKA, immer Strafanzeige zu erstatten.

Chatverlauf sichern: Die Verbraucherzentrale empfiehlt, die Rufnummer, über die sich Fremde mit Geldforderungen meldeten, nicht gleich zu löschen. Der Chatverlauf sollte zum Nachweis gesichert und Screenshots von ihm angefertigt werden.

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