Miami

Hochhaus-Einsturz: Weitere Opfer - Retter stoppen Suche

| Lesedauer: 5 Minuten
Dirk Hautkapp
Zwölfstöckiges Gebäude in Florida teilweise eingestürzt

Zwölfstöckiges Gebäude in Florida teilweise eingestürzt

Im US-Bundesstaat Florida ist ein zwölfstöckiges Wohngebäude großteils eingestürzt. Es ist noch unklar, wieviele Menschen sich darin aufgehalten hatten.

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Bei dem eingestürzten Hochhaus in Florida sind mindestens 18 Menschen gestorben. Die Rettungskräfte unterbrachen jetzt die Suche.

Surfside/Miami. 
  • Im US-Bundesstaat Florida ist in der vergangenen Woche ein zwölfstöckiges Wohnhaus zusammengebrochen
  • Mindestens 18 Personen sind gestorben, darunter zwei Kinder
  • Die Ursache für den Einsturz ist weiterhin unklar
  • US-Präsident Biden will den Ort des Unglücks besuchen

Der Schauplatz in Surfside, 20 Auto-Minuten nördlich des beliebten Art-Deco-Distrikts von Miami Beach/Florida, lag noch im Tiefschlaf. Da geschah die Katastrophe.

Der Süd-Teil der "Champlain Towers", ein zwölfstöckiger Wohnhaus-Komplex mit insgesamt rund 130 Einheiten an der Collins Avenue, Hausnummer 8777, fiel vor einer Woche mitten in der Nacht nach Angaben der Polizei wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Ursache: noch rätselhaft.

Miami: Mindestens 18 Tote bei Gebäude-Einsturz

Floridas Gouverneur Ron DeSantis (Republikaner) sagte: "Angesichts der Zerstörung müssen wir uns auf sehr schlechte Nachrichten einstellen." Von 102 Menschen, die in den "Champlain Towers" gemeldet sind, sei bekannt, dass sie in Sicherheit sind. Auch eine Woche nach der Katastrophe war noch von 150 Vermissten die Rede.

In einem Fall musste einer Frau das Bein amputiert werden, um sie zu retten und aus den Trümmern zu befreien. Surfside ist eine beliebter Wohnort unter orthodoxen Juden im Großraum Miami.

Sicherheitskräfte retteten etliche Menschen aus Kompex

Anwohner berichteten lokalen TV-Sendern, dass Sicherheitskräfte etliche Menschen gerettet und aus unversehrt gebliebenen Teilen des Gebäudes geführt hätten, wo Wohnungen zwischen 600.000 und 2,8 Millionen Dollar kosteten.

Aus den Trümmerbergen seien Schreie und Hilferufe zu hören gewesen, sagte eine gerettete Anwohnerin dem Sender NBC. "Wir hörten seltsame Geräusche, wie Donner, dann wackelte das Zimmer. Wir versuchten aus dem vierten Stock eigenständig herauszukommen, überall war Schutt. Wir haben zwei ältere Nachbarn mitgenommen. Schließlich hat uns die Feuerwehr über den Balkon herausgeholt. Es war surreal."

Zuvor zeigten Fernsehaufnahmen, wie Feuerwehrmänner einen dunkelhaarigen Jungen aus der Trümmerhalde zogen, die sich auf 50 Meter erstreckte. Er war bei Bewusstsein.

Miami: Ursache des Gebäudeeinsturzes bisher unklar

Willie Gomez, Besitzer einer Wohneinheit im sechsten Stock des kollabierten Gebäudes, sagte, er suche krampfhaft nach seiner Mieterin. "Ich erreiche sie per Telefon nicht. Ich hoffe, sie war nicht hier."

Glück im Unglück hatte die Ehefrau von Santo Mejil. Sie pflegte ein ältere, behinderte Frau in einem Teil des Unglückshauses. Beide blieben nach Angaben der Lokalzeitung "Miami Herald" unversehrt. „Meine Frau sagte, es fühlte sich wie ein Erdbeben an”, sagt Mejil nach einem Telefonat mit seiner Gattin.

Vermutung: Meerwasser könnte Fundamente unterspült haben

Ob es vor dem Einsturz eine Explosion in dem Haus an der Kreuzung zur 88. Straße gegeben hat, etwa durch ein Leck in einer Gasleitung, ist unklar. Pfusch am Bau wird nicht ausgeschlossen, heißt es inoffiziell. Der Boden ist hier wegen der unmittelbaren Strandnähe nach Angaben von Bau-Experten kompliziert.

Malika Mostefai, eine Immobilien-Maklerin mit Ortskenntnis, sagte, die vor 40 Jahren errichteten Champlain Towers gehörten in der Gegend zu den „elegantesten und am besten gemachten Häusern". Ihre Vermutung: Meerwasser, kaum 200 Meter entfernt, könnte unbemerkt die Fundamente unterspült haben. Laut Bürgermeister Burkett wurde das Haus zuletzt einer Inspektion unterzogen, die aber noch nicht abgeschlossen war. Auch waren Dach-Arbeiten im Gange.

Am Mittwoch stürzte Brücke in Washington ein

Gäste und Spätheimkehrer von Hotels in der Nähe hielten die gespenstischen Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln mit der Handy-Kamera fest. Auf Twitter postete ein Anlieger, der zur Unglückszeit nicht in der Stadt war, Videoaufnahmen einer Sicherheitskamera aus seiner Wohnung. Am Ende wurde der Bildschirm schwarz.

Binnen kurzer Zeit waren über 80 Feuerwehr-Einheiten und über 50 Notarztwagen aus dem Großraum Miami vor Ort. Das Areal wurde weiträumig über mehrere Blocks abgesperrt. Hunderte Helfer waren im Einsatz, als der Tag anbrach. In einem Gemeindezentrum in der Nähe wurden Notunterkünfte für Menschen eingerichtet, die ihre Bleibe verloren hatten.

Eine Woche nach dem Unglück brachen die Rettungskräfte die Suche nach weiteren Opfern und Verschütteten vorläufig ab. Die Retter und Statiker fürchteten um die Stabilität des noch stehenden Gebäudeteils.

Der Leiter der örtlichen Feuerwehr, Alan Cominsky, sagte, Experten, die den Zustand des noch stehenden Gebäudeteils kontinuierlich überwachten, hätten Veränderungen beobachtet, die den Stopp erforderlich gemacht hätten. Die Behörden betonten, die Sicherheit der Suchtrupps müsse gewährleistet sein. Die Suche werde sofort weitergehen, sobald dies sicher sei.

USA: Brücke in Washington stürzte ein

Erst am vergangenen Mittwoch war in der Hauptstadt Washington eine Fußgängerbrücke über einer Autobahn eingestürzt. Dabei wurden vier Menschen verletzt. Um zu verhindern, dass solche Unglücke in Zukunft erneut passieren, plant US-Präsident Joe Biden ein billionenschweres Infrastrukturpaket, durch das Straßen und Brücken mit Geldern in Höhe von 109 Milliarden US-Dollar saniert werden sollen.

Das letzte große Unglück diese Art im Großraum Miami ereignete sich im März 2018. Damals stürzte die neu gebaute "Florida International University Brücke" (950 Tonnen, über 50 Meter lang) über einer achtspurigen Autobahn ein. Sechs Menschen kamen ums Leben. Ein Jahr danach stellte die staatliche Transportsicherheitsbehörde (NTSB) erhebliche Konstruktionsfehler als Unfallursache fest.

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