Interview

Neues Album nach 15 Jahren: So meldet sich "Blümchen" zurück

| Lesedauer: 6 Minuten
Alexander Nebe
Sängerin und Schuspielerin Jasmin Wagner („Blümchen“)  hat mit „Gold“ einen neuen Song rausgebracht.

Sängerin und Schuspielerin Jasmin Wagner („Blümchen“) hat mit „Gold“ einen neuen Song rausgebracht.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Jasmin Wagner wurde als "Blümchen" bekannt. Jetzt bringt sie wieder Musik raus und blickt im Interview auf ihre frühe Berühmtheit zurück.

Berlin. Sie war die Heldin einer ganzen Teenager-Generation und hat unter ihrem Künstlernamen "Blümchen" Popgeschichte geschrieben. Dank Hits wie "Herz an Herz" oder "Boomerang" gilt Jasmin Wagner als erfolgreichste deutsche Solointerpretin der Neunziger. Jetzt meldet sich die Hamburgerin mit "Von Herzen" zurück. Es ist ihr erstes neues Album seit 15 Jahren.

Warum die lange musikalische Pause?

Jasmin Wagner: Ich war rund 14 Jahre erfolgreich als Schauspielerin auf deutschen Theaterbühnen unterwegs aber auch in TV-Produktionen zu sehen. In dieser Zeit konnte ich mich auch musikalisch auf vielfältige Weise kreativ ausleben, sodass mir das Popmusik-Geschäft nur bedingt fehlte.

Wann wuchs in Ihnen zum ersten Mal der Wunsch, doch wieder neue Musik zu machen?

Als ich 2019 im Rahmen eines 90er-Revival-Konzerts auf der Bühne vor 60.000 Zuschauern mein Comeback als Blümchen feierte. Das war eine überwältigende Erfahrung und hat große Lust auf mehr gemacht.

Sie waren erst 15 Jahre jung, als Ihre Karriere förmlich explodierte. Ist da heute nicht manchmal ein bisschen Wehmut, dass Ihre Teenager-Zeit nicht ganz so unbefangen sein konnte, wie bei anderen?

Freunde von mir haben eine Lehre unter strenger Regentschaft ihres Meisters angefangen und ich glaube, dass ich es da definitiv besser hatte. Für mich fühlte sich mein Leben oft an wie eine nicht enden wollende Klassenfahrt.

Inwiefern?

Die Zeitschrift "Bravo" war damals zum Beispiel immer sehr daran interessiert, mit mir neue Geschichten zu produzieren. Und so konnte ich gemeinsam mit meinen Freundinnen Fallschirm-Springen ausprobieren oder in die USA zu unseren damaligen großen Cheerleader-Vorbildern reisen. Frustrierende Situationen gab es nur wenige. Ja, ich hatte phasenweise sehr viele Termine; die Erwachsenen haben sich damals aber auch sehr viel Mühe gegeben, um mich bei guter Laune zu halten.

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Weil Sie wie die meisten Teenager eher unberechenbar waren?

Nun, ich war definitiv noch nicht so professionell, als dass ich schlechte Laune einfach auf Knopfdruck wegdrücken konnte. Das hat man mir durchaus angemerkt und wenn ich keine Lust mehr hatte, dann habe ich einfach nicht mehr mitgespielt. Wenn was richtig blöd lief, habe ich mich einfach umgedreht und bin gegangen oder habe mich irgendwo eingeschlossen.

Wie betrachten Sie aus der heutigen Sicht und unter dem Eindruck der #metoo-Bewegung Ihr Lolita-Image als "Blümchen"?

Ich sehe da überhaupt keinen Zusammenhang! Ich bin nie in irgendeiner Weise belästigt worden – und sollte die Frage auch auf meine damaligen Outfits anspielen, dann gibt es da doch kaum einen Unterschied zu den Popstars von heute, oder?

Welches ist Ihr Lieblingssong auf dem neuen Album?

"Spring in mein Herz" berührt mich ganz besonders. Der Track transportiert für mich eine super ausbalancierte Mischung aus Melancholie und Optimismus. Er ist ein musikalischer Ausdruck des Verliebens. Wenn wir uns verlieben, öffnen wir unser Herz und machen uns damit aber auch verletzlich.

Sie selbst haben nach fünf Jahren Ehe und zehn Jahren Beziehung gerade ein Liebes-Aus erlebt…

Und das tat auch sehr, sehr weh! Ich habe in meinem bisherigen Leben immer wieder mal einen Tanz mit dem Schmerz gehabt – heftigen Liebeskummer, verletzten Stolz oder eine Zurückweisung meiner Liebe erlebt. Trotzdem will ich immer offenbleiben. Wenn ich mein Herz verschließe, um mich vor zukünftigem Schmerz zu schützen, dann beraube ich mich doch auch der Chance auf einen neuen wunderbaren Anfang.

Verarbeiten Sie mit dem Song "Lass los" Ihre gescheiterte Ehe?

Irgendwie schon. Allerdings habe ich das Lied noch vor meiner Trennung von Frank geschrieben. Ich besinge im Song zwar meine damalige eigene Lebenssituation, hatte sie da selbst aber noch nicht wirklich realisiert. Ich hatte zu dieser Zeit immer noch gehofft, dass ich meine Liebe, meine Ehe retten kann. Ich wollte keine Scheidung und eigentlich nur eine traurige Ballade schreiben, in der ich dann aber viel von meiner Lebensrealität einfließen ließ. Insofern ist "Lass los" eine Prophezeiung, die wahr geworden ist – und ein Song, den ich mir kaum anhören kann, ohne dass bei mir die Tränen fließen.

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"Herzalarm" haben Sie mit dem Rapper Finch aufgenommen. Wie ist diese kuriose Kombi eigentlich zustande gekommen?

Finch hat als großer Fan den Kontakt zu mir aufgenommen und da wir uns auf Anhieb sympathisch waren, entstand schnell die Idee, gemeinsam einen Song zu schreiben. Wir sind mächtig stolz darauf, dass "Herzalarm" bereits millionenfach gestreamt wurde und direkt in die Top 10 der offiziellen deutschen Charts eingestiegen ist!

Was ist das für ein Gefühl, privat und beruflich noch einmal ganz neu durchzustarten?

Ich bin 41 Jahre jung und auf einmal ist fast alles neu in meinen Leben. Alles fühlt sich so wahnsinnig lebendig an. Bei mir ist zurzeit nichts mehr vordefiniert oder geplant und das macht mich sehr glücklich. Ich bin offen und neugierig auf all das, was nun kommt, fühle mich wieder so wie mit 20 und habe so ein herrliches Kribbeln im Bauch wie früher. Das ist ein total schönes Gefühl, auf jeden Fall schöner, als an einer Beziehung festzuhalten, hinter der ich nicht mehr zu hundert Prozent stehe.

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