Umweltkatastrophe

USA: Lachse verenden qualvoll in zu warmem Flusswasser

| Lesedauer: 4 Minuten
Tobias Eßer
Hitze in Kanda: Fruchtgummi schmilzt in der Sonne

Hitze in Kanda: Fruchtgummi schmilzt in der Sonne

Die Hitzewelle in Westkanada ist so extrem, dass offenbar Fruchtgummis in der Sonne schmelzen, wie das Internetvideo eines Nutzers aus Calgary zeigt.

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In den USA ziehen Lachse in die Flüsse, um dort zu laichen. Viele werden dieses Jahr aber auf dem Weg durch das warme Wasser sterben.

Oregon / Washington. Neigt sich die Lebensspanne von Lachsen dem Ende zu, kehren sie aus dem Ozean in die Flüsse zurück, in denen sie schlüpften. Dort legen die Fische ihre Eier ab und sterben anschließend - wenn alles seinen gewohnten Gang geht. Dieses Jahr tut es das im Colombia River an der US-amerikanischen Nordwestküste offenbar nicht, wie ein Video der NGO Colombia Riverkeeper zeigt.

Das am Dienstag veröffentlichte Video der Umweltschutzorganisation zeigt Lachse, die sich im zu warmen Wasser des Colombia River aufhalten und von roten Hautschäden und weißen Pilzen befallen sind.

Lachse sterben an Überhitzung und Stress

Die Gründe für die lebensgefährlichen Verletzungen der Fische sind Überhitzung und der daraus resultierende Stress, erklärt Brett VandenHeuvel, der Chef von Colombia Riverkeeper, dem "Guardian". Normalerweise würden die Fische dem Lauf des Colombia River bis zu ihren Laichplätzen folgen. Nun aber sind viele Lachse in den kleineren Little White Salmon River abgebogen - "um sich aus einem brennenden Haus zu retten", sagt VandenHeuvel.

Denn der Colombia River ist mittlerweile zu heiß für die Lachse. Als die Colombia Riverkeeper das Video aufnahmen, betrug die Wassertemperatur im Fluss 21 Grad Celsius - eine Temperatur, die für Lachse tödlich sein kann. Eigentlich soll der Clean Water Act die Temperatur des Flusses auf maximal 20 Grad Celsius begrenzen. Brett VandenHeuvel vergleicht die Situation der Lachse mit "einer Person die versucht, bei 38 Grad Celsius einen Marathon zu laufen".

Staudämme und Klimakatastrophe erhitzen den Colombia River

Die ungewöhnlich hohe Temperatur des Colombia Rivers kommt nicht nur von der Hitzewelle, die im Nordwesten der USA und dem Südwesten Kanadas in diesem Sommer hunderten Menschen das Leben kostete. Denn am Hauptarm des Colombia River gibt es 14 Staudämme. Diese sorgen dafür, dass sich das Wasser in den dahinterliegenden Stauseen stärker aufheizt und so zur Hitzefalle für die Lachse wird.

Außerdem behindern die Dämme die Wanderung der Lachse in die Laichgebiete. Früher gehörte das Colombia-River-Flusssystem zu den ertragreichsten Fanggründen von Lachsen weltweit. Trotz der an manchen Staudämmen errichteten Fischtreppen hat sich ihre Population im letzten Jahrhundert drastisch reduziert. Der Klimawandel verschlimmert das Problem noch, weil die Wassertemperatur noch weiter steigt.

"Wir befinden uns in einer Lachskrise", erzählt Don Sampson von der Northwest Tribal Salmon Alliance in einem Video von Colombia Riverkeepers. "Wir spüren die hohen Temperaturen schon - die Lachse spüren sie noch zehnmal stärker".

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Lachse für Indigene überlebenswichtig

Die Northwest Tribal Salmon Alliance ist ein Zusammenschluss aus vielen indigenen Stämmen im Nordwesten der USA, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Lachspopulationen am Colombia River zu schützen. Für die Lachse sei die steigende Temperatur gefährlich, sagt Sampson: "Sie leiden. Sie sind geschwächt. Sie wollen nur in ihr schönes Zuhause."

Für die amerikanischen Ureinwohner sind die Lachse eine wichtige Lebensgrundlage. "Wir verlassen uns auf den Lachs", erklärt Don Sampson, der auch ein Häuptling des Stamms der Walla Walla ist. Das Video der kranken Lachse vergleicht er mit dem Gefühl, einen Verwandten sterben zu sehen: "So schlecht habe ich mich gefühlt. Ich war den Tränen nahe, als ich das Video gesehen habe."

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Ureinwohner fordern Abriss von vier Dämmen

Sampson vergleicht die aktuelle Situation mit der im Jahr 2015, als 250.000 Lachse in Folge eines heißen Sommers im Colombia River und seinen Nebenflüssen starben. Eine Lösung für Sampson wäre es, vier Dämme im Bundesstaat einzureißen und so den Lachsen die Möglichkeit zu geben, zu ihren Laichplätzen zu gelangen.

"Es ist entsetzlich, dass wir Lösungen haben, um den Lachs zu retten, sie aber nicht umsetzen", erzählt Sampson dem "Guardian". Es fehle der politische Wille, um den Lachs für künftige Generation zu schützen.

Auch für Brett VandenHeuvel von Colombia Riverkeeper müssen dringend Maßnahmen zum Schutz der Lachspopulation ergriffen werden. "Für mich ist die aktuelle Situation eine sehr traurige Zukunftsvision. Es gibt Maßnahmen, um die Flüsse abzukühlen. Und wenn dieses Video nicht Motivation dazu ist, dann weiß ich nicht, was es dazu noch braucht."

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