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Mehrere Tote in Japan: Schlammlawine verwüstet Ferienort

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Hitzewelle im Irak: Mehr als 50 Grad Celsius

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Im Irak herrschen derzeit ungewöhnlich hohe Temperaturen: Vielerorts werden mehr als 50 Grad Celsius im Schatten gemessen - das ist auch für den Irak mit seinen heißen Sommern außergewöhnlich.

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Starke Regenfälle machen Japans Pazifikküste zu schaffen. Eine Schlammlawine verwüstete einen Ferienort – es drohen weitere Unglücke.

Berlin. 
  • Japans Pazifikküste wird von starken Regenfällen heimgesucht, im Ferienort Atami löste sich in Folge eine Schlammlawine
  • Sie riss Häuser, Autos und Menschen mit sich
  • Mindestens zwei Menschen starben, mehrere werden noch vermisst

Tagelanger Starkregen hat im japanischen Küstenort Atami eine enorme Schlammlawine ausgelöst, die mehrere Häuser mit sich riss. Helfer bargen in den Trümmern bislang mindestens zwei Todesopfer, 20 Menschen gelten als vermisst.

Rund 1000 Rettungskräfte, darunter Angehörige des Militärs, setzten die Suche nach den Vermissten am Sonntag fort. Doch wegen andauernden leichten Regens mussten sie den Einsatz am Vormittag (Ortszeit) unterbrechen.

Schlammlawine: Mindestens 130 Häuser beschädigt

Nach ersten Erkenntnissen wurden zehn Häuser zerstört, mindestens 130 weitere beschädigt. Laut dem japanischen Fernsehsender NHK wurden zehn Menschen aus Häusern gerettet, die von den Schlammmassen eingeschlossen worden waren. Angesichts der aufgeweichten Böden warnten die Behörden auch in anderen Gebieten vor weiteren Erdrutschen und Überschwemmungen, zumal auch in den nächsten Tagen weitere Regenfälle erwartet werden.

Die Schlammlawine in Atami hatte laut Experten eine Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometern in der Stunde. Sie erstreckte sich über eine Länge von rund zwei Kilometern und rutschte bis nahe an die Küste. Die Toten wurden nahe einem Hafen gefunden. Nach Schilderung von Augenzeugen rutschten die schlammigen Erd- und Sandmassen in mehreren Schüben den Abhang herab. Sie rissen Strommasten und Autos mit sich, Straßen versanken im Morast, ganze Wohngebäude stürzten wie Kartenhäuser ein. Die Behörden gaben die höchste Warnstufe aus.

Zeuge hörte "schreckliches Geräusch"

Der Ferienort Atami liegt rund hundert Kilometer südwestlich von Tokio. Die Bilder der Schlammlawine erinnerten viele einen Tsunami. "Ich hörte ein schreckliches Geräusch und sah eine Schlammlawine, die sich nach unten bewegte", sagte der Leiter eines Tempels dem Fernsehsender NHK. Er habe sich in höher gelegenes Gelände gerettet. Als er zurück kam, seien Häuser und Autos, die vor dem Tempel gestanden hatten, verschwunden gewesen.

In Atami fielen binnen 48 Stunden bis Samstag 313 Millimeter Niederschlag – laut NHK ist das mehr als es sonst im gesamten Monat Juli regnet. Lesen Sie dazu: Für welche Klimaschutz-Maßnahmen Städte mehr Geld brauchen

Japan: Zahl der Erdrutsche hat sich verdoppelt

Auch an anderen Orten entlang der Pazifikküste wurden Bewohner gewarnt, sich vor anschwellenden Flüssen, Überflutungen und möglichen Erdrutschen in Sicherheit zu bringen. Die Regierung in Tokio richtete einen Krisenstab ein und bat das Militär um Unterstützung. Die schweren Niederschläge beeinträchtigen auch den Bahnverkehr, zwischen Tokio und Osaka wurde der Betrieb des Hochgeschwindigkeitszuges Shinkansen unterbrochen.

Regierungschef Yoshihide Suga will sich am Samstag (Ortszeit) mit Ministern treffen, um über die Katastrophe zu beraten. Im Zuge der Erderwärmung verzeichnet Japan immer mehr starke Regenfälle und Erdrutsche. In den vergangenen zehn Jahren gingen nach amtlichen Angaben jährlich im Schnitt fast 1500 Erdrutsche auf der gebirgigen Insel ab – fast doppelt so viele wie in den zehn Jahren zuvor.

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Sturzbachartige Regenfälle haben in den vergangenen Wochen auch viele Orte in Deutschland heimgesucht, während die Temperaturen an der kanadischen Westküste auf 49,6 Grad Celsius stiegen. Eine neue Studie der US-Raumfahrtbehörde NASA kommt zu dem Ergebnis, dass sich der menschengemachte Klimawandel in den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt hat. (küp/dpa/AFP)