Fernsehpreis

Markus Lanz beim Fernsehpreis – Warum er gegen RTL stichelte

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Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Markus Lanz: Der ZDF-Moderator im Porträt

Seine Talkshow ist ein Dauerbrenner im ZDF: Wir zeigen im Video die beruflichen Stationen von Markus Lanz, seine Leidenschaft und seine kaum bekannte Ehefrau Angela Gessmann.

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Markus Lanz wurde für die gleichnamige Sendung mit dem deutschen Fernsehpreis honoriert. Bei seiner Rede stichelt er gegen Ex-Kollegen.

Berlin. Die deutsche Fernsehbranche hat die besten Serien, Filme und TV-Formate des vergangenen Jahres mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Sogar als Vor-Ort-Veranstaltung am Kölner Tanzbrunnen. Einer der Gewinner war Moderator und TV-Journalist Markus Lanz, der für seine gleichnamige Sendung ausgezeichnet wurde. Bei seiner Rede konnte er sich eine Stichelei nicht verkneifen.

Ausgezeichnet wurde Lanz in der Kategorie „Information“. Neben ihm waren auch das Investigativ-Format „Frontal“ mit Moderatorin Ilka Brecht und das Politikmagazin „Panorama“ mit Moderatorin Anja Reschke nominiert. Reschke gewann später noch den Preis als beste Moderatorin im Informationsbereich.

"Markus Lanz"Sendung als mediales Wohnzimmer

„Spätestens seit der Pandemie ist er das mediale Wohnzimmer von Experten, Expertinnen Betroffenen, streitlustigen Politikern und Karl Lauterbach“, fasst Moderator Klaas Heufer-Umlauf die Sendung von Lanz zusammen. Er leiste mit seiner Sendung einen wichtigen Beitrag im gesellschaftlichen Diskurs. „Er lässt seinen Gästen Raum und unterbricht sie, wenn es nötig ist“, so der Entertainer.

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Nachdem Markus Lanz die Bühne betreten hatte, bedankte er sich bei seinem Team. „Wir treffen uns drei Mal pro Woche, laden unterschiedliche Menschen ein, die auf jede Frage die richtige Antwort haben. Unser Job ist es im Grunde, auf jede Antwort die richtige Frage zu finden. Und das kann man nur, wenn man eine wirklich hervorragende Redaktion hat.“ Die habe er glücklicherweise. „Deswegen gehört der Preis vor allem dieser Redaktion. Die genauer hinschauen, die die Widersprüche aufdecken und die mir sagen wo Argumentationslinien sein können.“

Markus Lanz erwähnt Ex-Kollege Jan Hofer

Doch die Qualität seines Teams führe auch zu einer negativen Begleiterscheinung. „Weil die gut sind, passiert es uns mittlerweile regelmäßig, dass sie uns abgeworben werden. Zum Beispiel zu RTL direkt.“ Es gehe das Gerücht um, sagte Lanz, dass ein langjähriger Mitarbeiter jetzt bei Jan Hofer im Büro sitzen würde.

In seiner Rede stichelt Lanz weiter gegen seinen ehemaligen Kollegen Hofer, den ehemaligen "Tagesschau"-Sprecher, der zu RTL wechselte: „Und wenn das so ist und du das hörst, lieber Jan, schick uns doch gerne ein Beweisfoto“, forderte Lanz. „Als Abschreckung für die anderen, damit sie wissen was Ihnen blüht, wenn sie zur Konkurrenz gehen.“

Es folgt Gelächter und spontaner Applaus. Lanz grinste und schob hinterher: „Nein, Spaß beiseite.“ Dann widmet er den Preis mir rührenden Worten seiner Mutter. „Ich weiß, dass in den Südtiroler Bergen jetzt eine ältere Dame sitzt mit 87, die es nicht leicht hatte im Leben und der ich sehr, sehr viel verdanke“, sagte Lanz. „Mama, das ist für dich.“

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Markus Lanz wechselte 2008 von RTL zu ZDF

Lanz Seitenhieb gegen RTL kommt nicht von ungefähr. Bekannte Journalistinnen wie Linda Zervakis und Pinar Atalay verließen erst vor wenigen Monaten die ARD und wechselten zu privaten Sendern.

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Ende 2020 verkündete Jan Hofer seinen vermeintlichen Ruhestand, wechselte aber im Alter von 71 Jahren zu RTL um „RTL Direkt“ zu moderieren. Die Quoten der neuen Sendung sind allerdings verhalten. Nach der anfänglichen Neugierde und einem Einstieg von immerhin 1,87 Millionen Zuschauer und 9,1 Prozent des Gesamtpublikum, lagen die Sendungen Mitte September bei ungefähr einer Millionen Zuschauer und einem Marktanteil um die fünf Prozent.

Vor einigen Jahren sah es noch eher umgekehrt aus: Im Jahr 2008 wechselte Markus Lanz nach gut elf Jahren bei RTL zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen, auch andere Journalistinnen und Journalisten suchten bei ARD und ZDF nach mehr Seriosität. Um diese bemühen sich nun die Privaten, nachdem sie eine strategische Neuausrichtung mit Fokus auf Nachrichten, Information, kritische Dokumentation und Hintergrundberichte gestartet haben. (vad)

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