Coronavirus

Impfschwänzerei: DRK-Präsident fordert Strafzahlungen

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Nach Astrazeneca-Impfung zweite Dosis mit mRNA-Impfstoff

Nach Astrazeneca-Impfung zweite Dosis mit mRNA-Impfstoff

Die Ständige Impfkommission passt jetzt ihre Impfempfehlung für Astrazeneca an. Bei der Zweitimpfung soll zu einem mRNA-Impfstoff gewechselt werden.

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Viele Impftermine in Berlin werden nicht wahrgenommen. CDU-Politiker Czaja will gegensteuern – doch sein Vorschlag bringt Kritik ein.

Berlin. In Berlin fallen bis zu zehn Prozent aller Corona-Impftermine in Impfzentren aus, ohne dass die Personen sich abgemeldet haben. Das berichtet Mario Czaja, der Präsident des Berliner DRK – und macht einen umstrittenen Vorschlag. Wer etwa seinen Termin für die Zweitimpfung in einem der Impfzentren ohne Absage verstreichen lasse, könne mit einer Strafzahlung von 25 bis 30 Euro belegt werden, schlug Czaja im Interview mit dem RBB vor.

Das sei teilweise auch bei niedergelassenen Ärzten gängige Praxis, so der CDU-Politiker, der zwischen 2011 und 2016 Berliner Gesundheitssenator war. "Wir erleben leider seit einigen Wochen, dass zunehmend Menschen sich nicht abmelden, obwohl sie einen Termin in den Impfzentren haben. Das ist ziemlich unsolidarisch denen gegenüber, die schneller einen Termin haben wollen", so Czaja.

Zumindest geht wegen der nicht wahrgenommenen Impfung kein Impfstoff verloren. Wegen ausgefallener Impftermine würde keiner weggeworfen, sagte ein DRK-Sprecher am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Spritzen würden immer erst aufgezogen, wenn die Menschen zum Termin erschienen.

Grüne warnen: Impfskeptiker nicht endgültig vergraulen

Berlins Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel will Strafzahlungen für Impfterminschwänzer nicht ausschließen, hält sie aber für nicht zielführend. Bevor man zu solchen Mitteln greife, müssten andere Maßnahmen getroffen werden.

Zum Beispiel hätten Alleinerziehende bisher nicht die Möglichkeit, ihre Kinder zu einem Termin mit ins Impfzentrum zu nehmen. "Ich glaube, dass wir noch viele Erleichterungen treffen können, damit Menschen, die sich impfen lassen wollen, sich auch impfen lassen können." Mehr zum Thema:

Die Frage sei auch, ob man Menschen, die eine Impfung gegen das Coronavirus skeptisch sehen, mit einer angedrohten Strafe nicht endgültig vergraule. Momentan könne man in Berlin nicht von einer Impfmüdigkeit sprechen, so Gebel: "Wir stehen im bundesweiten Vergleich ganz gut da. Aber wir müssen gerade Menschen erreichen, die Vorurteile gegenüber einer Impfung haben." Auch interessant: Corona-Pandemie – Bringt der Sport die vierte Welle?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts sind in Berlin 55,2 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, etwas mehr als ein Drittel sogar vollständig. Am Samstag lag die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt bei 5,0 und somit niedriger als am Vortag und auch unter dem Vorwochen-Wert. Die Zahl der Neuinfektionen lag bei 39, Todesfälle wurden nicht registriert. (küp/dpa)

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