Microsoft-Gründer

Bill Gates investiert in Muttermilch aus dem Labor

| Lesedauer: 4 Minuten
Oliver Stöwing
Microsoft-Gründer, Familienvater und Milliardär Bill Gates

Microsoft-Gründer, Familienvater und Milliardär Bill Gates

Bill Gates gehört zu den reichsten Männern der Welt. Jetzt lässt er sich von seiner Frau Melinda Gates scheiden. Das steckt hinter dem Microsoft-Gründer.

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Microsoft-Gründer Bill Gates investiert in künstliche Muttermilch, die im Labor gewonnen wird. Könnte sich das Produkt durchsetzen?

New York. Bill Gates war immer der Gegenentwurf zu Protz-Milliardären des Typs Hip-Hop-Mogul oder Oligarch. Menschenfreund, Weltretter, Genie – so inszenierte sich der Microsoft-Gründer, der stets so unauffällig daherkam wie ein Physiklehrer am Kleinstadtgymnasium. Seine Stiftung habe bisher 20 Millionen Menschen das Leben gerettet, sagte er einmal unserer Redaktion. Umso unangenehmer müssen dem 128-Milliarden-Dollar-Mann die Schlagzeilen sein, die er macht, seit er und seine Frau Melinda Fench Gates Anfang Mai nach 27 Ehejahren die Trennung bekannt gaben.

Jetzt aber sorgt der 65-Jährige wieder mit seinen Projekten zugunsten des Überlebens dieses Planeten für Furore: Das amerikanische Start-up Biomilq, in das Gates über seine Stiftung Breakthrough Energy vergangenes Jahr 3,5 Millionen Dollar investierte, verzeichnet einen sensationellen Durchbruch. Zum ersten Mal ist es gelungen, Muttermilch aus menschlichen Brustzellen außerhalb des menschlichen Körpers zu gewinnen.

Künstlich gewonnene Muttermilch statt herkömmlicher Babymilchprodukte?

Das könnte den Markt revolutionieren: Denn die so gewonnene Milch käme natürlicher Muttermilch näher als alle herkömmlichen Babymilchprodukte, teilten die Wissenschaftlerinnen Leila Strickland und Michelle Eger mit. „Unsere Arbeit offenbart, dass man die Komplexität von Milch erreichen kann, wenn man die komplizierte Beziehung zwischen den Milch produzierenden Körperzellen und den Bedingungen, die sie im Körper vorfinden, nachahmt“, erklärt Strickland, die leitende Forscherin der Firma mit Sitz im US-Bundesstaat North Carolina.

„Die gesundheitsfördernden Auswirkungen des Stillens von Mutter und Kind sind unbestritten und hinreichend belegt“, heißt es bei der Stiftung Gesund ins Leben. Zwar beginnen vier von fünf Müttern in Deutschland direkt nach der Geburt mit dem Stillen, doch nach vier Monaten, dem empfohlenen Mindestzeitraum, werden nur noch zwei Drittel der Kinder ausschließlich mit Muttermilch ernährt. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Das Problem: Die Mütter werden mit Gesundheitsaussagen erheblich unter Druck gesetzt. „Nur wer stillt, kann demnach eine gute Mutter sein“, beklagt etwa Catherine Robinson, Soziologin an der University of Technology in Sydney.

Babynahrung ist lukrativer Wachstumsmarkt

Mit der Labormilch könnte Müttern, die nicht stillen können oder wollen, ein Teil dieses Drucks genommen werden. Strickland selber habe gelitten, weil sie sich schwer damit tat, ihrem Sohn die Brust zu geben. „Es beeinflusste, wie ich über mich als Mutter und Frau dachte“, sagte die Biologin zu „Business Insider“. „Unser Produkt hat nun annähernd die gleichen immunsystemstärkenden Wirkungen wie Muttermilch.“ Zudem ist die Herstellung umweltfreundlicher als für Produkte aus Kuhmilch oder Soja, für die intensive Landwirtschaft betrieben werden muss – hier schließt sich der Kreis zu Gates’ Stiftung Breakthrough Energy, die sich nachhaltigen Energien verschreibt.

Biomilq wiederum verkündete, dass sich das Unternehmen auf „auftragsorientierte und nicht gewinnorientierte Investoren“ konzentriere. Bei allen hehren Absichten – das Geschäft mit Babynahrung ist lukrativ. Es gilt als Wachstumsmarkt, der sich Prognosen zufolge bis 2025 auf einen Umsatz von bis zu 104 Milliarden Dollar im Jahr steigern soll.

Forschen dämpfen Euphorie - Gates hält dagegen

Andere Forscher dämpfen die Euphorie. Muttermilch sei zu individuell und komplex, als dass sie sich als einheitliche Substanz herstellen ließe. „Die schützenden Eigenschaften der Muttermilch sind einmalig in der Evolution“, sagt etwa Experte Peter Hartmann von der University of Western Australia.

Solche Zweifel würde Bill Gates nicht gelten lassen: „Wo wären wir heute, wenn man zu Kolumbus gesagt hätte: Christoph, bleiben Sie hier?“, sagte er. Und: „Es gibt viele Helden.“ Die beiden Biomilq-Forscherinnen gehören für ihn nun ganz sicher dazu. Lesen Sie auch: Bill Gates bei "Maischberger“: Atomkraft als Rettung fürs Klima

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