Interview

Otto Waalkes: „Das Lachen ist mir ständig vergangen“

| Lesedauer: 5 Minuten
Peter Zander
Drei Fragen an "Catweazle"-Darsteller Otto Waalkes

Drei Fragen an "Catweazle"-Darsteller Otto Waalkes

Der Komiker Otto Waalkes ist für eine Kino-Produktion in die Rolle des "Catweazle" geschlüpft. Wie der Dreh mit Co-Star Julius Weckauf war und ob er seinen ganz speziellen "Otto"-Charme in die Rolle des kauzigen Sonderlings einbringen konnte, verrät Waalkes in einem Interview mit AFPTV.

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Im Interview spricht Otto Waalkes über seinen neuen Film „Catweazle“ und die Entbehrungen der Pandemie. Diese betrafen auch den Dreh.

Berlin. In den Städten hängen sie schon seit langem, die Werbeplakate für „Catweazle“, den neuen Film mit Otto Waalkes. Nun aber werden am Donnerstag die Kinos endlich wieder öffnen. Und der Komiker ist stolz darauf, dass er die erste Kinowoche einleiten kann. Um seinen Film zu promoten – das Remake einer TV-Serie von 1970 über einen Magier, der aus dem Mittelalter in die Jetztzeit fällt – reiste der 72-Jährige eigens nach Berlin an.

Eine Frage, die Sie vermutlich ständig hören: Wieso noch mal „Catweazle“? Die Serie ist 50 Jahre alt, kennt die noch irgendwer?

Otto Waalkes: Keine Ahnung. Aber wer kannte James-Bond-Romane, bevor Sean Connery ihn gespielt hat? Ich habe die Serie damals gesehen. Ich wäre aber nie auf die Idee gekommen, dass ich je in diese Rolle schlüpfen könnte. Bis Sven Unterwaldt, seit „7 Zwerge“ der Regisseur meines Vertrauens, mir ein Foto von Catweazle in der Badewanne zeigte und sagte: Guck mal, das bist du!

Ist „Catweazle“ jetzt vielleicht sogar der Film der Stunde? Ist Magie, ist Verzauberung etwas, was wir alle nach dem langen Lockdown gut gebrauchen können?

Nötiger denn je. Die Vergnügungs-Askese hat lang genug gedauert, jetzt ist Euphorie angesagt. Der tägliche Waldspaziergang war mal Balsam, aber jetzt kennt man jeden Baum und will auch wieder raus aus’m Wald. Unser Film ist lang genug fertig, er sollte schon Weihnachten starten. Dass er jetzt die neue Kinosaison einleiten darf, ist mir eine Ehre. Selbst die Presse ist gespannt. Obwohl das wirklich nicht mein erster Film ist.

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Aber es ist der Erste, in dem Sie nicht einfach Otto sind, sondern wirklich eine Rolle spielen. Ein spätes Debüt als Schauspieler, mit immerhin 73. Könnte das noch mal der Anfang einer ganz neuen Karriere sein?

Na, ich weiß nicht, ob man in dem Alter noch was Neues anfangen soll. (lacht) Neustart, okay. Ich war selbst überrascht, als ich das gesehen hab’. Wer weiß, vielleicht gibt’s ja sogar Teil Zwei. Aber ein Charakterschauspieler bin ich deshalb noch lange nicht. Soll ich etwa einen „Tatort“-Kommissar spielen? „Der Angeklagte hat gestanden.“ – „Die ganze Zeit? Und Sie haben ihm keinen Platz angeboten?“ Solche Scherze würde man von Otto erwarten – der Spannung dient das nicht. Und ich bin mit meiner Malerei und meinen Konzerten gut ausgefüllt.

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Sie waren selbst von Corona betroffen beim Dreh. Da half auch keine Zauberei?

Wir hatten im März 2020 gerade zwei Wochen gedreht, dann mussten wir abbrechen. Das war schon verhext. Es ging erst Monate später weiter. Ich hatte schon Angst, dass meine kindlichen Filmpartner inzwischen im Stimmbruch sind. Natürlich konnte man auch nur unter strengsten Auflagen weiter drehen. Am Set musste das Kamerateam schwarze Masken tragen, die Beleuchter grüne, die Ausstattung blaue. Wäre irgendwer positiv getestet worden, hätte eine ganze Farbgruppe in Quarantäne müssen. Das ist aber nicht passiert. Bei 90 Leuten über drei Monaten ist das schon beachtlich. So etwas schmiedet zusammen.

Wie sind Sie sonst durch die Corona-Zeit gekommen? Gab es eine Zeit, wo auch Ihnen das Lachen vergangen ist?

Das Lachen ist mir ständig vergangen! Diese Abstandsregeln sind gar nichts für mich. Ich umarme Menschen so gern. Ich mach auch gern Selfies mit meinen Fans. Das fiel alles weg, das habe ich sehr bedauert. Ich kam schon zurecht, ich habe viel gemalt, Gitarre geübt und sogar ein paar neue Ideen gehabt. Am liebsten würde ich sofort wieder auf Tour gehen und alle ausprobieren.

Der Catweazle ist ja völlig aus der Zeit gefallen. Haben Sie manchmal auch das Gefühl, dass Sie in einer anderen Zeit steckengeblieben sind? Als Komiker noch Blödelbarden hießen? Sind Sie der Letzte Ihrer Art?

Comedian, Komiker, Blödelbarde – Sie können mich nennen, wie Sie wollen. Otto gibt es schon seit 50 Jahren. (klopft aufs Gitarrenholz) Bis hierher ging’s gut. Und das Verfallsdatum einiger bewährter Scherze scheint noch nicht erreicht. „Leber an Großhirn – wo bleibt denn der Alkohol?“ Oder „Holderedi!“: Darüber lachen Schulkinder heute noch. Es muss also ein zeitloses Element stecken in dieser Art von Komik. Und falls ich dieses Element sein sollte – auch gut. Für meinen erlernten Beruf als Kunsterzieher bin ich zu alt, Komiker sind alterslos.

Sie werden inzwischen schon fast als Vater der Comedy verklärt. Schmeichelt das?

Nee, Vater der Comedy – wirklich nicht. Ich habe mich noch an Heinz Erhardt orientiert, an Ingo Insterburg und Karl Dall. Comedy hat viele Väter, bei mir reicht’s höchstens zum netten Onkel. Und ich glaube nicht, dass ich die Comedians von heute geprägt habe. Ich orientiere mich eher selbst an ihnen. Was die für Ideen haben, kann inspirierend sein.

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