Umwelt

„Meeresrotz“: Gigantische Schleimplage in der Türkei

| Lesedauer: 2 Minuten
Kampf gegen "Seerotz" im Marmara-Meer

Kampf gegen Seerotz im Marmara-Meer

Ein schmieriger brauner Teppich aus Schleim bedeckt derzeit Teile des Marmara-Meeres in der Türkei. Experten machen Umweltverschmutzung und den Klimawandel für den sogenannten "Seerotz" verantwortlich.

Beschreibung anzeigen

Ein riesiger Algenteppich verschmutzt derzeit das türkische Marmarameer und bedroht den Tourismus. Das Phänomen ist menschengemacht.

Istanbul. Normalerweise leuchtet das türkische Marmarameer, das sich südlich von Istanbul befindet, tiefblau. Doch seit mehreren Tagen wabert ein dickflüssiger, gräulich-weißer Schleim an der Wasseroberfläche. Wie ein Teppich breitet er sich aus, macht das Schwimmen und das Fischen unmöglich.

Experten nennen den Schleim „sea snot“ – übersetzt heißt es Meeresrotz, was die unappetitliche Erscheinung ziemlich passend umschreibt. Doch aus was genau besteht dieser Meeresrotz?

Der Schleim ist Ausscheidungsprodukt mancher Algen und treibt an der Meeresoberfläche, aber auch darunter. Er setzt sich über kurz oder lang am Meeresboden ab und befällt auch Korallen, die unter ihm ersticken.

Lesen Sie auch: Mehrere Tote bei Waldbränden in der Türkei – "Die Situation macht Angst"

Schleimschicht auch am Schwarzen Meer

Die Algen vermehren sich etwa durch höhere Temperaturen, sagt Ekin Akoglu, Meeresbiologe an der türkischen Odtü-Universität. Er warne schon seit den achtziger Jahren vor dem Meeresschleim. Bewirkt habe das bisher nichts.

Begünstigt würde die Schleimbildung auch durch unbehandeltes Abwasser, das direkt ins Meer abgelassen wird. Die Küste des Binnenmeeres ist dicht besiedelt. An ihr liegen neben der 16-Millionen-Metropole Istanbul etwa Großstädte wie Bursa.

Die Schleimplage breitet sich nicht nur am Marmarameer aus, sondern auch das angrenzende Schwarze Meer und die Ägäis sind betroffen.

Erdogan kündigt Aktionsplan an

Durch den Schleim fällt nicht nur das Baden aus. Fischer können ihre Netze nicht auswerfen, weil die entweder kaputt gehen oder zumindest stark verschmutzt und unbrauchbar werden. Negative Folgen habe der Schleim vor allem für Organismen, die auf dem Meeresboden leben – wie etwa Muscheln, deren Wachstum verlangsamt wird, wenn sie unter einer Schleimschicht liegen, so die Meeresbiologen.

Der Regierung ist das Problem mit dem Schleim inzwischen bewusst. Präsident Recep Tayyip Erdogan kündigte einen Aktionsplan. Expertenteams sollten Abwässer, Müllhalden und andere mögliche Quellen von Verschmutzung untersuchen. Von dem halten die Wissenschaftler aber wenig.

Kurzfristig könne man den Schleim etwa mechanisch entfernen. Aber das sind rein kosmetische Maßnahmen. Meeresbiologe Bayram Öztürk fordert nicht nur Ankündigungen, sondern schnelle und langfristige Schritte. Auf lange Sicht brauche es neben einer globalen Klimapolitik, die dem Temperaturanstieg entgegen wirke, eine bessere Verarbeitung von Abwasser in der Türkei.

Öztürk fordert zudem ausgewiesene Schutzzonen, durch die sich das Meer und seine Bewohner erholen könnten sowie mehr Forschung, um dem Problem auf den Grund zu gehen. (aju/dpa)

Neueste Panorama Videos

Neueste Panorama Videos