Unwetter

Hurrikan "Henri": New Yorker Konzert wegen Sturm abgebrochen

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Dirk Hautkapp
"We Love NYC: The Homecoming Concert" sollte als Mega-Konzert das Ende der Corona-Durststrecke in New York markieren. Wegen Starkregen, den Hurrikan "Henri" brachte, musste es mittendrin abgebrochen werden.

"We Love NYC: The Homecoming Concert" sollte als Mega-Konzert das Ende der Corona-Durststrecke in New York markieren. Wegen Starkregen, den Hurrikan "Henri" brachte, musste es mittendrin abgebrochen werden.

Foto: Kena Betancur / AFP

Das Mega-Konzert im Central Park sollte das Ende der Corona-Durststrecke markieren. Doch Hurrikan "Henri" verhagelte das Langersehnte.

New York. Barry Manilow, der Altmeister des Gefühlig-Seichten war gerade mitten in seinem Hit „I Can't Smile Without You”, als New Yorks Bürgermeister hinter der großen Bühne im Central Park das Lachen verging.

Die Meteorologen hatten nach ersten Blitzen das minütlich dramatischer werdende Schauspiel am Himmel über dem „Big Apple” am Samstagnachmittag wissenschaftlich genauer angesehen und Bill de Blasio zum sofortigen Abbruch des ersten großen Open-Air-Rock-und-Pop-Konzerts nach 17 Monaten Corona-Krise gedrängt. Eine Krise, die in der Ostküsten-Metropole bis heute 2,2 Millionen Infizierte und knapp 54.000 Tote gezeitigt hat. Lesen Sie auch: Hurrikans: Das bedeuten die unterschiedlichen Kategorien

Der Demokrat, der noch Stunden zuvor gesagt hatte, man rechne nicht mit unschönen Vorboten des erst für Sonntagmittag bei Long Island erwarteten Hurrikans „Henri". Als die neuen Daten eintrafen, kam er seiner Dienstpflicht sofort nach und rief die bis dahin beglückten Menschenmassen dazu auf, schleunigst den Rückmarsch anzutreten und Schutz zu suchen. Die drei hell leuchtenden Buchstaben N Y C für New York City an der Bühne wurden abgeschaltet.

In wenigen Minuten lehrte sich bei einsetzendem Gewitter und Starkregen die seit dem Nachmittag mit rund 50.000 Partylustigen bevölkerte „große Wiese”, wo New York mit einem musikalischen Jahrhundert-Aufgebot offiziell sein „Wiedererwachen" am Ende einer langen Corona-Durststrecke feiern wollte. Auch interessant: Ostfriesland: Schwerer Sturm richtet große Schäden an

Anders als 1983 bei Diana Ross, wo Zuschauer (800.000) und Diva persönlich heftigstem Dauerregen trotzten, wollten die Veranstalter kein zusätzliches Risiko eingehen.

Um angesichts steigender Corona-Infektionszahlen in New York (täglich 200 im Juni, jetzt kapp 2000) programmierter Kritik zu entgehen, musste jeder Zuschauer, der im Besitz einer der zu 80 Prozent kostenlos im Internet abgegebenen Eintrittskarten war, an den Sicherheitsschleusen einen Impf-Pass vorweisen. Ungeimpfte Maskenträger oder Test-Negative wurden kühl abgewiesen.

Manche, die noch drei Stunden nach Konzertbeginn in der Warteschlange standen, nutzten das Angebot der Stadtverwaltung und stiegen an den Zufahrtsstraßen zum Central Park, der streckenweise in dichte Marihuana-Schwaden gehüllt war, in die in Autobussen untergebrachten Impfstationen.

Unterdessen konnten sich jene glücklich schätzen, die an diesem schwülen, wolkenverhangenen Tag früh mit Sitzkissen, Decke und Proviant in die grüne Lunge der Großstadt gestrebt waren.

Zum Auftakt brach New Yorks Hauskapelle das Eis. Die örtlichen Philharmoniker boten herzallerliebst Heimat-Lieder wie Bernsteins „Candide” und Gershwins „Rhapsody in Blue”. Dazu Billy Joels „New York State of Mind” und Sinatras „New York, New York”. Carlos Santana („Maria, Maria”, „Smooth” etc.), Journey („Don't Stop Believing) und Earth, Wind and Fire („September”), da war das Wetter noch kommod, brachten später weltweit ohrwurmige Populär-Musik zur Aufführung. Bevor Rapper um LL Cool J und Run DMC sprechgesanglich ihren Senf zur Lage der Dinge beisteuerten.

Nach dem Konzertabbruch lieferte der weltweit übertragende Sender CNN eine selten gute „Überbrückungsmusik”. Moderator Anderson Cooper führte witzige Interviews mit Santana und brachte Barry Manilow sogar dazu, via Telefon eine A-Capella-Version von „I made it through the rain” zum Besten zu geben. Allerdings erstickte Cooper zwischenzeitliche Spekulationen, dass der von Kult-Impressario Clive Davis (89) entworfene Konzertreigen vielleicht fortgesetzt werden könnte, falls der sintflutartige Regen das denn erlauben würde. Er erlaubte es nicht. Im Gegenteil. Um Mitternacht standen Teile von NY unter Wasser.

Der wetterbedingte Schnitt hatte zum Leidwesen Zehntausender zur Folge, dass selten gemeinsam auftretende Mega-Stars überhaupt nicht mehr zum Zuge kamen: Bruce Springsteen, Patty Smith und Elvis Costello gehören dazu. Am meisten, so sagte es der 43-jährige Architekt Jack Brewster aus Baltimore dieser Redaktion, falle ins Gewicht, dass Paul Simon der Auftritt verwehrt blieb. Der genialische Liederschreiber hatte 1981 und 1991 weltweit hymnisch gefeierte Konzerte im Central-Park gegeben. Nach 40 Jahren die dritte Performance unter freiem Himmel abzuliefern, blieb ihm versagt.