Polizeieinsatz

"French Sniper": Mutmaßlicher Doppelmörder auf der Flucht

| Lesedauer: 4 Minuten
Peter Heusch
Seit Tagen ist die schwer bewaffnete Polizei im französischen Les Plantiers und der angrenzenden Wildnis auf der Suche nach einem mutmaßlichen Doppelmörder.

Seit Tagen ist die schwer bewaffnete Polizei im französischen Les Plantiers und der angrenzenden Wildnis auf der Suche nach einem mutmaßlichen Doppelmörder.

Foto: CLEMENT MAHOUDEAU / afp

Mit großem Aufwand wird in Frankreich nach einem mutmaßlichen Doppelmörder gefahndet. Er versteckt sich in einem wilden Gebirgsgebiet.

Paris. Die Szenen, die sich derzeit in dem Cevennen genannten, südöstlichen Teil des französischen Zentralmassivs abspielen, scheinen geradewegs dem ersten Hollywood-Streifen der Rambo-Reihe entnommen. 300 schwer bewaffnete Gendarmen, unter ihnen eine Einheit der auf Geiselnahmen spezialisierte Eliteeinheit GIGN, durchkämmen ein 15 Quadratkilometer großes und völlig abgeriegeltes Gebiet unweit des Gebirgsdorfs Les Plantiers.

Ihre Suche gilt dem 29-jährigen Valentin M., einem mutmaßlichen Doppelmörder, der sich irgendwo in der unwegsamen, dicht bewaldeten und von tiefen Schluchten durchzogenen Wildnis versteckt. Les Plantiers ist eine malerische, auf einer Hochebene rings um eine romanische Kirche gruppierte 250-Seelen-Gemeinde des südfranzösischen Departements Gard. Valentin M. lebt und arbeitet hier in der örtlichen Sägerei.

Grund für Doppelmord soll Rüge des Chefs gewesen sein

Am Dienstagmorgen erscheint er offenbar äußerst übel gelaunt auf dem Betriebsgelände, wo ihn sein Chef rügt, weil er niemanden grüßen mag. Daraufhin soll Valentin M. eine Pistole hervor gezogen haben und den 55-jährigen Sägereibesitzer durch mehrere gezielten Kopfschüsse ebenso wie einen herbeistürzenden Kollegen getötet haben. Sofort nach der Tat fährt er nach Hause, rafft mehrere Waffen sowie eine Survival-Ausrüstung zusammen und flüchtet sich zu Fuß in das umliegende Karstgebirge.

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In Les Plantiers, wo jeder jeden kennt, löste der Doppelmord einen Schock aus. Oder er sorgt für Angst wie bei Barbara N., die in der Nachbarschaft des mutmaßlichen Täters wohnt. „Ich kann nicht mehr schlafen“ klagt die verwitwete Frau, „wer weiß denn, wer als Nächster auf Valentines Abschussliste steht.“ Barbara N. darf wie alle übrigen Einwohner von Les Plantiers ihre Wohnung fürs erste nicht verlassen.

Täter als „höchst gefährlich“ eingestuft

Die Präfektur von Nîmes hat sie zu ihrem eignen Schutz zu „größter Vorsicht“ aufgefordert, bis der als „höchst gefährlich“ eingestufte mutmaßliche Täter dingfest gemacht ist. Ob Valentin M. wirklich so gefährlich ist oder lediglich einen Ausraster hatte, darüber gehen die Meinungen in Les Plantiers auseinander. Vorbestraft ist der mit Frau und einjähriger Tochter am Dorfrand in einem Einfamilienhaus wohnende Mann jedenfalls nicht.

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Allerdings weist er aus Sicht der Gendarmerie ein „beunruhigendes“ Profil auf. So besitzt der passionierte Sportschütze und Jäger einen Waffenschein und bei einer Hausdurchsuchung wurden nicht weniger als elf Revolver und Gewehre sowie mehrere Hundert Schuss Munition sichergestellt. Vor allem aber ist bekannt, dass der Täter unbedingt Scharfschütze werden wollte.

„American Sniper“ als Vorbild für mutmaßlichen Doppelmörder

Angeblich war Chris Kyle sein großes Vorbild, jener US-Scharfschütze, der im Irak mit 160 nachgewiesenen „Abschüssen“ einen Rekord aufstellte und dem 2014 den Film „American Sniper“ widmetet. Tatsächlich meldete sich auch Valentin M. als Freiwilliger zu den französischen Streitkräften, fiel jedoch wegen Augenproblemen durch die Musterung. Der die Fahndung leitende Gendarmerie-Oberst Laurent Haas spricht von einer „denkbar delikaten Operation“.

Er fürchtet, dass Valentin M. unter anderem mit einem Präzisionsgewehr bewaffnet ist, dessen Reichweite „gut 300 Meter“ beträgt. Es kommt hinzu, dass er das Gebiet um Les Plantiers kennt wie seine Westentasche. Obwohl die Suchtruppen von einem Hubschrauber mit Wärmekamera unterstützt werden, fehlte nach zwei Tagen und zwei Nächten am Donnerstagmittag nach wie vor jede Spur von dem Flüchtigen, den die Präfektin von Nîmes im Rundfunk aufforderte, „endlich Vernunft anzunehmen“, die Waffen niederzulegen und sich zu stellen.

Der Fall erinnert stark an die Geschehnisse rund um Yves R. im vergangenen Juli. Dieser hatte in Oppenau im Schwarzwald Polizisten bedroht, deren Schusswaffen entwendet und war danach tagelang in dem umliegenden Wald untergetaucht. Der sogenannte "Wald-Rambo" konnte nach aufwendiger Suche mit Hubschraubern und rund 1500 Beamten festgenommen werden.

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