Bierknappheit

Nach dem Brexit: In englischen Kneipen wird das Bier knapp

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Bürger in Brexit-Hochburg sind zufrieden - die Wirtschaft weniger

Bürger in Brexit-Hochburg sind zufrieden - die Wirtschaft weniger

Vor fünf Jahren stimmten 75 Prozent der Wähler in der Ortschaft Boston in Lincolnshire für den Brexit. Heute sind die meisten zufrieden mit dem Lauf der Dinge. Wirtschaftsvertreter sehen das anders: Ihnen mangelt es an qualifizierten Arbeitskräften.

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Infolge des Brexits haben viele Fernfahrer Großbritannien verlassen. Das führt zu Versorgungsengpässen – nun auch bei einer Pub-Kette.

London. In Großbritannien fehlen etliche Lastwagenfahrer. Die Folge für britische Pubs: In einigen Kneipen wird das Bier knapp. Es gebe in manchen Filialen Lieferprobleme bei den bestimmten Marken, teilte die Pub-Kette JD Wetherspoon am Mittwoch mit. Das Unternehmen entschuldigte sich bei seinen Kunden und versicherte, dass gemeinsam mit den Brauereien alles unternommen werde, um das Problem zu lösen. Nach Angaben des Logistikverbands Road Haulage Association fehlen etwa 100.000 Fahrer.

Ein wichtiger Grund dafür ist der Brexit: Gut 20.000 europäische Fahrer seien seit Beginn des Brexits nicht mehr in Großbritannien tätig. Viele Fahrer aus Europa haben das Land verlassen. Neue kommen kaum hinzu, weil nun komplizierte und teure Visa-Verfahren notwendig sind. Wetherspoon-Chef Tim Martin zeigte sich in der Vergangenheit als ein lautstarker Brexit-Befürworter. Zuletzt hatte er aber ein liberaleres Einwanderungssystem angemahnt.

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Viele Fahrer gehen in Rente, Nachwuchs fehlt

Ein weiteres Problem, der Road Haulage Association zufolge gehen jeden Monat Tausende ältere Fahrer in Rente. Durch die Pandemie seien zudem Zehntausende Fahrprüfungen ausgefallen, die für Nachwuchs hätten sorgen können. „Alles, was wir in Großbritannien bekommen, kommt auf der Tragfläche eines Lastwagens zu uns“, sagte Rod MacKenzie, Chef des Logistikverbandes Road Haulage Association.

So klafften auch in britischen Supermärkten seit Wochen Lücken in den Regalen. Von einer der größten britischen Supermarktketten, Tesco, hieß es, man erlebe sporadische Störungen aufgrund des branchenweiten Mangels an Fahrern. Das führe dazu, dass es bei einigen bestimmten Produkten Engpässe gebe. Die Kette Sainsbury's verweist darauf, dass zwar einzelne Produkte fehlen könnten, aber man dennoch eine große Auswahl habe. Auch Tankstellen oder Fabriken, die ihre Produktion aussetzen müssten, sind betroffen. Fast-Food-Ketten McDonald's, Nando's und KFC mussten auf Waren warten.

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Logistikbranche fordert Lockerungen der Brexit-Regeln

Die Logistikbranche fordert unbürokratische Visa für europäische Fahrer sowie eine bessere Subventionierung von Fahrprüfungen. Die britische Regierung verweist jedoch auf das Ende der Freizügigkeit für EU-Bürger nach dem Brexit und ruft britische Firmen auf, Briten zu engagieren. (dpa/vad)