Gedenkstätte

Kritik an Radrennen über KZ-Gelände: Strecke wird geändert

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Steinmeier: "Buchenwald steht für Rassenwahn, Folter, Mord und Vernichtung"

Steinmeier: "Buchenwald steht für Rassenwahn, Folter, Mord und Vernichtung"

Zum 76. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dazu aufgerufen, die Erinnerung an die Gräueltaten der Nazis wach zu halten. Das KZ Buchenwald wurde am 11. April 1945 von US-Truppen befreit.

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Die Kritik an der Strecke der Deutschland-Tour über eine KZ-Gedenkstätte war groß. Nun reagierten die Veranstalter des Radrennens.

Weimar. Die internationale Deutschland-Tour der Radprofis soll nun doch nicht über die sogenannte "Blutstraße" entlang der KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar führen. Der Veranstalter arbeite zur Zeit an einer neuen Streckenführung, teilte eine Sprecherin der Stadt mit. Wie diese verläuft, ist aber noch unklar.

Am ursprünglichen Verlauf der Fahrradtour hatte es massive Kritik gegeben. "Buchenwald ist keine sportliche Herausforderung, sondern ein Ort des Gedenkens an die Opfer und der historischen Reflexion", sagte Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner am Mittwoch. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.

Man sei erst vor drei Wochen von den Verantwortlichen über den Streckenverlauf auf dem Ettersberg informiert worden, sagte Wagner. In die seit dem vergangenen Jahr laufenden Planungen sei man nicht eingebunden worden. Nach Gesprächen mit den Tour-Verantwortlichen hätte man "immerhin erreichen können, dass eine in der Gedenkstätte geplante Bergwertung gestrichen wurde".

Radtour soll auf der "Blutstraße" stattfinden

Zudem war geplant gewesen, still durch die KZ-Gedenkstätte zu fahren. Trotz aller Kritik sollte der Streckenverlauf über die sogenannte "Blutstraße" aber bestehen bleiben. Dies sei "kein Ort für eine Sportveranstaltung", twitterte daraufhin Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD). "Die Route des Radrennens muss geändert werden."

Laut "Bild"-Zeitung hatte sich auch der Zentralrat der Juden eingeschaltet und etliche Gespräche mit dem Veranstalter geführt. Dieser aber verteidigte den Streckenverlauf: Die Tour präsentiere die natürliche, kulturelle und historische Vielfalt der Republik. "Dass die Strecke in diesem Jahr an der Gedenkstätte vorbeiführt, entspricht diesem Anspruch." Die Strecke sei zudem seit langem geplant und behördlich besprochen und führe über öffentliche Straßen.

"Bei der Planung der Strecke haben sowohl Verantwortliche der Stadt Weimar als auch der Veranstalter jegliches Gespür für die Geschichte vermissen lassen", zitiert die "Jüdische Allgemeine" Zentralratspräsidenten Josef Schuster. Der Zentralrat der Juden sei "empört" und "fassungslos", heißt es in dem Artikel außerdem.

Veranstalter wundert sich über "mediale Kritik"

Die Tour leiste mit jungen Athleten aus 30 Ländern und der breiten Berichterstattung "einen Beitrag, dass Buchenwald im Gedächtnis der Menschen bleibt", hieß es aus dem Wirtschaftsministerium in Erfurt, das an der Planung beteiligt war und das Wagner laut "Bild" in diesem Kontext als "blind" bezeichnete.

"Wir bedauern, dass direkte Gespräche mit der Gedenkstätte Buchenwald seitens des Veranstalters nicht noch früher geführt wurden", ließ das Ministerium verlauten. Seit mehreren Wochen jedoch befinde sich der Veranstalter in konstruktiven Gesprächen mit der Gedenkstättenleitung. Vor diesem Hintergrund sei deren "mediale Kritik" überraschend.

Leider sei man via Info-Schreiben für Anrainer doch erst sehr spät über die Pläne informiert worden, hieß es vonseiten der Gedenkstätte. "Die Chance, einen angemessenen Diskurs darüber zu führen, wie man angemessen Erinnerung schafft, hat man so leider verpasst." In den Tagen vor der Tour wolle man nun in den sozialen Medien historisch über das Thema "Radsport und Buchenwald" informieren.

Deutschland-Tour der Radprofis soll vom 26. bis 29. August stattfinden

So führte etwa eine Vorläuferin der Deutschland-Tour, die Deutschland-Rundfahrt im Jahr 1937, also jenem Jahr, in dem Buchenwald gegründet wurde, schon einmal durch Weimar. Einige Radsportprofis wurden als Häftlinge nach Buchenwald verschleppt, andere waren Anhänger des NS-Regimes.

In das Konzentrationslager auf dem Ettersberg bei Weimar hatten die Nazis zwischen 1937 und 1945 mehr als eine Viertelmillion Menschen aus verschiedenen Ländern verschleppt. Rund 56.000 Menschen wurden ermordet oder starben an Folter, Hunger oder Zwangsarbeit. Die sogenannte "Blutstraße" ist eine von Häftlingen bis 1939 in Zwangsarbeit ausgebaute Zufahrtsstraße zum Lager.

Die Deutschland-Tour der Radprofis soll vom 26. bis 29. August von der Ostsee unter anderem über Thüringen nach Franken führen. (dpa/msb)

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