Berlin. Der NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ mit Christian Drosten und Sandra Ciesek hat seit Ende Juni eine Sommerpause eingelegt. Doch das Podcast-Team nutzt die Zeit, um in einigen „Sommerfolgen“ zusammenzufassen, wo die Wissenschaft derzeit steht, was über das Coronavirus bisher bekannt ist und was noch erforscht werden muss.
Dazu spricht NDR-Wissenschaftsredakteurin Beke Schulmann mit Sandra Ciesek, der Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. In der aktuellen Folge geht es um die Corona-Situation von Kindern und Jugendlichen. Ein brisantes Thema, denn die Infektionszahlen bei Kindern steigen derzeit rasant an.
So hat die Schule in Nordrhein-Westfalen am 18. August wieder begonnen. Knapp eine Woche nach Unterrichtsbeginn liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei den 5- bis 14-Jährigen dort bereits bei 304,4 (Stand: 24. August 2021).
Corona bei Kindern meist mit mildem Verlauf
Die große Mehrzahl der Corona-infizierten Kinder habe einen milden Verlauf oder zeigten gar keine Symptome, sagt Virologin Ciesek. „Aber es gibt auch bei Kindern schwere Verläufe bis zum Tod.“ Diese seien aber viel seltener als bei anderen Altersgruppen. „Nur sehr selten kommt es zu einer Notwendigkeit von Krankenhausaufenthalten.“
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Die Symptome bei erkrankten Kindern seien sehr unterschiedlich. Neben typischen Erkältungsmerkmalen wie Schnupfen und Husten gehörten auch Magen-Darm-Beschwerden und Lungenentzündungen dazu. Daten aus England zeigten, dass infizierte Kinder seit der Verbreitung der Delta-Variante häufiger über Schnupfen klagten.
Aber an den Symptomen allein könne man nie ablesen, ob eine Covid-Erkrankung vorliegt. Nur Tests könnten Sicherheit geben, macht Ciesek deutlich. Die Virologin betont außerdem, dass betroffene Kinder auch Langzeitfolgen der Corona-Erkrankung davontragen können. Long-Covid bei Kindern sei „genau wie bei den Erwachsenen“ noch nicht ausreichend erforscht und verstanden. „Aber dass es das gibt, daran besteht kein Zweifel.“
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PIMS: Spätfolgen müssen besser erforscht werden
Zu den Spätfolgen bei Kindern gehört auch das PIMS-Syndrom. Die Abkürzung steht für „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“. Es ist eine zeitverzögerte Reaktion auf eine vorherige oft symptomfreie Covid-Infektion. Betroffene Kinder klagten meist Wochen nach ihrer Corona-Infektion plötzlich über hohes Fieber, Hautausschlag, Übelkeit, Erbrechen oder starke Bauchschmerzen. Das PIMS-Syndrom sei heftig, aber gut behandelbar.
Wie hoch das Risiko für Kinder ist, PIMS nach einer Corona-Infektion zu bekommen, ist noch nicht klar. Studien gingen derzeit von einer Wahrscheinlichkeit zwischen 1:1000 und 1:5000 aus. Außerdem betreffe das Syndrom häufiger Jungen als Mädchen und meist Kinder im Grundschulalter. Hier müsse laut Ciesek weiter geforscht werden. „Wenn es genetische oder andere Risikofaktoren gäbe, könnte man eher eingrenzen, welche Kinder ein Risiko haben und entsprechend eine Impfung benötigen.“
Impfung: Ciesek will Impfstoff für Kinder unter Zwölf
Dass die Ständige Impfkommission (Stiko) inzwischen eine Empfehlung für alle Kinder ab 12 Jahren ausgesprochen hat, befürwortet die Virologin. Sie erklärt, warum diese Entscheidung eine Weile dauerte. Kinder und Jugendliche haben ein viel geringeres Risiko, an Sars-Cov-2 zu erkranken oder sogar daran zu sterben. „Die Impfung hat für sie deshalb einen geringeren Nutzen als für Erwachsene.“
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Aus diesem Grund müsse genau abgewogen werden, ob die Impfung Kindern mehr nutzt als schadet. „Um das zu bewerten, gab es zunächst zu wenige Zahlen“, so Ciesek. Inzwischen lägen diese vor und man habe gesehen, „dass der Nutzen für Kinder größer ist als das Risiko, das von der Impfung ausgeht.“
Nun wünscht sich die Virologin möglichst bald auch einen Impfstoff für jüngere Kinder. „Wenn alle Maßnahmen aufgehoben werden, können insbesondere Risikopatientinnen und -patienten unter zwölf Jahren überhaupt nicht geschützt werden“, mahnt sie. Um das zu verhindern, liefen bereits Studien, die es abzuwarten gilt.
(amw)
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