Hitzewelle

Waldbrände am Mittelmeer – ein Toter in Südfrankreich

| Lesedauer: 5 Minuten
Ralph Schulze
Große Teile Sibiriens weiter in Flammen

Große Teile Sibiriens weiter in Flammen

In Sibirien kämpfen etwa 5000 Feuerwehrleute gegen die anhaltenden Waldbrände. Seit Wochen brennt es in der dünn besiedelten Region Russlands. Ein Gebiet etwa so groß wie Portugal ist bereits in Flammen geraten.

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In Spanien hat eine Autopanne einen gewaltigen Waldbrand ausgelöst, in Madrid fällt Asche vom Himmel. Auch in Frankreich wüten Feuer.

Riesige Waldbrände im westlichen Mittelmeerraum hielten am Mittwoch Tausende Feuerwehrleute in Atem. In Südfrankreich an der Urlaubsküste Côte d’Azur kam nach Angaben der Behörden mindestens eine Person in den Flammen ums Leben. Das Opfer, ein etwa 50-jähriger Mann, wurde in dem Ort Grimaud in seinem Haus gefunden, das von den Flammen erreicht worden war. Eine junge Frau wird noch vermisst.

Das Feuer war am Montag bei einer Autobahnraststätte nahe der Küstenstadt Saint-Tropez in der südfranzösischen Ferienregion ausgebrochen. Tausende Menschen, darunter auch viele Urlauber, mussten evakuiert werden. Zwölf Campingplätze wurden geräumt. Nahezu 7000 Hektar Wald wurden bisher von den Flammen vernichtet. Rund 1000 Feuerwehrleute versuchten am Mittwoch, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.

Hitzewelle in Spanien macht Wälder anfällig für Brände

In Zentralspanien fraßen sich kreisförmig Flammenwände auf einer Länge von 130 Kilometern durch eine Naturlandschaft in der Nähe der historischen Stadt Ávila – es ist einer der größten Waldbrände der letzten Jahrzehnte in Spanien. Bisher sind dort mehr als 20.000 Hektar Landschaft verbrannt. Auslöser war eine Autopanne, die einen Kabelbrand in dem Fahrzeug verursacht hatte. Eine Hitzewelle mit Temperaturen von über 40 Grad hatte die iberischen Wälder in ein Pulverfass verwandelt. Eine Nasa-Karte zeigt, wo es derzeit überall brennt auf der Erde.

Zuletzt hätten unglücklicherweise ideale Bedingungen für einen Feuersturm geherrscht, sagt Juan Carlos Suárez-Quiñones, der Umweltminister der zentralspanischen Region Kastilien und León: Backofenhitze, die in der Umgebung Ávilas bis zu 43 Grad im Schatten erreichte, eine sehr niedrige Luftfeuchtigkeit von weniger als fünf Prozent und starker Wind. Deswegen hätten sich die Flammen explosionsartig ausgebreitet.

In Madrid fällt seit Tagen Asche vom Himmel

Als die Feuerwehr am Samstagmorgen wegen des Fahrzeugbrandes auf der Landstraße nahe des Dorfes Navalacruz ausrückte, ahnte noch niemand, dass sich dieser Einsatz in einen Albtraum verwandeln würde. Der Motorbrand griff erst auf die Vegetation am Straßenrand und dann auf den nahen Wald der "Sierra de la Paramera", eine bei Wanderern beliebte Naturlandschaft. Angesichts der Flammenwände, die plötzlich haushoch aufloderten, waren die Feuerwehrleute machtlos. Lesen Sie auch: IPCC-Bericht: Erderwärmung um 1,5 Grad schon in neun Jahren

Mehrere Dörfer, die von den Flammen bedroht wurden, mussten evakuiert werden. Einige Gehöfte wurden zerstört. Die Menschen konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen, aber etliche Tiere verendeten. Die viel besuchte Mittelalterstadt Ávila, die wegen ihrer komplett erhaltenen Stadtmauer zum Weltkulturerbe gehört, ist bisher nicht in Gefahr. Aber der Himmel über Ávila leuchtet abends glutrot. Auch in der rund 130 Kilometer östlich gelegenen Hauptstadt Madrid verdunkelten die Rauchwolken die Sonne. Seit Tagen regnet es Asche vom Himmel.

Extreme Waldbrandgefahr auch auf Mallorca

Mehr als 30 Löschflugzeuge und Hubschrauber waren am Mittwoch im Einsatz, um den Großbrand unter Kontrolle zu bekommen. Am Boden kämpften hunderte Soldaten, Feuerwehrleute und Freiwillige gegen das Inferno. Bulldozer versuchten, Brandschneisen anzulegen, um ein weiteres Vorrücken der Flammen zu verhindern. Ein Sprecher des Dachverbandes der Forstingenieure kritisierte, dass der Brandschutz in den Wäldern in den vergangenen Jahren vernachlässigt worden sei. Mehr zum Thema:

Die Feuerwehr auf der Urlaubsinsel Mallorca im Mittelmeer ist ebenfalls wegen extremer Waldbrandgefahr in Alarmbereitschaft. Hier hat die Gluthitze der vergangenen Tage gleichfalls die Wälder austrocknen lassen. Die Inselbehörden meldeten bereits mehrere kleine Buschfeuer etwa im Osten der Insel in Portocolom sowie in der Inselmitte in Sant Joan. Doch Mallorcas Feuerwehrleute konnten die Flammen löschen.

Waldbrände in Portugal – Autobahn gesperrt

An der portugiesischen Atlantik-Urlaubsküste Algarve, wo sich seit Montag in der Nähe der spanischen Grenze ein Feuer durch die Kiefern- und Eukalyptuswälder frisst, gelang es der Feuerwehr, das Großfeuer einzudämmen. Nahezu 7000 tausend Hektar wurden dort in der Nähe des Ortes Castro Marim bereits zu Asche. Vorübergehend musste die durch das Gelände führende Algarve-Autobahn gesperrt werden.

Auch im nordafrikanischen Mittelmeerland Marokko brannte es in den Wäldern im Norden. Das größte Feuer wurde aus der Umgebung der Stadt Chefchaouen gemeldet, die vor allem wegen ihres Haschischanbaus bekannt ist. Unterdessen kamen im Nachbarland Algerien die riesigen Waldbrände, bei denen in den vergangenen Tagen mehr als 90 Menschen getötet wurden, langsam unter Kontrolle. Bewohnte Gebiete seien nicht mehr bedroht, hieß es seitens der algerischen Löschtrupps. Auch interessant: